Warum soll man Bio produzieren? «Rund 40 Jahre nach der ersten Umstellungswelle ist es wichtig, dass man sich dieser Frage stellt», sagte Co-Präsident Claudio Gregori im Anschluss an die Generalversammlung von Bio Grischun, die am 18. Februar 2026 in Landquart stattfand. In dieser Zeit, in der kein Stein auf dem anderen bleibe, sei dies eine berechtigte Frage.
«Ich bin ein glücklicher Biobauer»
Marcel Heinrich vom Biohof Las Sorts in Filisur hatte eine klare Antwort bereit: «Darüber muss ich gar nicht diskutieren.» Er sei ein glücklicher Bauer, er habe in dem Beruf seine Freiheit gefunden. Diese Unabhängigkeit habe viel mit Bio zu tun, da er frei von Agrochemie und Futtermittelindustrie produziere. «Zudem vermarkten wir praktisch alles direkt, entsprechend sind wir weitgehend unabhängig vom Direktzahlungssystem», so Heinrich. Da er unter anderem schon seit Jahren aus eigenem Antrieb den Vorsatz «Feed no Food» (Kein Essen an Tiere verfüttern) umsetzte, sei er bisher kaum an Grenzen gekommen, wenn die Richtlinien wieder mal verschärft wurden.
Auch Verantwortung gegenüber der nächsten Generation
Das Publikum lieferte weitere Antworten auf die Frage, welchen Mehrwert Bio den Produzent(innen) bringt. Dabei kamen verschiedene Begründungen sowie einige Kritikpunkte zusammen. Eine Auswahl:
Finanzieller Anreiz: Ein Bauer erzählte, er sei vor Jahren aus finanziellem Anreiz in die Bioproduktion hineingerutscht. Mittlerweile sei er jedoch überzeugt davon. «Es hat besser funktioniert, als ich gedacht habe», meinte er. Manche Kosten seien zwar höher, doch etwa jene für den Tierarzt tiefer.
Umwelt und Gesundheit: Einige Mitglieder nannten die Produktion gesunder Lebensmittel und die Sorge zur Umwelt. «Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber der nächsten Generation», hielt eine Bäuerin fest. Zudem kam die Mutterkuhhaltung als naturnahe Produktion, die ohne Einsatz von Kraftfutter und Futterzukäufe auskommt, mehrfach zur Sprache.
Tierwohl: Als Pluspunkt wurde auch der höhere Standard für das Tierwohl genannt. «Wenn es den Tieren wohler ist, geht es mir selbst auch besser», meinte ein Landwirt.
Richtlinien: Als zunehmend herausfordernd werden strengere Vorschriften, beispielsweise zur Fütterung, erlebt. Ein Landwirt meinte ausserdem, im Bio entferne man sich zunehmend von der produzierenden Landwirtschaft. «Doch auch ein Biobauer sollte produzieren dürfen», forderte er.
Vermarktung: Hürden bei der Vermarktung (z.B. von Getreide) wurden ebenfalls kritisiert.
Alle Bioproduzenten vereint in der Knospe
Auch Gastreferent Rolf Bernhard sprach über den Mehrwert von Bio: «Mehr als 50 Prozent der Konsumenten greifen täglich oder mehrmals wöchentlich zu Bioprodukten», sagte der Co-Geschäftsführer von Bio Suisse. Der eigentliche Mehrwert sei jedoch nicht in einzelnen Zahlen zu fassen. Bernhard nannte Bereiche, welche am meisten vom Biolandbau profitieren würden. So etwa die Biodiversität, Wasserqualität, Böden, Klimaschutz, Energieeffizienz und gesunde Lebensmittel.
Bernhard machte auch einen Vergleich mit dem Ausland: Mit 12,3 % (2024) habe die Schweiz vor Dänemark und Österreich den grössten Biomarktanteil am Warenkorb weltweit. Selbst wenn sich der Umsatz mit Bioprodukten etwas verlangsamt habe, sei viel erreicht worden. Zudem: In zahlreichen anderen Ländern trete die Biolandwirtschaft nicht einheitlich auf. «In der Schweiz dagegen haben wir mit der Knospe ein Label, das alle Bioproduzenten vereint und klare Richtlinien vorschreibt.»
Claudio Gregori und Peter Wolf sind neu ein Co-Präsidium
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Bio Grischun hat neu ein Co-Präsidium: An der Generalversammlung am 18. Februar 2026 am Plantahof in Landquart wählten die anwesenden Mitglieder Peter Wolf zum Co-Präsidenten. «Damit sollen Aufgaben vermehrt geteilt werden», sagte Claudio Gregori, der die Mitgliederorganisation bisher allein präsidiert hat. Wolf wurde vor zwei Jahren in den Vorstand gewählt. Der 49-jährige Prättigauer bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau einen Bio-Milchviehbetrieb in Buchen. «Mir ist es wichtig, den Zusammenhalt der Mitglieder zu stärken», hielt Wolf an der GV fest. Gemeinsam könne man viel erreichen.
Die GV stimmte zudem einer Änderung der Vereinsstatuten zu: Künftig ist es somit möglich, landlose Imker und Imkerinnen als Mitglieder aufzunehmen. Diese sollen, wie ebenfalls beschlossen wurde, einen reduzierten Mitgliederbeitrag von 50 Franken pro Jahr entrichten. Dies mit dem Hintergrund, dass landlose Bio-Imkerinnen neu gemäss Statuten von Bio Suisse einer Mitgliederorganisation angehören müssen. Schweizweit gibt es einige Imker, die nicht über eigene landwirtschaftliche Nutzflächen verfügen, darunter auch in Graubünden.