Längst nicht mehr alle Bauernfamilien pflegen einen Nutzgarten. Viele möchten sich in ihrer knappen Freizeit im Garten nur erholen und Zeit mit der Familie und Freunden verbringen. Biodiversität ist vielen aber dennoch ein Anliegen. Doch wie geht man es am besten an, wenn man mehr Natur in den Hausgarten bringen möchte?
Bei dieser Frage setzt Pro Natura an. Die Naturschutzorganisation startet diesen Frühling in der ganzen Schweiz mit dem Projekt «Bonjour Nature»: Dabei können sich Private für kostenlose Gartenberatungen und -zertifizierungen anmelden. «Man kann sich für die Beratung anmelden, wenn man selbst einen Garten hat oder Zugang zu einem hat», erklärt Andrea Haslinger, Projektleiterin Natur im Siedlungsraum bei Pro Natura. «Man muss dort etwas umsetzen können und dürfen, sonst macht eine Beratung wenig Sinn.»
100 Fachleute sind für die Gartenberatungen im Einsatz
Nach einer Testphase im letzten Jahr in elf Kantonen bietet die Organisation die Beratungen nun in der ganzen Schweiz an. Durchgeführt werden sie von rund 100 Fachleuten. «Wichtig war uns, dass die Beraterinnen und Berater aus den jeweiligen Regionen kommen», sagt Andrea Haslinger. «So kennen sie etwa die Vorschriften in den jeweiligen Gemeinden, oder was bei Grenzabständen gilt oder wo es in der Gegend eine Wildpflanzengärtnerei gibt.» Es spielt für die Beratung keine Rolle, ob die Gartenbesitzerinnen und -besitzer schon viel über Naturgärten wissen. «Wichtig ist nur die Bereitschaft, den Tieren und Pflanzen im eigenen Garten mehr Raum zu geben.»
Anmelden kann man sich online. In einem ersten Telefongespräch klärt Pro Natura mit den Gartenbesitzerinnen und -besitzern, welche Anliegen, Ideen und Fragen sie haben. «Manche wollen vielleicht nur die Namen von zehn geeigneten Sträuchern für eine Wildhecke wissen», weiss Andrea Haslinger aus Erfahrung. «Dann reicht ein Telefongespräch.»
Bei mehr Bedarf besteht aber die Möglichkeit einer Gartenberatung vor Ort, die gut eine Stunde dauert. Anschliessend gibt es eine schriftliche Zusammenfassung der besprochenen Punkte per E-Mail. «Wir erstellen keine detaillierten Gartenpläne», präzisiert Andrea Haslinger. «Doch wir geben Anregungen und praxistaugliche Tipps, verschicken auch mal eine Anleitung oder geben Hinweise auf Bezugsquellen.»
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Alle können etwas zur Biodiversität beitragen
Die Nachfrage sei gross. «Im Garten können alle etwas zur Biodiversität beitragen», meint Andrea Haslinger zur Frage nach der Motivation. «Die einen möchten Tiere beobachten können. Andere möchten eine bestimmte Art von Schmetterlingen anlocken oder erfahren, was Igel im Garten zum Überwintern brauchen.» Denn private Gärten machen mehr als ein Prozent der Fläche der Schweiz aus und haben ein nicht zu unterschätzendes Potenzial, wichtige Lebensbereiche für zahlreiche Tiere und Pflanzen zu sein.
Wer etwas im eigenen Garten verändern möchte, beginnt am besten in einem Gartenbereich, der kaum genutzt wird. Den Sandkasten, den die Kinder längst nicht mehr nutzen, kann man zum Beispiel in eine Sandlinse für Wildbienen umwandeln. Man könne klein anfangen, so Andrea Haslinger. «Doch ein Naturgarten muss einen Mindestanteil von einheimischen Wildpflanzen haben.»
Plakette zeichnet Naturgärten aus
Wer noch weiter gehen möchte, kann seinen Garten von Pro Natura zertifizieren lassen und erhält dann eine entsprechende Plakette. Dazu müssen aber unter anderem zwei Drittel der Gartenfläche naturnah sein mit einem hohen Anteil einheimischer Wildpflanzen, also weder Nutz- noch Zierpflanzen. Für eine Zertifizierung kommt eine Fachperson von Pro Natura in den Garten und begutachtet anhand einer Checkliste die naturnahen Elemente. Je nach erreichter Punktzahl wird der Naturgarten mit einem bis drei Schmetterlingen ausgezeichnet.
Auch für die Zertifizierung sei das Interesse gross, weiss Andrea Haslinger. «Früher dachte man, ein Naturgarten sei eine ästhetische Zumutung. Heute weiss man: Man kann Naturgärten auch so gestalten, dass sie ansprechend sind.» Das Zertifikat sei zudem für viele eine Wertschätzung. «Es ist eine Bestätigung, dass sie etwas Gutes für die Natur gemacht haben.»

