Eine gute Lüftung zahlt sich aus – für die Tiere, die Milchleistung und die Arbeit im Stall. Kühe vertragen Hitze schlecht – und in gut belüfteten Ställen sind sie gesünder und leistungsfähiger. Viele Betriebe arbeiten noch in älteren Ställen mit niedrigen Decken, bei welchen ein modernes Lüftungssystem oft auf den ersten Blick als nicht realisierbar erscheint. Provisorische Lösungen gibt es zwar viele, doch sie helfen meist nur kurzfristig. Welche nachhaltigen Möglichkeiten es gibt, das Stallklima zu verbessern, erklärt Lüftungsspezialist Thomas Jenni von Jenni Lüftungen. Die Firma realisiert Komplettanlagen für Stalllüftungen.

Schlechte Luft löst viele Problem aus

Den Tierhaltern ist bewusst, dass ein schlecht belüfteter Kuhstall viele Probleme verursachen kann. Die Kühe leiden schneller unter Hitze, werden anfälliger für Atemwegserkrankungen und geben weniger Milch. Auch die Fruchtbarkeit kann darunter leiden. Stehende, feuchte Luft und Gase wie Ammoniak schaden der Gesundheit der Tiere, fördern Schimmel im Stall und erhöhen das Risiko für Krankheiten bei Kälbern.

Die richtige Luftzirkulation im Stall verbessert die Tiergesundheit und hilft, die Temperatur zu regulieren und die Anzahl der Fliegen zu verringern. Ventilatoren und gut geplante Belüftungen sorgen dafür, dass sich die Kühe deutlich wohler fühlen.

Fachmann Thomas Jenni weiss, dass gerade im Frühling, wenn das Wetter stark schwankt, die Kühe gefordert sind. Am Abend und in der Nacht ist es noch kühl, tagsüber wird es bereits warm. «Diese starken Temperaturwechsel sind für Kühe unangenehm – sie fühlen sich wohler, wenn das Klima im Stall möglichst konstant bleibt», so Jenni.

Mögliche Lösungen

Für deckenlastige Ställe ist eine Unterdrucklüftung gemäss Thomas Jenni eine gute Lösung. Bei einer Unterdrucklüftung saugen Ventilatoren die verbrauchte Luft, Feuchtigkeit und schädliche Gase aus dem Stall ab. Dadurch entsteht ein leichter Unterdruck. Durch diesen strömt frische Aussenluft kontrolliert über Zuluftöffnungen wie Fenster oder entsprechende Aussparungen nach und sorgt für einen besseren Luftaustausch und ein stabiles Stallklima. Bei einer Unterdrucklüftung wird ein Ventilator fix in eine geschlossene Wand, Mauer oder in ein Tor eingebaut. Rund um den Ventilator sollte es geschlossen sein, sodass er nur die verschmutzte Luft raussaugen kann. Das ist der Unterschied zu einem freistehenden oder mobilen Ventilator, bei dem oben, unten und an den Seiten alles offen ist, sodass Aussenluft im Kurzschluss direkt wieder dazukommt.

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Je nach Voraussetzungen des Stalls kann die frische Luft nicht immer direkt zu den Liegeplätzen der Kühe geführt werden. In diesem Fall ist es zusätzlich möglich, kleinere Ventilatoren entlang der Liegeplätze zu installieren. «Diese sorgen besonders im Sommer für mehr Luftbewegung direkt bei den Kühen – und auch der Melker profitiert von der frischen Luft», fügt Jenni hinzu.

Das sind entscheidende Faktoren

Gemäss Thomas Jenni ist für ein gutes Stallklima wichtig:

  • Frischluft
  • Schadgasabfuhr / Abluft
  • Gleichmässige Luftströmung /-geschwindigkeit
  • Beschattung / keine direkte Sonneneinstrahlung

Es ist also schwierig, in einem alten Stall ein gutes Klima zu schaffen. Laut Thomas Jenni haben ältere Ställe trotzdem Vorteile; man kann meist ganzjährig den Zulufteintritt kontrollieren und durch das geringere Raumvolumen eine höhere Luftwechselrate erzielen. Ausserdem lässt sich oft einfacher eine Unterdrucklüftung einbauen. Dies, weil die Decke tiefer ist und somit die Ventilatoren oder andere Lüftungssysteme schneller und einfacher montiert werden können.

Aus der Praxis bekommt der Fachmann oft zu hören, dass die eher geschlossenen alten Ställe für die Schwalben ein Nachteil seien, weil ihnen die Öffnungen genommen werden. Jenni meinte dazu: «Bei dieser Variante muss man keine Angst haben, dass man keine Schwalben mehr im Stall hat. Sie finden den Weg durchs Fenster oder die verschiedenen Öffnungen schnell wieder. Dazu geben wir gerne konkrete Tipps vor der Montage.»

Die richtige Position des Lüfters

«Oft stehen oder hängen Ventilatoren am falschen Platz. Ein einziger Ventilator ist ein Produkt, aber noch nicht zwingend ein funktionierendes und zufriedenstellendes Lüftungskonzept», stellt Jenni fest. Deshalb ist eine korrekte Installation wichtig. Bei einer Liegeplatz-Längslüftung sollte der Luftstrom am besten auf die Mitte des Rückens der Kühe treffen, in entsprechendem Winkel. Der Ventilator ist meist klein und wird leicht geneigt über dem Kuh-Läger montiert. Für eine solche Lüftung braucht es mehrere Lüfter hintereinander. Man könne nicht eine Fläche von zwanzig Kühen auf einem Läger mit nur einem Ventilator abdecken, sagt Jenni. Dazu braucht es laut ihm im idealen Fall zwei bis drei Ventilatoren.

Die Anzahl der Lüfter ist essenziell: Mehrere, gleichmässig verteilte und drehzahlregulierte Ventilatoren sind besser als nur einer, und es lohnt sich, auf langlebige, robuste und energiesparende Geräte zu setzen. «Die Lüfter lieber kontinuierlich und wiederholend auf schwacher Stufe laufen lassen, anstatt einen, der immer auf Volllast laufen muss und gar nicht die ganze Länge abdecken kann», äussert sich der Fachmann. Deshalb spielt bei der Planung das Verhältnis zwischen der Tierzahl und den Lüftern eine grosse Rolle.

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Die ideale Stalltemperatur im Winter liegt in alten und niedrigen Ställen zwischen vier und acht Grad. Dabei sollten die Lüfter das ganze Jahr über laufen. «Ja, auch im Winter braucht der Stall frische Luft», betont Jenni. Ein mobiler Ventilator hilft nur kurzfristig im Sommer. Die Lüftung sollte konstant und ganzjährig laufen.

Wie sieht es im Kälberstall aus?

In einem Anbindestall, in dem die Kälber im gleichen Stall sind wie die Kühe, kann man einen eigenen Abluftventilator oder eine entsprechende Zuluft für die Kälber einbauen. Alternativ, wenn die Luftqualität stimmt, kann man die vorhandene Umluft so lenken, dass sie auch zu den Kälbern kommt – dabei muss aber darauf geachtet werden, dass Schadgase abgesaugt werden oder frische Luft über ein Fenster hereinkommt.

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Jenni macht deutlich: Kälber brauchen viel frische Luft. Keine Angst vor kontinuierlicher und gleichmässiger Luftströmung – im Gegenteil, ein gut belüfteter Stall ist wichtig für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Nur so bringt man im Winter die Feuchtigkeit zum Raum hinaus und kann die Wärme speichern.

«Wind und Wetter möchte man möglichst draussen behalten»

Laut Thomas Jenni wird bei Lüftungen heute oft noch viel gespart – sowohl bei der Qualität als auch bei der Stückzahl, bzw. beim Gesamtkonzept. Der Hauptaspekt ist jedoch: An einem heissen Sommertag wieder Freude am Melken zu haben, zeigt, wie wertvoll diese Investition ist. «Eine gute Lüftung zahlt sich aus – für die Tiere, die Milchleistung und die Arbeit im Stall», sagt Jenni. Neben der Arbeitsqualität ist es auch für das Tierwohl wichtig, nicht nur eine schnelle und provisorische Lösung zu finden. Die Zu- und Abluft im Stall muss immer kontrolliert funktionieren. «Wind und Wetter möchte man möglichst draussen behalten», erklärt der Fachmann. Deshalb genau bestimmen, wo die frische Luft hereinkommt und wo sie wieder hinausgeht.

Die Erneuerungen können Schritt für Schritt gemacht werden – man muss nicht alles auf einmal machen. So lassen sich Kosten sparen und trotzdem grosse Verbesserungen erzielen. Jenni rät, dafür immer eine Fachperson hinzuzuziehen.

Was braucht es bei neuen Ställen?

Bei einem Neubau gibt es verschiedene Lüftungsarten, je nachdem, wie der Stall von innen eingerichtet ist – zum Beispiel, ob ein Heukran oder ein Stroh- und Heulager vorhanden ist oder nicht. Ausserdem sollte man darauf achten, dass möglichst wenig direkte Sonneneinstrahlung auf die Liegeplätze der Kühe fällt, erläutert Thomas Jenni.

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Für Neubauten mit niedrigen oder hohen Decken gibt es viele verschiedene Lüftungssysteme. Man muss sich bewusst sein, dass eine Zwangsbelüftung in allen Ställen eine Verbesserung in irgendeinem Bereich herbeiführt. Entsprechend sollte, wenn möglich, bereits bei der Planung das passende Lüftungssystem abgeklärt werden. So kann noch Einfluss auf die Gebäudestruktur genommen werden, teilweise werden durch Profitipps unnötige Ausgaben eingespart. Diese Anlage muss nicht gleich ausgeführt werden, man hat jedoch schon Vorbereitungen getroffen.

In neuen Ställen ist laut Thomas Jenni eine vollautomatische Klimasteuerung unabdingbar. Das System muss energieeffizient und kontinuierlich während des ganzen Jahres laufen.