Als Simone Huwyler auf ihrem Grundstück mit dem Gärtnern begann, war da nichts als Wiese, durchsetzt mit einigen prächtigen alten Kirschbäumen. Mit ihrem Mann und den zwei Töchtern ist sie vor rund zehn Jahren ins ländliche Nuglar im Kanton Solothurn gezogen. Mit Elan hatte sie damit begonnen, den Garten zu gestalten. Zuerst den Vorgarten, dann erste Gemüsebeete. «Es war eine Knochenarbeit, in der Wiese neue Beete anzulegen, und es behagte mir gar nicht, mit dem Umgraben das ganze Bodenleben durcheinanderzubringen», erinnert sich Simone Huwyler, die in Deutschland Landschaftsplanung studiert und im Rahmen der Ausbildung ein Praktikum im Gartenbau absolviert hat.
Auf der Suche nach Alternativen stiess sie in der englischen Gartenliteratur auf das Zauberwort «No-Dig». Die Idee des Gärtnerns ohne Umgraben klang bestechend. Statt die Wiese mühsehlig abzutragen, überdeckt man sie einfach mit einer Lage Karton und schichtet darüber rund 30 cm reife Komposterde auf – fertig ist das Beet. Die natürliche Struktur des Bodens bleibt intakt, und das Unkraut kommt nur spärlich auf. Für Simone Huwyler eine Win-win-Situation: «Ich muss nicht mehr buddeln, und die Kleinlebewesen im Boden haben ihre Ruhe.» Ein neues «No-Dig»-Beet kann entweder zu Beginn der Gartensaison angelegt und sofort genutzt oder über die Winterzeit vorbereitet und erst im kommenden Frühjahr bepflanzt werden.
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In fünf Schritten zum Beet
Das braucht es:
- Bretter zum Einfassen des Beets, Metallwinkel, Akku-Bohrmaschine, Holzschrauben
- Karton ohne Farbstoffe, alle Klebeetiketten entfernt (oder alternativ dazu dickes, ungebleichtes Packpapier)
- Gut gereifte Komposterde
So geht es:
- Eine Schicht Karton auf die gewünschte Beetgrösse überlappend auf dem Boden verteilen, etwas grösser als die Endgrösse des Beetes.
- Holzbretter in der gewünschten Form auslegen.
- Die Holzbretter mit Metallwinkeln zusammenschrauben.
- Eine 30 cm starke Schicht gut gelagerten, reifen Kompost einfüllen.
- Organisches Abdeckmaterial wie Schnitzel, Häcksel, Laub (mit einem Netz feststecken), Heu oder Stroh aufbringen.
Neu ist das Gärtnern ohne Umgraben nicht. Erste Literatur-Hinweise dazu finden sich bereits im 19. Jahrhundert. Heute findet die bodenschonende Art des Gemüsegärtnerns in Biogartenkreisen wie auch in der Permakultur eine wachsende Anhängerschaft. Grosser Verfechter und «Bekanntmacher» des «No-Dig-Gardens» ist der Engländer Charles Dowding, Geograf und Gärtner aus Somerset. Er experimentiert seit den 1980er-Jahren damit und gibt sein Wissen in Büchern und Filmen weiter.
Simone Huwyler ergänzt ihr Gartenwissen laufend mit Informationen aus Büchern, Zeitschriften und aus dem Internet, findet allerdings, dass nichts so wertvoll sei wie die eigene Erfahrung. Denn oft lasse sich theoretisches Wissen nicht eins zu eins auf den eigenen Garten übertragen. Sie arbeitet nach dem Motto «Versuch und Irrtum», indem sie vieles einfach mal ausprobiert. Ihre Erfahrungen gibt sie auf Instagram weiter.