Draussen herrschen an einem Tag im Februar peitschende Windböen und Temperaturen nahe dem Frost. Beim Betreten der Wohnstube bei Béatrice Meili wird jedem Besucher gleich warm ums Herz. Das liegt sowohl an den hellen, freundlichen Räumen, in denen alles aus Holz ist, als auch an der Gastgeberin, die mit ihrem Mann Rolf Baumann in einem über 200 Jahre alten Bauernhaus in Kirchleerau im Kanton Aargau lebt. Ein Kachelofen, ein Miniatur-Bauernhof aus Holz, die aus Pappmaché selbst gefertigten Häuschen, erleuchtet von einer durchgängigen Lichterkette, und viele schön assortierte Gegenstände aus der bäuerlichen Kultur wirken auf Anhieb einladend.

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Béatrice Meili bietet seit 2008 Gästen Unterkünfte in ihrem «Old Farmhouse» an, in ihrem alten Bauernhaus, wie sie es nennt. In diesem Jahr ist sie darüber hinaus bereits im zehnten Jahr Gastgeberin für «Swiss Tavolata». «Es ist mir bewusst, dass wir Schweizer den Begriff Tavolata am ehesten mit Erinnerungen an Ferien im Süden in Zusammenhang bringen», sagt sie. «So sind manche meiner Gäste angenehm überrascht, wenn sie feststellen, dass sie diese Art von Gastrokultur auch in der Schweiz erleben können.»

Wohnhaus und Zivilstandesamt

Eine Besonderheit ist es, dass sich im Haus von Béatrice Meili und Rolf Baumann seit 2010 das Zivilstandsamt befindet. So ist es naheliegend, dass Hochzeitsgesellschaften hier gleich auch die Räumlichkeiten für ihre Feier buchen. Da es sich dann jeweils um grössere Tischgesellschaften handelt, bringen diese für die Feierlichkeiten einen auswärtigen Catering-Service mit.

Wenn Béatrice Meili von vergangenen Festen, von Anlässen diverser Vereine oder von Gästen für die Tavolatas erzählt, reicht bereits ein Blick aus dem Fenster, um sich vorzustellen, dass sich hier unterschiedliche Menschen wohlfühlen, oft auch von weit hergereiste. Zwar sind die grosszügige Wiesenfläche und der Garten noch im Winterschlaf, aber der Schwimmteich, die Pergola, zahlreiche Gartenmöbel und mehr sind bereit für eine nächste Saison mit Gästen, die sich hier wohlfühlen sollen.

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Beim Gang durchs Haus und den Einblicken in die Gästezimmer sagte Béatrice Meili, dass ihre Gäste sich im ganzen Haus bewegen dürften. «Wir haben keine Zutritt verboten-Schilder und vertrauen unseren Gästen», sagt die Gastgeberin. «Ich denke, wenn man nicht krampfhaft daran denkt, was passieren könnte, tritt dieses auch seltener ein.»

Lokal verankert

Sie erzählte, dass in ihrer Region in den Jahren um 1850, als Hungersnot herrschte, Bauernfamilien nach Übersee auswanderten. Deshalb habe sie oft weit gereiste Gäste, die nach den Wurzeln ihrer Ahnen suchen. Béatrice Meili ist in Schöftland AG aufgewachsen, unweit von Kirchleerau AG. Von 1981 bis 2011 hat sie als Bezirksschullehrerin gearbeitet. Heute geniesst sie es, dass sie sich genug Zeit nehmen kann für ihre Gäste, für das Bed-and-Breakfast (B & B), für Travoltas – und ganz besonders für ihre sechs Enkelkinder.

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«Ich verwende in meiner Küche nur frische Zutaten von lokalen Produzenten», sagt Béatrice Meili über ihre Küche. «Während der Saison ernte ich frisches Gemüse und Kräuter aus meinem Garten.» Sie freut sich, dass es ihr und weiteren engagierten Dorfbewohnern aus Kirchleerau gelungen ist, einen Verein zu gründen, um den «Chäsiladen» vor der Schliessung zu retten. Hier bezieht sie vieles für die Speisen, mit denen sie ihre Gäste bewirtet. «Weil der Duft von selbst gebackenem Brot den Gaumen ideal auf die darauffolgende Kulinarik einstimmt, backe ich gern, meistens täglich, auch für den Eigenbedarf.» Das Getreide bezieht sie bei der Schlossmühle Rued in der Region und mahlt es jeweils selbst.

«Stöckli» aus altem Spycher

Mit dem Verein Schlossmühle Rued pflegt sie gute Kontakte. Wenn im Schloss die Übernachtungskapazitäten nicht ausreichen, empfehle man dort ihr B & B. «Es ist mir wichtig, meinen Gästen die Vorzüge einheimischer Lebensmittel näherzubringen», so Béatrice Meili. «Und selbstverständlich gibt es bei meinem Frühstücksbuffet keinen Orangensaft, sondern Süssmost.» Traditionen und Moderne verbinden, weltoffen sein, und regional verankert bleiben, ist Béatrice Meili und ihrem Mann ein Anliegen.

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Ein Beispiel dafür ist ihr Engagement zur Rettung alter Bauernhäuser. Im Jahr 2019 wagten sie sich an den originalgetreuen Wiederaufbau eines Spychers, der in Reitnau (AG) stand und abbruchgefährdet war. «Wir haben nur die morschen Balken ersetzt», sagt Béatrice Meili. «Mein Mann und ich sind stolz darauf, dass es uns gelungen ist, den Spycher wieder so aufzubauen, dass man seinen ursprünglichen Sinn als Stöckli erkennt.» Der Spycher sei für sie mehr als einfach nur ein historisches Gebäude. «Wir nutzen den Spycher sowohl als Schlechtwetter-Unterstand als auch für die Bewirtung von Gästen.»

Fragen an Béatrice Meili

Was können Sie besonders gut?
Ich bin eine leidenschaftliche Köchin und Gärtnerin.

Welchen Traum möchten Sie verwirklichen?
Dazu fällt mir mein liebster Spruch ein, quasi eine Lebensweisheit: Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum!

Wie belohnen Sie sich selbst?
Dazu gönne ich mir das Lesen eines guten Buches.

Welches (Gäste-) Kompliment freut Sie besonders?
Ich freue mich, wenn Gäste so zufrieden sind, dass sie gern wiederkommen, sei es im Bed-and-Breakfast oder für meine Tavolatas.

Wohin möchten Sie einmal reisen? 
Meine nächste geplante Reise wird in den Süden Englands sein.