«Ich bin in einem landwirtschaftlichen Umfeld aufgewachsen», erzählt Flavia Burkhardt. Mehrere Onkel und auch ihre Grosseltern betrieben Landwirtschaft, ihre Familie selbst allerdings nicht, sie wohnten lediglich auf dem ehemaligen Betrieb. Ihre Herkunft sowie ihr Mann, der schon lange überzeugt gewesen sei, dass die Bäuerinnenschule für sie genau das Richtige ist, brachten sie dazu, den Fachkurs Bäuerin am LZ Liebegg zu besuchen.

Projektarbeit zur jährlichen Zwetschgenflut

Ob Strickhof, BBZ Pfäffikon oder LZ Liebegg, das habe von ihrem damaligen Wohnort aus keinen grossen Unterschied gemacht. Allerdings sei das LZ Liebegg für sie verkehrstechnisch am besten zu erreichen gewesen, erklärt die Aargauerin ihre Wahl. Gelernt hat Flavia Burkhardt Detailhandelsfachfrau EFZ, anschliessend begann sie im Jahr 2022 den Fachkurs Bäuerin. 

Als sie ein Jahr später genug vom Detailhandel hatte, kündigte sie – ohne bereits einen neuen Job zu haben. Diesen fand sie dann im Hofladen auf dem Schluechthof in Cham ZG ein Glückstreffer für die 29-Jährige. «Es war schon immer mein Traumjob, in einem Hofladen zu arbeiten. Kleiner, persönlicher und mehr Bezug zu den Lebensmitteln, das gefällt mir.»

Für ihre Anstellung als Hofladen-Leiterin wäre ihre Erstausbildung ausreichend gewesen. Die Anforderung lautete entweder Detailhandelskauffrau oder Bäuerin. Dass sie nun gleich beides abdeckt, sieht Burkhardt als grossen Vorteil. Am Fachausweis ist die junge Frau aktuell dran, die Projektarbeit ist bereits eingereicht. Ihr Projekt ist mit dem Schluechthof als Referenzbetrieb erarbeitet. Das Thema betrifft den Hofladen: Wie kann die jährliche Zwetschgen-Flut verarbeitet werden, damit weniger in den Handel verkauft und mehr direktvermarktet werden kann? Ein Thema, das Flavia Burkhardt direkt umsetzen kann, sobald die Saison beginnt. «Ich wollte etwas machen, das ich auch umsetzen kann», erklärt die angehende Bäuerin.

Das viele Wissen aus der Bäuerinnenschule hilft 

Im Hofladen hat sie freie Hand. Das bedeutet, sie plant die Einsätze ihrer vier Mitarbeiterinnen, kommuniziert mit Lieferant(innen), bestellt Waren, nimmt neue Produkte ins Sortiment und legt deren Preise fest. Sie verarbeitet zusammen mit ihrem Team Obst, backt, und füllt Regale auf. «Jetzt, nach zweieinhalb Jahren, kann ich sagen: es läuft.» Gerade die Arbeit im Büro sei zu Beginn etwas herausfordernder gewesen.

Die verschiedenen Module der Bäuerinnenschule kommen Flavia Burkhardt definitiv zugute. Beim Jahresgespräch mit dem Treuhänder versteht sie nun die Zahlen, in der Produktverarbeitung ist mehr Wissen da und von der Betriebslehre und der Haushaltsführung kann sie bei der Planung und der Arbeit im Hintergrund ebenfalls profitieren. 

Spannend sei auch der Perspektivenwechsel, hier am Schluechthof habe sie unterdessen schon einen Teil des Moduls BF25 (Verkaufsschulung, Vermarktung) unterrichten dürfen. Der Unterschied, ob eine Klasse engagiert sei und Fragen stelle oder eher passiver am Unterricht teilnehme, sei auch für die Lehrperson gross. «Man hat viel mehr Freude, wenn mitgemacht wird. Das ist mega cool!», meint Flavia Burkhardt.

Die Früchte der Weiterbildung ernten

«Einfach machen!», rät Flavia Burkhardt jungen Frauen und Männern zum Thema Fachkurs Bäuerin. Man nehme so viel mit für den Haushalt und das Leben. Auch wenn man danach noch kein Profi sei, habe man in allen Bereichen ein gutes Grundwissen, worauf man aufbauen könne. Das merkt sie auch in ihrem eine Are grossen Garten jedes Jahr von Neuem. Dort hält sich die junge Bäuerin in ihrer Freizeit am liebsten auf. Der Garten befindet sich neben dem Haus, in dem sie mit ihrem Mann eine Wohnung bewohnt, direkt auf dem Gelände des Schluechthofs.

Zukünftig plant sie, das Sortiment des Hofladens noch zu erweitern, beispielsweise mit gefriergetrockneten Früchten. Eine weitere Idee: Aus dem eigenen Brotgetreide Mehl herstellen zu lassen, für den Verkauf und um damit Gebäcke herzustellen. Zuerst will sie aber die Berufsprüfung erfolgreich bestehen und so als Bäuerin mit Fachausweis die Früchte der vergangenen Jahre ernten.

Infoabende Bäuerin / Bäuerlicher Haushaltsleiter
 
Aargau: 19. März, 19.30 Uhr, LZ Liebegg, Gränichen
Luzern: 12. März, 19.30 bis 21.30. Uhr, BBZN Sursee
Obwalden: 12. März, BZW Obwalden, Giswil; 12. Mai, online; jeweils 19.30 bis 21 Uhr
Schwyz: 10. März, 19 Uhr, Römerrain, Pfäffikon oder online
Uri: 23. April, 19 Uhr, Bäuerinnenschule, Gurtnellen