Oberhalb von Triengen LU bewirtschaftet Dominik Häfliger einen Biobetrieb mit rund 70 Milchkühen und Aufzucht sowie 2000 Legehennen. Seit der Übernahme des Betriebs vom Vater Anfang 2022 optimiert der Landwirt die Milchviehhaltung Schritt für Schritt. Seine Devise: «Primitiv, einfach, gut.»

Vom Side-by-Side- zum Swingover-Melkstand

2023 baute der junge Betriebsleiter den Milchviehstall um. Der alte Side-by-Side-Melkstand mit Frontaustrieb sei zwar funktional gewesen, jedoch ineffizient. «Die gemolkenen Kühe sollten möglichst schnell raus aus dem Melkstand und die neuen möglichst schnell rein, so konnte man Zeit sparen, doch man hatte immer Stress», erklärt Dominik Häfliger.

Heute melkt der Landwirt mit einem Swingover-Melkstand mit beidseitig je acht Plätzen. Den alten Melkstand nutzte er als Grundlage, baute einen gebrauchten Swingover-Melkstand ein und ergänzte diesen mit dem Hubboden eines weiteren Altmelkstandes. Letzterer war dem zwei Meter grossen Landwirt insbesondere für seine Mitarbeiter wichtig. «Ich habe für mich gebaut, kann aber nicht davon ausgehen, dass alle Lehrlinge und Arbeiter gleich gross sind.»

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Warum kein Melkroboter?

Auch die Option eines Melkroboters hat der Landwirt genau geprüft, dennoch fiel die Entscheidung aus mehreren Gründen dagegen. «Aufgrund der vorhandenen Gebäude stand fest, wie viele Kühe ich haben kann. Fast 70 Liegeplätze und ein Roboter liegen am oberen Limit», so Dominik Häfliger. Dazu komme die Lage des Stalles am unteren Ende der 20 ha Betriebsfläche, was lange Weidewege bedeutet. «Als Biobetrieb müssen und wollen wir viel weiden.»

Eine weitere Herausforderung sei der begrenzte Kraftfuttereinsatz im Bio. «Ich könnte Graswürfel machen, doch warum soll ich, wenn ich tiptope Hochsilos habe und gut ausgerüstet bin zur Heutrocknung, mein Gras in eine Trocknungsanlage bringen, nur damit ein Roboter melken kann?», so Häfliger.

Mit einfachen Mitteln ins Tierwohl investiert

Neben einem neuen Melkstand und mehr Tierplätzen investierte der Luzerner Landwirt auch in das Tierwohl. Da das Nackenrohr und die Boxenbügel für die Kühe zu tief eingestellt waren, stellte er diese mit alten Holzbalken 25 cm höher. «Die Unterseite des Boxenbügels sollte nicht glänzen, sondern dreckig sein», erklärt Dominik Häfliger.

«Die Boxenbügel sind zwar von 1994, aber immer noch gut, wenn sie richtig montiert sind», sagt er. Ein Grossteil der Liegeboxen sind Tiefboxen. «Zwar geben sie im Unterhalt ein wenig mehr Arbeit, aber halten dafür über 100 Jahre», so der Landwirt.

Gummimatten raus, Dutch-Mountain rein

Die 14 Hochboxen im Stall waren bis zum Umbau mit Gummimatten versehen, doch von den Kühen wurden diese kaum genutzt. «Ich habe nicht 14 Liegeboxen, damit diese nicht benutzt werden», sagt er. Also entschied er sich für eine sogenannte Dutch-Mountain-Kuhmatratze.

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Eine keilförmige Schaumstoffmatratze, 14 Zentimeter an der Vorderkante und 10 Zentimeter an der Hinterkante, in Plastik gewickelt und mit einem dicken Stofftuch überzogen. «Schon am ersten Morgen nach dem Einbau waren alle 14 Boxen besetzt», berichtet er.

«Licht und Luft ist Leben»

Um mehr Luft in den Stall zu bringen, wurde die hintere Längswand des Kuhstalls herausgerissen und durch eine Wickellüftung ersetzt. So wollte der Landwirt vor allem in den Sommermonaten Luft in den Stall bringen und die Luftqualität verbessern. Angst vor Zugluft hat der Landwirt nicht. «Sie entsteht, wenn Luft durch ein kleines Loch geht, wenn aber viel offen ist, dann ist es Wind, und Wind habe ich lieber als keine Luft», erklärt Dominik Häfliger.

Bei Regen, Schnee oder Minustemperaturen schliesst er die Wickellüftung. Im Sommer dient das weisse Tuch als Beschattung und lässt dennoch Licht hindurch. Ein wichtiger Punkt für den Luzerner: «Licht und Luft ist Leben.»

Mit Rüebli mehr Milch

Die Ration der Milchkühe setzt sich aktuell aus Grassilage des ersten Schnitts, Maissilage, Emd und Karotten, die sich zum Verkauf nicht eignen, zusammen. Letztere bezieht Dominik Häfliger von einem Gemüsebetrieb aus der Umgebung. «Die Karotten füttere ich zusätzlich zur Ration und die Kühe geben damit entsprechend mehr Milch», erklärt er. Das betriebseigene Eiweiss sichert er sich durch frühes Silieren und konsequentes Konservieren von Herbstfutter.

Im Frühjahr beginnt er früh mit dem Weidegang. «Wir wollen eine sanfte Futterumstellung. Die Kühe gehen raus, trampen die Grasnarbe für einen dichten Bestand und fressen ein wenig Gras. Sobald es Wert hat, beginne ich dann mit Eingrasen», erklärt er. Der Mais reicht bis in den Frühling, danach folgt eine reine Grasfütterung. Das Kraftfutter setzt Häfliger gezielt in den ersten 100 Tagen ein, bis die Kuh wieder trächtig ist. «Als Biobetrieb mit maximal 5 % Kraftfutter muss man es gezielt einsetzen», so Häfliger.

«Die Kühe holen es sich, wenn sie es brauchen»

In der Ration setzt der Landwirt 100 g Mineralstoff pro Tier und Tag ein. Zusätzlich stellt er ihnen im Auslauf Mineralstoff zur freien Verfügung. «Je nach Saison ist der Bedarf unterschiedlich. Im Herbst und Winter brauchten wir relativ wenig. Seit letzter Woche haben sie nun fast einen Sack gefressen», berichtet Dominik Häfliger.

Häfligers Gedanke dahinter: «Wenn man es ihnen zur Verfügung stellt, holen sie es sich, wenn sie es brauchen. Macht man es nicht, fehlt es ihnen einfach, oder man macht eine Doktorarbeit an der Fressachse.»

Fast alle Kälber werden gedrencht

Zentral auf dem Betrieb ist der Abkalbebereich im ehemaligen Schweinestall. Hier hat der Landwirt das Dach angehoben und einen Lichtfirst eingebaut. «Licht und Luft» dieses Prinzip gilt auch hier. Eine Kamera erlaubt es ihm, die Tiere auch nachts im Blick zu behalten.

Für die neugeborenen Kälber geht es nur wenige Schritte weiter in Einzelboxen. Möglichst schnell werden die Jungtiere mit vier Litern Biestmilch gedrencht. «Ich war lange Zeit kein Fan. Seit ich angefangen habe, mache ich es aber fast nur noch so», so der Landwirt. So sei er sicher, dass die Tiere mit genügend Kolostrum versorgt seien.

Damit die Tiere im Winter möglichst warm haben und schnell trocken sind, behilft sich der Landwirt mit einer selbst gemachten Wärmebox. Dazu legt er eine Sandwich-Paneele über die Kälberbox und ergänzt diese mit einer Infrarotlampe. «Je schneller die Tiere trocken sind, desto weniger Energie verlieren sie», erklärt er. Anschliessend wird den Kälbern eine Decke angezogen.

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«Kosten nicht pro Tag, sondern Tage sparen»

Ab dem ersten Tag werden die Kälber ad libitum getränkt. «Je intensiver die Kälber gehalten werden, desto höher ist ihr Leistungspotenzial als Kuh», erklärt Dominik Häfliger. Jeweils morgens und abends werden die Kessel sauber gewaschen und mit acht Litern warmer Milch gefüllt. «Kälber, die lieber warme Milch haben, saufen am Anfang viel, andere warten, bis sie kälter ist», berichtet er.

Damit die Milch im Sommer nicht sauer wird, nimmt der Landwirt die Kessel beim Mittag- und Abendrundgang weg, wäscht sie und füllt sie erst abends bzw. am nächsten Morgen wieder auf. Bereits ab dem dritten oder vierten Lebenstag saufen vereinzelte Tiere laut Landwirt 16 Liter pro Tag. «Zu Beginn dachte ich, das würde nie funktionieren, jetzt mache ich es bereits seit zwei Jahren und bin ziemlich überzeugt davon», so der Landwirt. Ein Spruch aus Häfligers Schulzeit ist ihm geblieben: «Man sollte nicht Kosten pro Tag sparen, sondern Tage», ist er überzeugt.

Ferkelwühlerde zur Verdauungsregulierung

Nach zehn Tagen wechseln die Tiere in den Gruppenstall, der in zwei Altersgruppen unterteilt ist. Für die jüngeren Kälber hat Dominik Häfliger ein sogenanntes Mikroklima geschaffen. Aus alten Gummimatten aus den Hochboxen der Milchkühe wurde die hintere Stallwand isoliert und mit Sandwich-Paneelen ein Dach gebaut. «Einige liegen gerne darunter, je nach Witterung. Ich stelle es ihnen zur Verfügung und bin der Meinung, dass die Tiere selbst wissen, was ihnen guttut und wo sie sich wohlfühlen. Man muss ihnen nicht alles vorgeben, sondern einfach die Möglichkeit dafür bieten», so der Landwirt.

Weitere 40 Tage werden die Kälber am Tränkeautomat ad libitum getränkt. Zusätzlich zu Heu oder Emd füttert er auf Rat des Kälbergesundheitsdienstes zur Verdauungsregulierung Ferkelwühlerde. «Es kostet nicht viel und die Erfahrungen damit sind gut», fasst er zusammen.

Erstkalbealter zwischen 24 und 25 Monaten

Das Kraftfutter bei den älteren Kälbern verteilt er auf vier kleine Portionen über den Tag. «Jedes Mal, wenn ich durchgehe, erhalten sie eine Schaufel», so Dominik Häfliger. Die Tränker verlassen den Betrieb mit rund 75 kg. Seitdem er nach diesem System fahre, verzeichne er bessere Rinderleistungen.

«Die Rinder sehen auch einfach besser aus und sind gut beieinander», fasst er zusammen. Obwohl der Betrieb nach Bio-Richtlinien produziert, strebt der Landwirt ein Erstkalbealter zwischen 24 und 25 Monaten an.

Von der Reinzucht zur Rotationskreuzung

Von seinem Vater übernahm Dominik Häfliger eine Normande-Herde. Weil sich mit der Reinzucht jedoch Probleme wie schwache Euteraufhängung, Spreizklauen und Zwischenklauengeschwüre häuften, setzt der Landwirt nun auf eine Rotationskreuzung mit Norwegischem Rotvieh und deutschem Fleckvieh. Von beiden Rassen erhofft sich der Landwirt die Hornlosigkeit. 

«Im Bio wird das Enthornen sehr wahrscheinlich irgendwann einmal verboten sein, so habe ich bereits vorgesorgt», erklärt er. Zudem verspricht er sich von der Kreuzung einen Heterosiseffekt. Schon bei den Normande seien die ersten F1-Kreuzungen super gewesen und mit zunehmender Reinzucht kamen die Probleme. «Auch die ersten Kreuzungen mit dem Norwegischen Rotvieh zeigen bereits wieder schönere Euter. Ich bin aber aktuell selbst noch mitten in der Umstellung und kann daher noch nicht von Erfahrungsberichten sprechen», so Häfliger. 

Die Norweger haben zudem eine gute Langlebigkeit, denn für Häfliger zählt die Lebensleistung. Den Betrieb übernahm er mit einer durchschnittlichen Lebensleistung von 19  000 kg Milch, heute liege er bei knapp 23 000 kg. «Mein Ziel ist nicht, pro Laktation mehr Milch – 7000 Kilogramm und eine gesunde Kuh, das ist kein Problem. Dafür machen sie dann eine Laktation mehr, und dann bin ich glücklich.»[IMG 5]