«Bio macht man nicht des Geldes wegen. Bio muss im Kopf wachsen», ist Ruedi Bühler aus Heimenhausen BE überzeugt. Doch das war nicht immer so: Jahrelang haben Bühlers ihren Betrieb konventionell bewirtschaftet. Der steigende Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz und der immer grösser werdende Druck von Drahtwürmern auf ihren Kartoffelfeldern gaben ihnen mehr und mehr zu denken. «Die Drahtwürmer waren schlussendlich auch der Auslöser, das ganze System neu zu überdenken und Entscheidendes zu ändern», sagt der Betriebsleiter. Die Ackerböden mussten erst wieder das Gleichgewicht finden. So wurde der Entscheid gefällt, auf Bio umzustellen. In den Jahren 2018/2019 war der vielseitige Milch- und Ackerbaubetrieb in der sogenannten Umstellungsphase. Seit sechs Jahren ist er Bio-zertifiziert. Heute wird der Betrieb zusammen mit Sohn Alex in einer Generationsgemeinschaft geführt.

Man muss überzeugt sein

Anfang Dezember haben Bühlers ihre Erfahrungen mit interessierten Neueinsteigern geteilt. Organisiert wurde der Anlass von Bio Suisse und vom FiBL. «Von der Produktionsweise Bio muss man zu hundert Prozent überzeugt sein, sonst scheitert man schon, bevor man die zwei Umstellungsjahre überstanden hat», sind Vater und Sohn Bühler überzeugt. Das Herz des Seniors schlägt eher für den Ackerbau, das von Sohn Alex für die Milchviehhaltung. Im Laufstall stehen rund 30 Montbéliarde-Kühe, die Milch wird an Emmi geliefert. «Die Montbéliarde-Kuh eignet sich perfekt für unseren Bio-Betrieb», sagt Sohn Alex Bühler. Robust, mit genügend Milch und immer noch viel Fleisch am Knochen. Sie funktionieren einfach problemlos im Laufstall.

Den Kühen wird kein Kraftfutter verfüttert. Trotzdem erreichen sie eine Durchschnittsleistung von rund 7500 kg Milch im Jahr. «Das bedingt natürlich, dass wir einwandfreies Grundfutter produzieren», sagt Alex Bühler. Deshalb werde ein hoher Gräseranteil in der Silage angestrebt. «Beim Anwelken wird nur selten ein Kreiselheuer eingesetzt. Die Gefahr von Bröckelverlusten ist zu gross», so seine Erfahrung. Die Winterfütterung besteht denn auch zu 80 % aus Gras- und zu 20 % aus Maissilage. Dürrfutter wird nur wenig zugefüttert. Obwohl die Kühe mit einem Roboter gemolken werden, sollen sie im Sommer das Futter selbst auf der Weide holen. «Jeden Tag geben wir ihnen eine frische Weideportion dazu. Doch ohne den Weidebeitrag würde sich diese Strategie nicht lohnen», sagt Ruedi Bühler. «Mit der Gesundheit der Kühe haben wir wenig Probleme, auch nicht mit der Fruchtbarkeit», sagt sein Sohn zufrieden. Die Besamungszahlen bestätigten dies.

Es brauchte mehr Dünger

Er sei Landwirt geworden, um Lebensmittel zu produzieren, beginnt Ruedi Bühler zu erzählen. «In den 1980er-Jahren sagte man uns in den Schulen, dass 100 kg Weizen pro Are und möglichst viele Tonnen Kartoffeln pro Hektare anzustreben sind.» Man habe also auf seinem Betrieb intensiv Ackerbau betrieben, insbesondere im Kartoffelbau. Die Menge mal den Preis habe das Einkommen bestimmt. Zehn Jahre ging dieser intensive Kartoffelanbau gut, dann wurde es mehr und mehr zur Herausforderung. «Man erntete zwar die gleiche Menge, doch es brauchte von Jahr zu Jahr mehr Dünger und mehr Pflanzenschutz», so Bühlers Beobachtung. Und die grösste Sorge war: Der enorme Druck von Drahtwürmern drohte bei ihnen dem Kartoffelanbau den Garaus zu machen. «Es musste etwas geschehen. Wir fingen an, den Boden durch Bodenbelebung und Humusaufbau wieder aufzuwerten», erzählt der Landwirt.

Das Gleichgewicht finden

Kunstdünger wurde, soweit möglich, durch zugeführte Champignonerde und selbst kompostierten Mist ersetzt, um das Bodenleben zu fördern. «Das geht nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre», so Ruedi Bühlers Beobachtung. In 15 Jahren konnten so etwa zwei Prozent zusätzlichen Humus auf seinen Feldern angereichert werden. Und siehe da: Seine Ackerböden fingen langsam an, das Gleichgewicht wiederzufinden. «Das Wichtigste beim Umstellen auf Bio ist, seine Ackerböden zu kennen und sie mit organischem Material wiederzubeleben», so der Landwirt.

Die Böden müssten atmen können, die Mikroorganismen darin Nahrung finden. So könne auch die Proteinbildung wieder stattfinden. «Ob es nun am gesunden Bodenklima liegt oder an unserer neuen Strategie: Auf jeden Fall konnten wir das Drahtwurm-Problem damit entschärfen», sagt der Landwirt zufrieden. Wer Bio machen will, muss seine Böden kennen. Spatenproben und Boden-Analysen gehören dazu. Auch der Einsatz von Hofdüngern sei ein Kapitel für sich: «Wir werten unsere Gülle immer mit Steinmehl und mit effektiven Mikroorganismen (EM) auf», so der Betriebsleiter. Auch den Kuhmist lasse man am Feldrand ein halbes Jahr lang gedeckt liegen. Untersaaten im Ackerbau tragen zudem zur Förderung der Bodenlebewesen bei und, ganz wichtig: Man müsse die Sonnenenergie jede Stunde nutzen. «Wurzelmasse und organische Dünger fördern massgeblich den Aufbau von Humus, was mehr Kohlenstoff im Boden bindet und die Bodenstruktur verbessert», sagt Ruedi Bühler.

Eine ideale Krümelstruktur

Heute werden nur noch alle fünf Jahre auf dem gleichen Feld Kartoffeln angebaut. Anstatt des Pflugs kommen bei der Bearbeitung jetzt ein Geohobel und ein Grubber und Separator zum Einsatz. Mit dem Geohobel könne die Erde in wenigen Zentimetern Tiefe mit absoluter Präzision bearbeitet werden. «Guter Humus, ein geregelter Wasserhaushalt, viele Organismen und eine ideale Krümelstruktur sind das A und O für gute Erträge», sagt Ruedi Bühler. Ein gutes Zeichen sei es, wenn bei der Bodenbearbeitung viele Vögel auftauchten. Wenn nicht, habe man den Boden einfach erstickt.

Natürlich könne man bei Bio nicht Riesenerträge erwarten. Beim Weizen sei er mit 40 kg pro/a zufrieden. «Seit Jahren machen wir zudem Praxisversuche mit neuen Kartoffelsorten. «Vor der Umstellung für Swisspatat, nach der Umstellung mit Tobias Gelencsér vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL – das erleichterte uns den Einstieg in den Bio-Markt», so der Landwirt. Der Kartoffel-Hauptsorte Amandine sei man nach der Umstellung für den Schweizer Produzentenverband Appnal treu geblieben, obwohl man diese anfangs für den konventionellen Markt produzierte.

Vor der Umstellung gelte es unbedingt mit den Abnehmern abzuklären, ob die produzierten Produkte im Bio-Markt überhaupt abgesetzt werden können. Denn auch der Bio-Markt komme mit einigen Produkten an seine Grenzen. Wer auf Bio umstellen wolle, sollte sich auch Rat bei der Fachstelle holen – oder bei den Berufskollegen. «Sprecht mit denen, die ihren Betrieb umgestellt haben oder die es vorhaben», sagt Ruedi Bühler. «Viele stehen dem Bio-Landbau immer noch kritisch gegenüber. Es ist wichtig, das Gespräch zu suchen, so stösst man auch auf Verständnis.»

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«Bildung, Beratung und Berufskollegen bieten bei der Umstellung viel Hilfe an.»

Was muss ein Betrieb besonders beachten, wenn er auf Bio umstellen will?

Tobias Gelencsér: Eine ganze Menge. Zunächst sollte man sich seiner Sache sicher sein und genug Ausdauer haben, um den Schritt zu vollziehen. Es stellt sich auch die Frage, ob ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Im Ackerbau geht es im Bio-Landbau nicht um völlig unkrautfreie Felder, sondern darum, Beikräuter so zu regulieren, dass die Kulturpflanzen überwiegen. Dies gelingt durch Fruchtfolge, konkurrenzstarke Sorten, Massnahmen vor der Saat und mechanische Unkrautregulierung; Handarbeit ist nur bei wenigen Kulturen nötig. Chemische Herbizide werden durch Wissen und Erfahrung ersetzt.[IMG 2]

Wie sieht es bei der Düngung und den Vorschriften aus?

Bei der Düngung ist die Stickstoffbilanz oft nicht ausgeglichen, was im Bio-Landbau üblich ist. Vorfrüchte, Leguminosen und Gründüngungen liefern zusätzlich Stickstoff und steigern die Erträge. Ziel im Bio-Landbau ist ein geschlossener Nährstoffkreislauf mit betriebseigener Düngung und wenig externer Zufuhr. Der Zugang zu organischen Düngemitteln ist häufig ein Knackpunkt bei der Umstellung von Ackerbaubetrieben. Bei der Tierhaltung gelten andere Anforderungen an Haltungssysteme (RAUS ist Pflicht) und Fütterung. Insbesondere Milchkühe mit sehr hoher Milchleistung oder ohne Weidezugang sind schwierig, innerhalb von zwei Jahren umzustellen. Je nachdem kann ein Wechsel der Herde oder ein Kreuzungsschritt zu extensiveren Kühen eine Vorbedingung sein. Am wichtigsten ist es, vor einer Umstellung den Absatz der Produkte bei den Abnehmern abzuklären. Ohne gegebene Wirtschaftlichkeit darf sicher keine Umstellung angegangen werden.

Bevor man Bio zertifiziert ist, gilt der Betrieb zwei Jahre lang als Umstellungsbetrieb. Wo bestehen dabei die grössten Herausforderungen?

Der Bio-Landbau ist wissensintensiv. Eine gute Vorbereitung und Weiterbildung sind wichtig. Zudem empfiehlt es sich, einen «Götti» zu haben, bei dem man sich in Zweifelsfällen Tipps holen kann. Bildung, Beratung und Berufskollegen bieten viel Hilfe an. Sie muss aber in Anspruch genommen werden. Eine weitere Herausforderung ist die Wirtschaftlichkeit. Im Ackerbau können Ackerkulturen zu Futterzwecken bereits während der Umstellung zum Bio-Preis vermarktet werden und bei Kulturen wie Weizen gibt es Umstellerprogramme mit guten Preisen. Für viele andere Kulturen gibt es keinen Umstellermarkt. In der Tierhaltung ist die Umstellungszeit eine Durststrecke, denn es müssen teure Biofutter gekauft werden, ohne die Produkte zum Bio-Preis vermarkten zu können.

Wie sieht es auf dem Bio-Markt aus? Bei welchen Produkten besteht noch eine Nachfrage, wo ist der Markt gesättigt?

Grundsätzlich sind Schweizer Bio-Mahlweizen und Zuckerrüben sehr stark gesucht. Auch andere Ackerfrüchte sind immer wieder gesucht, aktuell Speisehafer, Futtergetreide, Dinkel und Futtersoja. Der Markt ist aktuell bei den Ölsaaten und bei vielen Nischenkulturen gesättigt, aber das kann sich rasch wieder ändern. Bei den tierischen Produkten ist der Markt für Schweinefleisch gesättigt, hingegen werden einzelne Eierproduzenten sowie Milchproduzenten und Pouletmäster gesucht.