Renate Wyss-Probst aus Alchenstorf BE betreibt mit ihrer Familie Schweinehaltung. Sie ist normalerweise eine Frohnatur. Das kam in einem Porträt, das vor einem Jahr in der BauernZeitung erschien, deutlich zum Vorschein. Die freischaffende Landfrau, wie sie sich selbst bezeichnet, lacht oft und gerne. Normalerweise. 

«Anzeige gegen den höchsten Schweinehalter» Suisseporcs-Präsident am Pranger: Besuch bei Bernhards in Alchenstorf Thursday, 19. March 2026 Doch vergangene Woche ist ihr das Lachen vergangen und sozusagen im Halse stecken geblieben. Dies wegen der Schlagzeile «Anzeige gegen den höchsten Schweinehalter der Schweiz», die in mehreren Tamedia-Tageszeitungen erschien. Darin wurde publik gemacht, dass die Organisation Tier im Fokus (TIF) Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen die Familie Bernhard aus Alchenstorf eingereicht hat (wir berichteten). Dies, nachdem Unbekannte nachts in den Stall eingedrungen waren und Fotos von angeblichen Missständen gemacht hatten.

Der Familienbetrieb Bernhard wird seit 2023 von Simon Bernhard geführt. Vater Andreas Bernhard ist der Präsident von Suisseporcs und damit eben höchster Schweinehalter. Die Familien Bernhard und Wyss sind im selben Dorf wohnhaft, Berufskollegen und auch Geschäftspartner. Denn Renate und ihr Mann Urs Wyss betreiben einen Schweine-Deckwartebetrieb mit arbeitsteiliger Ferkelproduktion (AFP). In diesem System der AFP arbeitet auch der Betrieb Bernhard.

Fremde gefährden Biosicherheit im Schweinestall

Der Zeitungsbericht, der kurz vor den kantonalen Wahlen erschien, und auch die Bilder, die in den sozialen Medien kursierten, schlugen hohe Wellen. Das lässt Renate Wyss alles andere als kalt. Als wir sie telefonisch auf die Geschichte ansprechen, atmet sie hörbar ein. Sie hätten bereits im Vorfeld von Simon Bernhard erfahren, dass sich Journalisten angemeldet hätten. Dabei hätten sie die ganze Geschichte mit dem nächtlichen Einbruch, der durch TIF verübt wurde, erfahren. «Da machst du dir schon Gedanken. Wir Schweinehalter legen riesigen Wert auf die Biosicherheit, ziehen uns bis auf die Unterwäsche um, wenn wir in den Schweinestall gehen, und auch wieder beim Hinausgehen. Und dann spazieren Fremde einfach so in den Stall», nervt sich Renate Wyss.

Familie Wyss verspürt Hilflosigkeit

«Wir Schweinehalter fühlen uns einfach angegriffen und hilflos ausgeliefert. Mein Mann Urs meint, als Tierhalter bewegst du dich stets mit einem Bein im Gefängnis», erklärt Renate Wyss. Der immer wiederkehrende Fingerzeig auf die Tierhalter belastet die Landfrau. Ja, Fehler würden überall passieren. Aber der Betrieb Bernhard sei ein absoluter Vorzeigebetrieb, wirft Urs Wyss ein, der neben seiner Frau sitzt.

Die ganze Familie interessiert, was die Medien über den Fall berichten, und sass am Mittwochabend geschlossen vor dem Fernseher, um den Bericht im Regionalsender «TeleBärn» zu schauen. Die Vorkommnisse bei Familie Bernhard versteht die Familie Wyss als persönlichen Angriff auf alle Schweinehalter. Bei Urs Wyss fährt seitdem ein schlechtes Gefühl und die Angst mit, irgendwo abgepasst zu werden, wenn er mit dem Tiertransporter unterwegs ist und etwa Schweine zu den Abferkelbetrieben überführt.

[IMG 2]

Fronten verhärten sich noch mehr

Analyse Vorwürfe gegen Suisseporcs-Präsident: Wahlkampf mit dem Brecheisen Wednesday, 18. March 2026 Auch bei der täglichen Arbeit schwinge mittlerweile ein ungutes Gefühl mit. «Müssen wir uns nun jeden Tag dafür rechtfertigen, dass wir mit Schweinen arbeiten?», fragt sich Renate Wyss. Im Dorf herrscht Unverständnis darüber, dass ein illegaler Einbruch, bei dem die Bilder entstanden sind, kein Thema ist. Urs Wyss ist sich sicher, dass sich durch diesen Fall Kritiker von grösseren Ställen in ihrer Meinung bestätigt fühlen. Und für Renate Wyss ist klar: «Das Ganze verhärtet die Fronten zwischen Produzenten und Kritikern noch mehr.»

Schutz vor ASP wirkt negativ gegen aussen

Direkt am Hof und auch am Schweineauslauf bei Familie Wyss führt ein Wanderweg vorbei. Bislang habe das zu positiven Reaktionen von Wanderern geführt. Die meisten hätten Freude an den Schweinen im Auslauf gezeigt. Nun hätten sie aber jüngst die offenen Gatter des Auslaufs mit Argoliteplatten verschliessen müssen. Dies wegen der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP). «Das hat eine schlechte Wirkung gegen aussen. Was haben sie denn zu verstecken?, fragen sich nun die Wanderer», mutmasst Renate Wyss. Dabei ist ihr die Unsicherheit darüber, was sie und ihre Berufskollegen künftig noch zu erwarten haben, am Telefon förmlich anzuhören.