«Entgegen der Prognose verzeichnen wir weiterhin eine leicht steigende offene Bio-Ackerfläche», sagt Sonja Plüss. Die Produktmanagerin Ackerkulturen bei Bio Suisse informierte an der Jahrestagung Ackerbau des FiBL in Frick AG über das aktuelle Marktgeschehen im Bio-Bereich.
72 Prozent mehr Mahlweizen geerntet
Das Wachstum der offenen Ackerflächen steigt derzeit jährlich um ungefähr 3 Prozent. Ein Drittel davon ist laut Sonja Plüss auf Brotgetreide zurückzuführen. Hier lagen die Erträge wie in der konventionellen Produktion im vergangenen Jahr deutlich über den Werten von 2024, mit einem Plus von satten 72 Prozent beim Mahlweizen und 43 Prozent mehr geerntetem Bio-Roggen. Beim Dinkel ist der Anstieg mit 9 Prozent bescheidener.
Coop will Schweizer Bio-Mehl im Brot
Der höheren Getreideernte steht eine leicht sinkende Verarbeitungsmenge von Bio-Brotgetreide gegenüber. Während Roggen und Dinkel stabil sind, wird weniger Weizen verarbeitet. Bio Suisse kann das nicht erklären. «Auf dem Markt gibt es Signale, dass Bio-Weizen sehr gesucht ist», gab Sonja Plüss zu bedenken. Auch Umstellerweizen sei begehrt, obwohl die Migros keinen mehr abnehmen will. Der Grund für die wachsende Nachfrage nach Bio-Weizen ist Coop: Der Detailhändler verfolgt das Ziel, bis 2027 sein Bio-Brotsortiment auf 100 Prozent Knospe-Mehl umzustellen. Was den Dinkel betrifft, so zeigt sich auf dem Absatzmarkt eine Vorliebe für Urdinkel gegenüber neueren Sorten. Der Markt für Bio-Roggen ist stabil.
Inlandanteil beim Mischfutter aus Preisgründen festgelegt
Die wachsende Produktion von Bio-Futtergetreide stellt Bio Suisse vor eine Herausforderung. «Beim Körnermais hatten wir 2025 eine Rekordernte», bemerkte Sonja Plüss. Generell waren die Erntemengen beim Futtergetreide im Bio-Bereich um gut die Hälfte grösser als noch im Vorjahr. Auch der Anbau von Körnerleguminosen und Gemengen wie Ackerbohne-Hafer oder Eiweisserbsen-Gerste hat gemäss Plüss sehr gut funktioniert. Der Inlandanteil für Nichtwiederkäuer nähert sich daher der Vollversorgung.
Das Problem der eigentlich erfreulichen Lage: Der hohe Inlandanteil in Mischfuttermittel lässt die Preise ansteigen. Um die Folgen für die Tierhaltenden zu dämpfen, hat sich die Bio-Branche daher geeinigt, die nicht verwendete Übermenge von Körnermais auf die nächste Saison zu übertragen. Denn was 2025 geerntet wurde, liegt 10 Prozent über dem Jahresbedarf der ganzen Bio-Mischfutterbranche.
Bio Suisse legt so den Inlandanteil für Mischfutter künstlich auf 86 Prozent fest. Preiserhöhungen sind trotzdem angekündigt. Lagerung und Lagermanagement der Übermengen stellten eine Herausforderung für die ganze Branche dar, so Bio Suisse. Die Labelorganisation rät heuer zur Zurückhaltung beim Anbau von Körnermais – es sei mit einem Rückbehalt von bis zu 12 Franken auf Knospeware zu rechnen, um gegebenenfalls die Deklassierung zu finanzieren. Auch ist die Rede von Vermarktungseinschränkungen für Umstell-Mais.
Soja für Bio-Futter ist gesucht
Die Empfehlung an Bio-Landwirt(innen) lautet, wenn möglich auf Körnerleguminosen wie Soja umzustellen. Die sind nämlich als Futtermittel besonders gefragt. Das liegt unter anderem daran, dass per 2027 die Ausnahmebewilligung für maximal 10 Prozent ausländische Knospe-Eiweisskomponenten im Mischfutter ausläuft. Ab 1. Januar 2027 darf der Anteil höchstens noch fünf Prozent betragen. Der Tofumarkt für Bio-Speisesoja ist gesättigt, bei proteinreichen Convenience-Produkten besteht ein Rückgang.
Knospe-Zucker fehlt das Fairtrade-Siegel
Zwar stieg der Umsatz mit Bio-Zucker und -Süssstoffen im Detailhandel um 4 Prozent, der Bio-Wertanteil ging aber um 7 Prozent zurück. Biozucker sei nicht unbedingt Schweizer Rübenzucker, erläuterte Sonja Plüss. «Rohrzucker hat ein gesünderes Image, und Gesundheitsaspekte spielen bei der Bio-Kundschaft eine wichtige Rolle.»
Ein weiterer Faktor ist das Doppellabelling: Eine Fairtrade-Schoggi muss sowohl Fairtrade-Kakao als auch Fairtrade-Zucker enthalten. «Und Schweizer Knospe-Rübenzucker ist nicht Fairtrade-zertifiziert», sagt die Produktmanagerin. Man sei aber im Gespräch, um Schweizer Bio-Zucker vermehrt in Biscuits und Sticks zu bringen.
Sonja Plüss bezeichnet die Marktentwicklung beim Raps als stockend. Dass Coop seine Panofino-Backwarenherstellung künftig auf Knospe-Sonnenblumenöl umstellen will, sei noch nicht offiziell bestätigt. Angesichts voller Sonnenblumenlager verwies sie aber auf die Notwendigkeit von Anbauverträgen für diese Ölsaat.
Die letzten Schlagzeilen zu biologischem Speisehafer waren negativ. Im vergangenen Oktober verkündete Coop, für Bio-Haferdrink wegen des besseren Geschmacks auf italienischen Hafer zu verwenden. Nun aber will der Detailhandel importierte Haferflocken durch Knospe-Hafer ersetzen.
Eine vielfältige Bio-Fruchtfolge unterstützen
«Beim Bio-Weizen gibt es noch viel Potenzial», fasste Sonja Plüss abschliessend zusammen. Weiterhin sind neue Bio-Ackerflächen gesucht, die Ackerbauoffensive von Bio Suisse läuft weiter. Und Plüss informierte über einen Erfolg: «Wir haben eine Arbeitsgruppe mit Coop dazu, wie über die Produkte eine vielfältige Fruchtfolge unterstützen kann.»

