Katrin Meienhofer sprüht vor Energie. Eben erst sind die letzten Vorhänge gefallen, der Applaus verklungen. Zwei Monate lang hat die bald 62-Jährige mit den braunen Locken zweimal wöchentlich mit der Theatergruppe des Männerchors von Wuppenau geprobt, Texte gebüffelt, Abende ausser Haus verbracht. «Auswendig lernen wird mit dem Alter nicht einfacher», sagt sie lachend. Doch der Applaus, die Anerkennung und, «wenn man anderen eine Freude machen kann», seien unbezahlbar. An diesem schneeregengrauen Nachmittag nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch. Auf dem Tisch steht eine Linzertorte. Gäste bewirten, das gehört für sie genauso dazu wie Anpacken. Stillstand liegt ihr nicht.

Aufgewachsen zwischen Stall und Geschwistern

Nur wenige Kilometer von Wuppenau TG entfernt, im St. gallischen Zuzwil, ist Katrin Meienhofer gemeinsam mit sieben Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sie träumte davon, Krankenschwester oder Handarbeitslehrerin zu werden. Doch das Leben führte sie zuerst ins Welschland, später lernte sie Innendekorationsnäherin in St. Gallen. Früh lernte sie ihren späteren Mann Albert kennen. 

Bald war klar: Der Weg führt zurück in die Landwirtschaft. Sie absolvierte die Bäuerinnenschule im Klosterhof Rheineck, die Familie wuchs, drei Kinder kamen zur Welt – und mit ihnen Arbeit in Hülle und Fülle. Als sie den elterlichen Hof übernehmen konnten, packten beide mit an. Schon früh engagierte sie sich im Turnverein und leitete während 30 Jahren die Frauenriege. Auch gehörte sie zu den Mitgründerinnen des Landfrauenvereins Nollen und engagierte sich dort acht Jahre im Vorstand. Damit zeigt sich auch ihre Liebe zur Dorfgemeinschaft.

«Wir konnten schrittweise loslassen»

Gemeinsam mit ihrem Mann und später in Betriebsgemeinschaft mit dem Sohn führten sie den gut 40 Hektaren grossen Betrieb. Zur Milchwirtschaft mit knapp 60 Kühen und rund 30 Stück Jungvieh kam eine Schweinemast mit 700 Mastplätzen hinzu. «Das war eine gute Zeit», sagt Katrin Meienhofer rückblickend. Als der Sohn vor zwei Jahren den Hof ganz übernahm, war der Übergang kein Bruch, sondern ein Prozess. «Wir konnten schrittweise loslassen, und wir wissen, der Hof ist in guten Händen.» Dankbarkeit schwingt mit, wenn sie davon spricht. Mit der neuen Lebensphase öffneten sich auch neue Türen. Sie arbeitete zunächst im Pflegedienst, später in der nahe gelegenen Käserei in Teilzeit. Gleichzeitig wuchs die Familie weiter. Inzwischen hat sie sieben Enkelkinder. Draussen wie drinnen ist ihre Unterstützung gefragt und willkommen.

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Mitten im Dorfgeschehen

Dass sie einmal im Gemeinderat politisieren würde, hätte sie sich früher kaum vorstellen können. Doch als sie angefragt wurde, sagte sie Ja. Seit zehn Jahren engagiert sie sich als parteilose Gemeinderätin der rund 1200 Einwohner zählenden Gemeinde Wuppenau, zuständig für das Ressort Soziales, Abfallbewirtschaftung und Bestattungswesen. «Ich habe es nie bereut», sagt Katrin Meienhofer. Die Jahre seien ereignisreich gewesen, teils auch belastend. Besonders die Einblicke in soziale Notlagen hätten ihren Blick erweitert. «Von vielem hatte ich früher keine Ahnung.» Schwierige Lebenssituationen gebe es nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land.

Sie bildete sich weiter, besuchte Schulungen und eignete sich Fachwissen im sozialen Bereich an. Die Erfahrungen hätten sie geprägt und dankbar gemacht. Hat sie als Bäuerin speziell die Anliegen der Landwirtschaft vertreten? Sie lacht. «Ich bin die Frau eines Bauern. Aber es sitzen noch zwei Landwirte im Rat – da brauchte es keine Sonderrolle von meiner Seite.» Bei den nächsten Erneuerungswahlen tritt sie nicht mehr an. «Zehn Jahre sind genug. Ich freue mich auf die Zeit danach.»

Ein neues Steckenpferd

Wer meint, diese Zeit werde ruhiger, kennt Katrin Meienhofer schlecht. Schon lange hegte sie den Traum einer eigenen Besenbeiz. Kochen ist ihre Leidenschaft, bewirten auch. «Es gibt Menschen, die sagen, ich koche gut», fügt sie mit einem Augenzwinkern an. Doch fixe Wochenendverpflichtungen hielten sie stets davon ab, den Traum umzusetzen. 

Dann entdeckte sie ein Inserat. Der Schützenverein suchte eine Wirtin für die Schützenstube. «Da wusste ich: Das ist mein neues Steckenpferd.» Sie bewarb sich und wurde mit Handkuss genommen. Seither bewirtet sie die Schützinnen und Schützen mindestens einmal wöchentlich, dazu bei speziellen Anlässen und einmal im Jahr an einem Sonntag. Inzwischen weiss sie genau, welche Gerichte gefragt sind. Mit Unterstützung aus der Familie verköstigt sie problemlos 60 Gäste oder mehr. «So stimmt es für mich», sagt sie zufrieden.

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Applaus fürs Herz

Und wenn ihr dann doch einmal nach Erholung ist? Dann schwingt sie sich zusammen mit ihrem Mann aufs E-Bike. Auf möglichst holprigen Wegen, fern vom Alltag, tankt sie auf. Auch das nahe Ausland haben sie schon mit dem Bike erkundet.

Ob auf der Bühne, im Gemeinderat, in der Schützenstube oder auf dem Hof – Katrin Meienhofer ist da, wenn man sie braucht. Das Leben habe es gut mit ihr gemeint, sagt sie abschliessend. Auch wenn sie weder Krankenschwester noch Handarbeitslehrerin geworden sei, ihr eigentliches Ziel habe sie mehr als erreicht: Mit ihrer Familie, eingebettet in eine funktionierende Dorfgemeinschaft, in einem friedlichen Miteinander zu leben – und ihren Beitrag dazu zu leisten.

Fragen an Katrin Meienhofer
 
Was können Sie besonders gut?
Ich kann gut kochen und backen und mache beides gerne.

Was möchten Sie besser können?
Wenn ich besser singen könnte, wäre das schön.

Wie lautet Ihr Leitspruch fürs Leben, Ihr Lebensmotto?
Sei korrekt und gib dein Bestes.

Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig?
Respekt und Vertrauen.

Welches Menü gelingt Ihnen immer?
Carrébraten und Kartoffelsalat.