Die beiden Labelorganisationen IP-Suisse und Bio Suisse haben am 23. Oktober in Bern einen gemeinsamen Weg vorgestellt, wie Landwirtschaftsbetriebe künftig ihre Klimaschutzleistungen auf Produktebene sichtbar machen können. Gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Agroscope erläuterten sie in einem Hintergrundgespräch ihren Ansatz: weg von allgemeinen Klima-Versprechen, hin zu messbarer Leistung auf Rohstoff- bzw. Produktbasis.
Zu Beginn begrüssten Rolf Bernhard, Co-Geschäftsführer von Bio Suisse, und Christophe Eggenschwiler, Geschäftsführer von IP-Suisse, die Anwesenden. «Alle reden davon – jetzt gehen wir gemeinsam einen Weg», so Bernhard zu Beginn. Eggenschwiler ergänzte: «Für IP-Suisse ist das Thema Klima seit fünfzehn Jahren selbstverständlich. Das Klimapunkte-System wurde 2021 lanciert und wurzelt im Biodiversitäts-System von 2008. Jetzt stellen wir gemeinsam ein massnahmenbasiertes Klimapunkte-System vor, entwickelt von Bauern für Bauern.»
Vieles bleibt unsichtbar
Die zentrale Botschaft des Hintergrundgesprächs war, dass die Bauern bereits heute viel leisten, ihre Aktivitäten aber oft unsichtbar bleiben. Nicole Ramsebner, Verantwortliche Nachhaltigkeit bei IP-Suisse, erklärte, dass es den Landwirtinnen und Landwirten nicht genüge, zu wissen, wie hoch die Emissionen ihrer Tiere seien. «Sie wollen wissen, welche konkreten Massnahmen sie ergreifen können, um ihre Klimabilanz zu verbessern, ohne dass der Aufwand unverhältnismässig steigt», sagte sie.
Für die Landwirtinnen und Landwirte bedeutet dies konkret: Sie möchten zeigen, was sie bereits leisten, ohne dabei in Bürokratie zu ersticken. Gleichzeitig sollen ihre Leistungen fair abgegolten werden. Sie betonte, dass es vor allem darum gehe, dass die Betriebe handlungsfähig blieben. Zwar gebe es Vorgaben, aber die konkrete Umsetzung bleibe in der Verantwortung der Bauernfamilien.
Bio Suisse ist aktiv geworden
Jasmin Hufschmid, Projektleiterin Klima bei Bio Suisse, ergänzte, dass Bio Suisse in den vergangenen Jahren auf der Suche nach einem passenden System im Rahmen von zwei Pilotprojekten verschiedene einzelbetriebliche Klimabilanzierungstools auf rund 250 Betrieben getestet habe. Dabei hätten sich teilweise starke Schwankungen zwischen den Jahren gezeigt, bedingt durch äussere Einflüsse wie Hagel oder Dürre. Gleichzeitig sei deutlich geworden, dass Beratung notwendig ist, um aus den Ergebnissen konkrete Schlüsse für den eigenen Betrieb zu ziehen. Je nach Detaillierungsgrad der Tools sei der administrative Aufwand hoch.
«Eine Skalierung auf unsere Label-Betriebe war so nicht möglich. Wir haben nach anderen Systemen gesucht, die bestehende Daten optimal nutzen und somit zu weniger Aufwand auf dem Betrieb führen, gleichzeitig inspirieren und uns zum selben wissenschaftlich fundierten Resultat führen», erklärte Hufschmid.
Klimaleistung mit geringem Aufwand für die Bauern sichtbar machen
Die Lösung von IP-Suisse wurde nach intensiver Prüfung aufgegriffen und gemeinsam mit Agroscope weiterentwickelt: ein massnahmenbasiertes System, das die Klimaleistung der Betriebe sichtbar mache, aber den Aufwand für die Bauern gering halte.
Nicole Ramsebner erläuterte, wie das IP-Suisse-Klimapunkte-System funktioniert. Die Betriebe erfassen einmal pro Jahr im Online-Tool, welche Massnahmen sie umgesetzt haben. Jede Massnahme ist wissenschaftlich belegt und mit einer CO₂-Reduktion hinterlegt. Agroscope berechnet im Hintergrund die Emissionen anonymisiert und aggregiert auf Label-Ebene, sodass kein Betrieb für ein schlechtes Jahr «bestraft» wird. Die Ergebnisse werden auf Produktebene heruntergebrochen, sodass beispielsweise der CO₂-Fussabdruck pro Kilogramm Weizen oder Milch ausgewiesen werden kann. Für den Handel ist dies entscheidend, denn immer mehr Abnehmer verlangen SBTi-konforme, nachvollziehbare Emissionswerte.
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Schweizer Durchschnittswerte reichen aus
Nicole Ramsebner betonte, dass das System praxisnah gestaltet sei. Die Bauern müssten nicht angeben, welcher Traktor wann übers Feld gefahren sei. Schweizer Durchschnittswerte aus Projekten, Statistiken oder dem Agrarmonitoring reichten völlig aus. Gleichzeitig bleibe die Klimaleistung in der Hand der Betriebe, und die Nutzung bestehender Daten und Infrastrukturen sorge dafür, dass die Kosten tief bleiben und keine zusätzlichen Verwaltungsstellen nötig seien.
Maria Bystricky, Projektleiterin der Forschungsgruppe Ökobilanzen bei Agroscope, erklärte die wissenschaftliche Basis, auf der das System aufbaut. «Eine Ökobilanz berücksichtigt alle Umweltwirkungen eines Produkts, von der Wiege bis zur Bahre, einschliesslich Klima, Wirkung auf Ökosysteme und Ressourcen», erklärte sie. Die Berechnungen erfolgen auf aggregierter Ebene, sodass die Klimawirkung transparent, belastbar und betriebsschonend ausgewiesen werden kann. So können die Leistungen der Bauern auf Rohstoff- und Produktebene erfasst und für Handel und Konsumenten nutzbar gemacht werden.
Knospe mit IP-Punktesystem
Ab Anfang 2026 wird das weiterentwickelte Punktesystem auch allen Knospe-Betrieben auf freiwilliger Basis von Bio Suisse zur Verfügung stehen. Die Betriebe tragen ihre Massnahmen ins Online-Tool ein, Agroscope berechnet die Reduktionen und die Ergebnisse werden auf Produktebene ausgewiesen. Der Handel kann die Leistungen honorieren und in seine Klimastrategien einbinden.
«Für IP-Suisse ist das Thema Klima seit fünfzehn Jahren selbstverständlich.»
Christophe Eggenschwiler, Geschäftsführer von IP-Suisse
Nicole Ramsebner fasste zusammen: «Wir wollen die Klimaschutzleistungen sichtbar machen und in Wert setzen, mit vertretbarem Aufwand für die Betriebe und gleichzeitig wissenschaftlich fundiert. Die Landwirtschaft kann so einen wichtigen Beitrag leisten, ohne dass die Betriebe überlastet werden.»
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