Schädlinge werden häufig mit den Einkäufen eingeschleppt, oder fliegen durch offene Fenster und Türen, um sich gütlich zu tun. Das ist keine Frage der Küchenhygiene – auch ein sauberer Küchenschrank oder eine vorbildliche Vorratshaltung können befallen werden.
Lebensmittel- und Vorratsschädlinge treten entlang der ganzen Lebensmittelkette auf. Von der Ernte bis zum Detailhändler und der Endkonsumentin kämpfen alle mit ihnen und müssen Massnahmen treffen, um einen Befall oder eine Verbreitung zu verhindern. Häufig kann der gleiche Schädling auch verschiedene Lebensmittel befallen, was eine Bekämpfung umso anspruchsvoller macht.
Alle Vorräte gut kontrollieren
Die Schädlinge und vor allem ihre Eier und Larven sind oft sehr klein. Sichtbar sind zum Beispiel die Maden, die weissen Gespinste oder kleine Käfer, die sich bewegen und dadurch sichtbar werden. Muffig riechender Reis kann vom Reismehlkäfer befallen sein, der sich in die Körner bohrt und damit schlecht sichtbar, aber gut riechbar ist. Mottenlarven sind häufig in den oberen Falzen der Verpackung oder der Vorratsdose. Fressschäden in Form von kleinen Löchern an den Lebensmitteln oder deren Verpackung, Veränderungen wie Verklumpungen oder ein merkwürdiger Geruch geben ebenfalls einen Hinweis auf einen Befall.
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Was gegen Schädlinge tun?
Ist ein Befall erkannt, gilt es rasch zu handeln. Wichtig ist es, alle Vorräte gut zu kontrollieren und die kontaminierten Lebensmittel zu entsorgen. Möchte man sie auf dem Miststock oder dem Kompost entsorgen, sollte man sie vorher während drei Tagen bei –18 °C gefrieren oder für eine Stunde bei 80 °C im Backofen erwärmen, um die Schädlinge abzutöten und so einen Wiederbefall zu verhindern.
Bleiben befallene Vorräte im Küchenschrank oder in der Vorratskammer zurück, breiten sich die Schädlinge rasch wieder aus. Oft sind sie auch in den Bohrlöchern der Tablare im Schrank eingepuppt. Daher ist es notwendig, den ganzen Schrank inklusive der Tablare auszuräumen und etwa mit Essig auszuwischen. Den Geruch von Essig mögen die meisten Schädlinge nicht, weshalb dieses einfache Hausmittel sehr wirkungsvoll ist. Auch einige Lorbeerblätter in der Vorratsdose helfen mit ihrem starken Geruch, einen Einflug abzuwehren.
Vorbeugende Massnahmen ergreifen
Einige Schädlinge können sich sogar durch verschlossene Verpackungen durchbeissen. Daher ist es sinnvoll, frisch gekaufte Lebensmittel in Schraubgläser oder gut verschliessbare Aufbewahrungsboxen umzufüllen. Für grössere Mengen lohnt es sich, Getreidetonnen anzuschaffen, um beispielsweise Mehl, Zucker oder Kräuter sicher zu lagern. Hier ist es ein Vorteil, dass sich ein allfälliger Befall nicht ausbreiten kann und in der Getreidetonne eingeschlossen bleibt. Und natürlich gilt, was auf der Verpackung steht: Trocken und kühl lagern, da eine hohe Luftfeuchtigkeit und warme Temperaturen ein optimales Klima für die Schädlinge bedeuten und deren Vermehrung beschleunigen.
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Die häufigsten Schädlinge im Vorrat
Trockenfruchtmotte (Plodia interpunctella): Die Fruchtmotte ernährt sich von Getreide, Getreideprodukten, Mais, getrockneten Früchten, Nüssen und Samen, Keksen, Milchpulver, Schokolade, Süssigkeiten und trockenem Tierfutter.
Mehlmotte (Ephestia kuehniella): Die Mehlmotte ist weltweit einer der bedeutendsten Vorratsschädlinge. Man findet ihn in allen Getreidearten. Die Mehlmottenlarven produzieren vom Schlupf bis zur Verpuppung einen feinen Spinnfaden, mit dem die befallene Ware verklebt wird.
Brotkäfer (Stegobium paniceum): Der Brotkäfer ist ein sehr verbreiteter Kulturfolger. Er kann in allen Arten von gelagerten und getrockneten Lebensmitteln wie Gewürzen, Suppenwürfeln, Schokolade, Samen, Getreide, Tierfutter und getrockneten Pflanzenprodukten sowie Verpackungsmaterialien wie Papier und Karton vorkommen. Er kann sich sogar von Leder, Wolle und Büchern ernähren. Der Schaden entsteht durch die Frasstätigkeit der Larven und die Gespinstverklebung.[IMG 4]
Reismehlkäfer (Tribolium castaneum): Der Reismehlkäfer kommt in Getreideprodukten, Reis, Bohnen, Kakao, geschälten Nüssen, Trockenfrüchten, Hülsenfrüchten, Medikamenten, Gewürzen, Schokolade und Milchpulver vor.
Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis): Der Getreideplattkäfer ist einer der häufigsten Schädlinge von gelagertem Getreide und Getreideprodukten. Er kann verschlossene Verpackungen wie Kartons, Plastiktüten und Frischhaltefolien durchstechen. Die Larven entwickeln sich in Mehl und anderen Getreideprodukten wie Brot, Nudeln und Müesli, in Trockenfrüchten, Nüssen, Zucker, Schokolade, Süssigkeiten, Tabakwaren und Medikamenten.
Kornkäfer (Sitophilus granarius): In Europa zählt er zu den am weitesten verbreiteten Vorratsschädlingen. Er ist in Getreidekörnern, Mehl, Nüssen, Bohnen, Erbsen, Teigwaren und Trockenfrüchten zu finden. Er verunreinigt die Lebensmittel durch seine Exkremente und die Fäden seiner Larven. Ein Befall kann dazu führen, dass die Lebensmittel muffig riechen.[IMG 5]
Auch in Profibetrieben eine Herausforderung
Schädlinge kommen nicht nur in privaten Haushalten vor, sondern sind in allen Bereichen der Lebensmittelkette ein wichtiges Thema, wie Michael Anliker, Leiter Produktion und Mitglied der Geschäftsleitung der Mühle Burgholz, erläutert. Die Kontrolle setzt bereits bei den Liefervereinbarungen an, in denen die Produzentinnen und Produzenten eine schädlingsfreie Ware garantieren müssen.
Unmittelbar bei der Anlieferung wird eine Probe entnommen, die gründlich untersucht wird, um eine Kontamination zu vermeiden. In den Getreidesilos sind Temperaturmessgeräte installiert, die Aufschluss über einen Schädlingsbefall geben können. Steigt die Temperatur im Silo über 30 °C, wird eine Schädlingsaktivität überprüft und das Getreide allenfalls mit Sieben und Luft erneut gereinigt. Zudem wird monatlich ein Monitoring durchgeführt, um einen allfälligen Befall rechtzeitig festzustellen. Einmal jährlich wird eine sogenannte Entwesung durchgeführt, bei der alle Anlagen gründlich gereinigt werden.
Die gängigen Behandlungen bei befallenen Lebensmitteln sind die Begasung (Senkung des Sauerstoffgehaltes) oder eine Hitzebehandlung bei 55–60 °C. Tierfutter wird mit 100 °C heissem Dampf sterilisiert. «Die Schädlingsfreiheit ist für uns ein sehr wichtiges Thema, auf das wir grossen Wert legen», sagt Michael Anliker. «Neben dem Kornkäfer werden auch Nagetiere und Vögel mit verschiedenen Massnahmen bekämpft.» Er empfiehlt, Vorräte gut verschlossen und kühl zu lagern. Falls trotz aller Massnahmen ein Produkt verunreinigt sein sollte, sind die Verkaufsstellen froh um eine Rückmeldung, um rasch eingreifen zu können.