Der Kanton Luzern ist ein bedeutender Agrarkanton. «Faktoren wie die Topografie, der Boden und das Klima als Standorteigenschaften begünstigen eine futterbaubasierte Viehwirtschaft», heisst es in der kantonalen Strategie Agrarpolitik. Rund zehn Prozent des Rindvieh- und Geflügelbestandes sowie 30 Prozent des Schweinebestandes der Schweiz werden im Kanton Luzern gehalten. Die Anzahl der Biobetriebe im Kanton hat sich seit 2000 auf 485 Betriebe mehr als verdoppelt, der Anteil liegt bei rund 11,1 Prozent (Schweiz: 16,2 Prozent). Der Biomarkt wächst schweizweit langsam, aber kontinuierlich. Gute Nachfrage gibt es vor allem im pflanzlichen Bereich, sagen Fachleute.
Jeder zehnte Betrieb im Entlebuch ist Bio
Die Region der Biosphäre Entlebuch, mit ihren Betrieben in den vier Bergzonen und einem ansehlichen Sömmerungsgebiet, ist auf die tierische Produktion spezialisiert und macht dies in einer gewissen Intensität. Weil es in der Region nur wenig Verarbeitung von Bio-Produkten gibt, ist der Anteil an Bio-Betrieben relativ tief. Mit knapp zehn Prozent liegt er sogar etwas unter dem Durchschnitt des Kantons Luzern. So ist die Landwirtschaft in der Biosphäre Entlebuch oft Thema von Studien.
Kürzlich untersuchten Studierende der HAFL erfolgreiche landwirtschaftliche Produkte in der ganzen Schweiz. Sie wollten herausfinden, ob diese Erfolgsmodelle auch auf Bio-Produkte aus der Biosphäre Entlebuch übertragen werden können. Grundlage dafür waren eine Masterarbeit sowie eine Umfrage bei Bio-Betrieben aus der Region. Haupterkenntnis ist, dass sich der Absatz auf tiefem Niveau positiv entwickelt. Ausserdem zeigte sich, dass die Bio-Produzenten die Perspektiven positiver bewerten, wenn der Rohstoffmarkt gut organisiert ist und eine rationelle Verarbeitung mit professioneller Vermarktung und zu guten Margen stattfindet.
Bekannte Produkte haben unterschiedliche Erfolgsfaktoren
Die Studierenden präsentierten ihre Ergebnisse letzte Woche am BBZN in Schüpfheim LU vor einem interessierten Publikum. Unter anderem untersuchten sie die Produkte Gruyère, Appenzeller Mostbröckli, Raselli Tee und IP-Wiesenmilch im Hinblick auf Erfolgsfaktoren, die sich eventuell auf das Entlebuch übertragen lassen. «Aufgrund der unterschiedlichen Produkte fielen auch die Handlungsempfehlungen für die Biosphäre sehr unterschiedlich aus», erklärt André Liner, Lehrer und Bioberater am BBZN.
Beim Appenzeller Mostbröckli wurde als wichtiger Erfolgsfaktor die starke, traditionelle und authentische Appenzeller Kultur genannt. Ein ähnlicher Ansatz könnte im Entlebuch zum Beispiel mit der Alpabfahrt für Marketingzwecke genutzt werden. Bei der Wiesenmilch wurden vor allem der starke Absatzpartner, die Zusammenarbeit mit dem Handel sowie Werbung mit Storytelling als Treiber für gute Verkaufszahlen genannt. Beim Gruyère gelten die gute Organisation der Produzenten und der Fokus auf Qualität als zentrale Erfolgsfaktoren. Auch die Werbung, die Geschmack, Tradition und Herkunft betont, trägt zum Erfolg bei.
Bio plus Biosphäre – zu viel des Guten?
In der anschliessenden Diskussion wurde kritisch gefragt, ob es überhaupt sinnvoll ist, den Absatz von Bioprodukten in der Unesco Biosphäre Entlebuch zu fördern, wenn auch ohne Bio-Label eine gute Wertschöpfung möglich ist. Gleichzeitig wurde hinterfragt, ob sich die Kundinnen und Kunden bewusst sind, dass sie oft mehr bezahlen für Produkte, die sie mit Bio verbinden. Die Studierenden äusserten zudem die Befürchtung, dass die Kombination von Bio und Biosphäre die Produkte im Verkauf zu teuer machen könnte.
Weiter wurde diskutiert, an welcher Stelle der (Bio-)Wertschöpfungskette die Unesco Biosphäre mit der Handelsplattform Biosphärenmarkt AG und den Verarbeitungsbetrieben ihre begrenzten Mittel am sinnvollsten einsetzen sollte.«Das Fazit lautete, dass der Erfolg für die Biosphäre zum Etablieren neuer Wertschöpfungsketten, auch in Bio, wohl darin liegt, kleine und effiziente Absatzkanäle zu erschliessen», so Bio-Berater André Liner. Insgesamt zieht er ein positives Resümee zur Studie, insbesondere weil die Aufgabenstellung für die Studierenden sehr anspruchsvoll war.

