Was vor 42 Jahren als Pionier-Idee gestartet ist, nimmt trotz eines massiven Aufbäumens während der Pandemie jetzt nach mehreren kränkelnden Geschäftsjahren ein Ende. Die ursprüngliche Biowaren-Vertriebsfirma Horai hat Ende Januar 2026 Konkurs angemeldet. Das Unternehmen belieferte im Kanton Bern Läden, Restaurants, Hotels, Kantinen und Kitas mit regionalen Waren wie Gemüse, Früchten, Trockenprodukten und Fleischwaren, die es von lokalen Produzenten bezog.

Wie aus einer Meldung der Agentur SDA hervorgeht, waren es die sinkenden Umsätze bei den belieferten Bio-Fachläden und Restaurants, die zu verminderten Bestellmengen führten.

Discounter verdrängen Horai

Gründe für das Ende sind laut der Agentur auch der Wettbewerb durch den Markteintritt von Discountern mit günstigeren Bioprodukten sowie eine generell gesunkene Kaufkraft und höhere Preissensibilität der Konsumenten. Die Fixkosten des Unternehmens hätten letztlich nicht mehr gedeckt werden können, heisst es. Zudem sah der Verwaltungsrat nicht mehr, wie die negative Umsatzentwicklung gestoppt werden und wie der fehlende Umsatz wieder zurückgewonnen werden könnte.

Die Corona-Pandemie von 2020 hatte zunächst einen positiven Einfluss auf das Geschäft. So stiegen die Umsätze laut Angaben von Horai von sieben Millionen Franken auf fast neun Millionen. Danach schrumpften die Umsätze sukzessive auf das jetzige Niveau von 5,7 Millionen. Am Ende seien sie im zweistelligen Prozentbereich gesunken, schreibt Horai auf seiner Webseite.

Die Reissleine wurde Ende Januar gezogen

Der Verwaltungsrat hat deshalb am 26. Januar 2026 die Reissleine gezogen, und den Betrieb eingestellt. Der Co-Geschäftsleitung aus Anna Hersberger und Markus Keller wurde gekündigt, ebenso den verbliebenen 15 Mitarbeitenden, wie Horai mitteilt. Der Betrieb ist aktuell in Liquidation. Die Firma versuche, die Mitarbeitenden in anderen Betrieben unterzubringen und mit den Gläubigern Vereinbarungen zu treffen, um die Überschuldung zu eliminieren, sodass der endgültige Konkurs vermieden werden könne, heisst es.

Das Bio-Pionier-Unternehmen belieferte 150 Betriebe

Horai belieferte nach eigenen Angaben rund 150 Betriebe. Das 1984 gegründete Unternehmen galt als Pionier der Bio-Szene und war im Besitz von Produzenten, Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern. Es verfolgte strenge ökologische Prinzipien wie etwa die Beschränkung der täglichen Lieferdistanzen auf maximal 100 Kilometer.

Die Wahrnehmung von Bio hat sich grundlegend geändert

Auf ihrer Webseite beschreibt das Unternehmen seine Anfänge in den 1980er-Jahren. Die Gründung der Kollektivgesellschaft habe damals in einer Zeit stattgefunden, als Bioprodukte für den Detailhandel noch eine «uninteressante Nische» gewesen seien, die man getrost anderen habe überlassen können. Heute seien die Discounter einer der Gründe dafür, warum die heutige Aktiengesellschaft Horai am Markt nicht mehr bestehen kann.

Die Geschäftsidee habe auf der Tatsache beruht, dass für Bio-Lebensmittel kein Vertriebskanal existierte. Horai verband demnach das Angebot mit der Nachfrage. Der Anbieter betont jedoch, kein Zwischenhändler gewesen zu sein, sondern sich als Geschäftspartner der Bio-Landwirtschaftsbetriebe gesehen zu haben.

Laut eigenen Angaben hätten nach und nach immer mehr Produzent(innen) die Direktvermarktung beendet und den Vertrieb ihrer Waren dem Frischedienst Horai überlassen, der sowohl Waren lieferte als auch abholte. Die Landwirtschaftsbetriebe und Lieferanten bildeten ab dem Jahr 2009 die Mehrheit im Aktionariat. Die Trägerschaft bestand zudem aus Kunden und Mitarbeitenden.

Aus diesem Grund hat die Konkursanmeldung nun direkte Folgen für die Produzenten mit Aktien in der Firma. Sie verlieren neben ihrem Geschäftspartner auch Geld.