In einer sehr vollen Vianco-Arena in Brunegg AG trafen sich an diesem stürmischen Frühlingstag die Mitglieder von Mutterkuh Schweiz. Jeder einzelne Stuhl war besetzt, am Rand der Halle reihten sich die Vorstandsmitglieder. Das Traktandum, das beschäftigte: Die Fusion des fast 50-jährigen Vereins Mutterkuh Schweiz mit der Interessengemeinschaft IG Bio Weide-Beef. An der 49. Versammlung lehnten die Mitglieder die Fusion nach langen und hitzigen Diskussionen ab. 68 % der Mitglieder, die ihre Stimme abgaben, stimmten dafür. Im Saal anwesend waren laut den Stimmzählern 234 stimmberechtigte Mitglieder, abgestimmt hatten lediglich 221, was das Endergebnis natürlich bereits beeinflusst, da für eine Fusion 75 % der Mitglieder zustimmen müssen. 9 Stimmberechtigte haben ihre Stimme enthalten, 61 stimmten dagegen und 151 dafür.
Das Ziel: Den gemeinsamen Nenner nutzen
Der gemeinsame Nenner für die vorgeschlagene Fusion der beiden Vereine war die graslandbasierte Rindfleischproduktion. In Zukunft hätte eine gemeinsame Produktion und Vermarktung stattfinden müssen. Mutterkuh Schweiz betreut seit dem 1. Januar 2026 die Richtlinien von Bio Weide-Beef. Dadurch stellte sich die Frage, wie es mit der IG Bio Weide-Beef weiter geht, in der bisher die Bio Weide-Beef-Produzenten organisiert waren. Die Vorstände beider Organisationen schlugen eine Fusion als den einfachsten Weg vor. Dabei hätte es sich um eine sogenannte Absorptionsfusion gehandelt. Das heisst, Mutterkuh Schweiz hätte mit seinen Statuten weiterhin bestanden und die IG Bio Weide-Beef mit ihren bisherigen Mitgliedern aufgenommen. Ende 2025 zählte Mutterkuh Schweiz 6000 Mitglieder, die IG Bio Weide-Beef 500.
Fusion kommt nicht zum Fliegen
Daraus wird jetzt aber nichts. Vor allem die Angus- und Limousin-Rassenclubs wehrten sich schon im Vorfeld der offiziellen Abstimmung vehement gegen die geplante Fusion. Weitere kritische Stimmen aus dem Publikum äusserten Bedenken, dass die Fusion von IG Bio Weide-Beef mit Mutterkuh Schweiz die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen könnte. Diese Fusion müsse man dem «Kassensturz» und den Konsument(innen) erklären können, und daran zweifelte dieses Mitglied offenkundig. Mutterkuh Schweiz solle Mutterkuh Schweiz bleiben und nicht plötzlich Weiderinder verwalten und vermarkten, so der Wortlaut. Mutterkuh Schweiz sei vor knapp 50 Jahren aus dem Grund gegründet worden, um sich von der intensiven Fleischproduktion abzuheben. Dieser Pluspunkt wäre mit der Fusion nichtig geworden, so die Befürchtung. Die 32 % Gegnerstimmen machten zwar keine Mehrheit aus, aber eben eine genug starke Minderheit, um die Fusion zu verhindern. Sie sprachen sich damit für die in ihren Augen bewährte Natura-Beef- und Natura-Veal-Produktion sowie für die Haltung von Kälbern bei ihren Müttern aus. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal, das man zu bewahren habe, so ein Mitglied.
Der Präsident der IG Bio Weide-Beef hätte zugestimmt
Vor der Abstimmung äusserte sich Romain Beuret, Präsident der IG Bio Weide-Beef, positiv zur geplanten Fusion. Er unterstützte die vollumfängliche Fusion und die Mitglieder des Vereins hätten einer Fusion vor einigen Tagen ebenfalls einstimmig zugestimmt, hielt er fest.
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«Chance hätte man nutzen müssen»
Demgegenüber lobbyierten befürwortende Mitglieder und Mutterkuh-Schweiz-Präsident Mathias Gerber für eine Fusion mit der IG Bio Weide-Beef. Er bat die Mitglieder, offener zu sein und die Fusion als Chance zu sehen, besonders hinsichtlich der gesteigerten Absatzmöglichkeiten und neuer Vermarktungsoptionen am Markt. Das Hauptziel der Fusion wäre es laut dem Vorstand gewesen, Parallelstrukturen zu vermeiden. Dieses Ziel ist anscheinend nicht im Sinne einer starken Minderheit bei Mutterkuh Schweiz, die heute einen Abstimmungssieg errungen hat.
«Die Mehrheit der Basis steht hinter der Strategie des Vorstandes»
Geschäftsführer Daniel Flückiger zeigt sich nach der hitzigen Debatte in der vollen Vianco-Arena geschlagen, aber dennoch optimistisch: «Ich freue mich über die 68 Prozent Ja-Stimmen. Das bestätigt den Eindruck, den wir den ganzen Winter über an vielen Tagungen erhalten haben: Die Mehrheit der Basis steht hinter der Strategie des Vorstandes. Dennoch hat es heute leider nicht für eine Drei-Viertels-Mehrheit gereicht, und das akzeptieren wir selbstverständlich», so Flückiger.

