«Ich brauche die Abgeschiedenheit. Im Dorf zu wohnen, wäre mir schon zu zentral.» Stefanie Schori aus Madiswil im Kanton Bern sitzt im Wohnzimmer des Bauernhauses, das oberhalb von Madiswil liegt. Hier lebt sie mit ihrem Partner Andreas Zaugg, der Landwirt ist, den Betrieb führt und ein Forstunternehmen besitzt. Der Nebenerwerbsbetrieb liegt in der voralpinen Hügelzone.
Stefanie Schori kommt regelrecht ins Schwärmen, als sie von ihrem Wohnort erzählt, der einen fantastischen Ausblick bietet. Sogar den Chasseral könne sie bei klarer Sicht erkennen, erklärt sie der Besucherin aus dem Seeland. Doch wer nun meint, die junge Bäuerin mit Fachausweis sei eine Eigenbrötlerin, der täuscht sich. Genauso gerne mag die knapp 30-Jährige den Kontakt zu anderen Menschen. Die Mischung aus beidem müsse einfach stimmen. Und die hat sie gefunden.
Der Waldhof als Lebensschule
Stefanie Schori ist etwas unterhalb ihres jetzigen Wohnortes in einem Einfamilienhaus aufgewachsen. Auch wenn sie einige Berührungspunkte zum Bauernleben hatte, stand Bäuerin zu werden nicht auf ihrem Lebensplan. Trotzdem sind ihr die Natur und die Landwirtschaft sehr wichtig. Sie lernte Kauffrau auf einer Bank und bildete sich zur Finanzplanerin weiter.
Stefanie Schori arbeitet 80 Prozent als Pensionsplanerin bei der Berner Kantonalbank. Erst durch die Beziehung zu ihrem Partner hat sich das Berufsfeld der Bäuerin ergeben. «Ich wollte Wissen erlangen. Zudem ist das Absolvieren des Waldhofs eine Lebensschule», erklärt sie die Gründe, warum sie die Bäuerinnenausbildung absolvierte. Im Januar konnte sie, als eine von drei Absolventinnen, ihren Fachausweis mit der Bestnote 6 entgegennehmen. Doch der Rummel, der darum gemacht wird, ist der jungen Frau ein wenig unangenehm.
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Zwei Herzensangelegenheiten vereint
«Ich gebe immer mein Bestes und arbeite nicht auf irgendeine Note hin. Dass mein Bestes so honoriert wurde, ist toll», freut sie sich über das Ergebnis. Und: «Bei der Abschlussarbeit konnte ich die zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen, vereinen – die Landwirtschaft und die Vorsorge», erklärt sie strahlend. Das Thema ihrer Arbeit lautete: «Gut vorgesorgt? – Unsere Vorsorgesituation bei Krankheit, Unfall oder Tod analysiert und optimiert.»
Die Arbeit bringe ihr und ihrem Partner viel, zumal das Paar nicht verheiratet ist. «Für uns lag die Notwendigkeit in diesem Thema höher, als wenn ich etwas im Bereich Garten gemacht hätte», analysiert Stefanie Schori. Sie erklärt, dass sie der theoretische Typ und stark im Denken sei, sich Wissen durch die Theorie und nicht beim «Einfach mal machen» aneigne.
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Nähen wurde fast zum Verhängnis
Im Nachhinein empfindet sie es als Fehler, während der Ausbildung als Projektarbeit das Stricken, statt das Nähen gewählt zu haben. Denn Teil der Prüfung ist es, nach Anleitung ein Stück zu nähen. Stricken gehört nicht dazu. «Ich hätte besser genäht, um Nähfähigkeiten zu erlangen», analysiert sie ein weiteres Mal und lacht dabei. Mit zu wenig Übung und als theoretisch veranlagte Person, sei ihr das Umsetzen der Nähanleitung für einen Wäschesack mit Henkel und Reissverschluss anlässlich der Prüfung sehr schwergefallen.
Nicht verwunderlich ist, dass Stefanie Schori das Thema Buchhaltung während der ganzen Ausbildung leichtfiel. Trotz ihres Vorwissens empfand sie dieses Fach nicht als langweilig, da sie mit Buchhaltungen im landwirtschaftlichen Kontext noch nie in Berührung gekommen war. «Ich konnte dabei mein Grundwissen erweitern und auch anderen helfen», erinnert sie sich. Das habe ihr Freude bereitet.
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Sie weiss, wo sie suchen muss
Neben ihrer Arbeit als Pensionsplanerin unterstützt Stefanie Schori bei Bedarf ihren Partner auf dem Betrieb, der Mutterkühe mit saisonaler Abkalbung hält, und besorgt den grössten Teil der Hausarbeit. Auch hier kann sie viel Gelerntes aus der Bäuerinnenausbildung anwenden. «Beim Putzen denke ich oft daran», erklärt sie. Backen ist zudem etwas, das Stefanie Schori als grosse Leidenschaft aus der Ausbildung mitgenommen hat. «Züpfe mache ich mega gerne», betont sie. Das Wissen über Erste Hilfe sei auch sehr wertvoll. «Ich habe viele Werkzeuge erhalten.» Einiges brauche sie im Alltag, vieles auch nicht. Doch sie weiss, wo suchen und welches Buch hervorholen, wenn sie Wissen auffrischen will.
Deutlich erklärt sie aber auch: «Wenn ich das Wissen über das Einmachen nicht nutze, bin ich selbst schuld.» Denn die Schwiegermutter in spe bewirtschaftet den Garten vor dem Haus. «Das schätze ich sehr», betont Stefanie Schori. «Denn ich bin eher die theoretische Bäuerin», erzählt sie und schmunzelt. Und solange die Schwiegermutter in spe den Garten bewirtschaften will, darf sie das gerne tun. «Danach sehen wir weiter.»
Türschwellen sind für den Staubsaugerroboter kein Problem
Stefanie Schori trägt zwar den Titel Bäuerin mit Fachausweis. Doch ihrem persönlichen Bild einer «klassischen Bäuerin, die super kochen kann und einen grossen Gemüsegarten bewirtschaftet», entspricht sie nicht. Und dann verrät sie noch: «Zudem besitze ich einen Staubsaugerroboter. Ich weiss nicht, was andere Bäuerinnen davon halten. Doch der ist super. Du kannst das Ding einschalten und weggehen.» Und er überwinde sogar Türschwellen, schwärmt sie.
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Allein und dennoch nicht einsam auf Reisen
Als Pensionsplanerin arbeitet Stefanie Schori in Kontakt mit Menschen, kann aber teilweise auch im Homeoffice tätig sein. «Das ist eine optimale Mischung aus Kontakten und der benötigten Ruhe.» Zudem sei die Arbeit sehr spannend und die Fachfrau sieht einen grossen Sinn in ihrer Tätigkeit. In ihrer Freizeit schätzt sie das Reisen mit anderen Landfrauen. In diesem Sommer geht sie zum dritten Mal mit auf eine Reise des Verbands Bernischer Landfrauenvereine. Allein.
Denn ihr Partner reist nicht gerne. Das mache auch nichts. Im Gegenteil. Stefanie Schori empfindet es als optimal, dass er nicht mitwill. «Es ist so schön, so herrlich mit den Frauen», schwärmt sie abermals. Alle seien immer herzlich und sie werde als Alleinreisende gut aufgenommen. Wichtig ist ihr aber auch hier ab und zu Ruhe und Zeit für sich allein zu haben. Daher bucht sie jeweils ein Einzelzimmer.
Wünsche für die Zukunft
Für die Zukunft wünscht sie für sich, ihren Partner Andreas Zaugg und die Schwiegereltern in spe, dass jeder innerhalb der Familie weiterhin den Platz einnehmen kann, den er oder sie gerade braucht. Zudem möchte sie auch in Zukunft regelmässig mit den Landfrauen unterwegs sein können. Und ganz wichtig: Sonntags mit einem Buch vor der Nase die Ruhe und Aussicht ihres Zuhauses geniessen zu können – das ist enorm wichtig für Stefanie Schori.