Die Wasserversorgung rückte in den vergangenen Jahren plötzlich in den Vordergrund, gerade in der Landwirtschaft. Durch die Klimaveränderung häufen sich Phasen längerer Trockenheit, teils gepaart mit Hitze. Der Verbrauch nimmt zu, gleichzeitig nimmt das Quellwasser ab. Dies führte auch bei der 1989 gegründeten Wasserversorgungsgenossenschaft Schüpfheim-Sonnseite (WVGSS) im Entlebuch nach einer Wasserknappheit im Sommer 2018 zu einem grösseren Sanierungs- und Erweiterungsprojekt.
Jährlicher Bedarf von rund 75'000 m3
Die WVGSS ist eine der grössten Genossenschaften im Kanton Luzern ausserhalb der Bauzone. Ab drei Hauptquellen im Gebiet Oberberg, hoch über Schüpfheim, werden über ein Leitungsnetz von rund 45 km 160 Bezüger entlang der «Sonnseite» bis nach Hasle LU mit Wasser versorgt. «Der Wasserbedarf liegt im Schnitt bei rund 150 l pro Minute», erklärt Willi Emmenegger, seit zwei Jahren Präsident der WVGSS. Wie fast alle im Vorstand, genauso wie die Gründer vor rund 35 Jahren, kommt er aus der Landwirtschaft.
Die Art der Wasserversorgung der Landwirtschaftsbetriebe im Gebiet ist recht unterschiedlich. Einige Höfe haben ausschliessliche eigenes Quellwasser, andere haben etwa das Wohnhaus an der Versorgung angeschlossen, den Stall aber (noch) nicht. Auch gibt es Höfe ohne eigene Quellen, die sämtliches Wasser von der Genossenschaft beziehen. Tendenziell nimmt die Bedeutung der WVGSS für die Landwirtschaftsbetriebe zu. Die eigenen Quellen geben kaum mehr her, während der Bedarf – auch wegen betrieblichen Wachstums – nicht kleiner wird. Willi Emmenegger rät trotzdem, zu den eigenen privaten Quellen Sorge zu tragen. «Diese sind eine Entlastung für die Wasserversorgung.» Auch wenn nach dem nun auch offiziell abgeschlossenen Bauprojekt jetzt wieder mehr Wasser zur Verfügung stehe. Der jährliche Wasserverbrauch der Genossenschafter liegt bei rund 75 000 m3.
Öffentliche Hand unterstützt Projekt kräftig
Das Bauprojekt kostete knapp 1 Mio. Franken, zu 75 Prozent finanziert von der Öffentlichkeit, also Bund, Kanton und Gemeinde. Aber auch die Gebäudeversicherung hat sich beteiligt. In den vergangenen Jahren wurde in einer ersten Phase eine neue Brunnstube errichtet und in Pumpwerke investiert sowie Steuerungen ersetzt. In einer zweiten Etappe wurde eine Verbindungsleitung gebaut von gut 2 km Länge, ein bestehendes Reservoir umgebaut und eine Entkeimungsanlage und Trübungsmessung installiert. Gleichzeitig wurden Schutzzonen ausgeschieden, Quellrechtabgeltungen geregelt und das Wassernetz digitalisiert. Beim Bauprojekt in Schüpfheim verbleibt für die Genossenschaft ein Kostenanteil von Fr. 238 000 Fr.. Gemäss Willi Emmenegger konnte bereits ein «schöner Betrag» abbezahlt werden in den letzten Jahren.[IMG 2]
Nun sei man an der Tilgung eines Kredits der landwirtschaftlichen Kreditkasse. Die Kosten könnten aus der laufenden Rechnung bezahlt werden, eine Erhöhung der Grundgebühr sei somit nicht notwendig. Diese beläuft sich auf Fr. 200 Fr. pro Bezüger, der Wasserzins liegt bei 60 Rappen pro m3. Man sei gut aufgestellt für die nächsten Jahre, grössere Sanierungen oder Ausbauprojekte kaum ein Thema. So beschränken sich die Ausgaben auf Unterhalt, Strom, Steuern, Versicherungen und Kontrollen. Wobei auch die WVGSS mit den Stromkosten kämpft. Einerseits wurde die Energie in den vergangenen Jahren laufende teurer, anderseits brauchten stärkere Pumpen auch mehr Strom.
Versorgung ist Aufgabe der Gemeinden
Wasserversorgung ist in Luzern grundsätzlich eine Gemeindeaufgabe. Dem Kanton gehören historisch nur noch deren vier, und zwar in Hohenrain, Werthenstein, Hitzkirch und Pfaffnau. Diese hatten ursprünglich das Ziel, in den Gemeinden ansässige kantonale Institutionen mit Wasser zu versorgen. Mit der Zeit haben sich aber immer mehr Private angeschlossen, schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Er ist aktuell bestrebt, diese den Gemeinden abzutreten.