Marktbeobachter wie Faire Märkte Schweiz (FMS) hätten vor negativen Effekten gewarnt, als die Coop-Tochter Transgourmet 2025 die Saviva AG übernommen hat. Das schreibt FMS in einer Mitteilung – und so sei es auch eingetreten. FMS zugetragene Erfahrungsberichte und Daten würden dies belegen.
In einigen Regionen «faktisch keine Alternative mehr»
«Nach der Übernahme hat sich die Marktkonzentration im Schweizer Gastro-Grosshandel weiter erhöht», so FMS. In mehreren Regionen gebe es für Gastronomen faktisch keine Alternative mehr zu Transgourmet. Ein Ausweichen auf Abholmärkte sei für Betriebe in Berg- und Randregionen aus zeitlichen und wirtschaftlichen Gründen oft nicht möglich.
Höhere Preise und verschärfte Lieferkonditionen
Nun reicht FMS bei der Wettbewerbskommission (Weko) ein Gesuch ein, um die Marktstellung von Transgourmet, die Entwicklung ihrer Preise und Lieferkonditionen sowie mögliche wettbewerbsrechtliche Abreden oder einen kartellrechtlichen Missbrauch prüfen zu lassen. Anonymisierte Daten sollen nämlich zeigen, dass die Coop-Tochter ihre Preise in den letzten Monaten deutlich erhöht habe. Ausserdem habe sie die Lieferkonditionen verschärft: Es gelte neu ein Mindestbestellwert von 700 Franken pro Woche, darunter werde eine Anfahrtsgebühr von 50 Franken erhoben. Weiter gibt es laut FMS Hinweise auf «faktische Lieferverweigerung» an einen Gastronomen im Berggebiet.
Auf einzelne Fragen der BauernZeitung geht Transgourmet nicht ein, sondern schickt eine generelle Stellungnahme: Man nehme die Forderung von FMS zur Kenntnis und weise die Vorwürfe entschieden zurück.
«Der intensive Wettbewerb setzt die Preise unter Druck»
«Transgourmet steht für einen fairen und funktionierenden Wettbewerb und pflegt mit ihren Handelspartnern partnerschaftliche Beziehungen», heisst es weiter. Man bewege sich in einem stark umkämpften Markt, in dem Gastronomen eine grosse Auswahl an lokalen, regionalen und nationalen Lieferanten hätten. «Der intensive Wettbewerb setzt die Preise unter Druck und lässt lediglich wettbewerbsfähige Preise zu.»
Seit dem Zusammenschluss mit der Saviva AG hat es laut Stellungnahme von Transgourmet keine nicht rohstoffbedingten Preissteigerungen gegeben. Die «branchenüblichen» Lieferkonditionen teile man transparent auf der Website mit und sie seien seit «vielen Jahren» unverändert. «Lieferzuschläge werden nur mit Augenmass verrechnet», versichert Transgourmet. Das Unternehmen treffe seine Geschäftsentscheidungen unabhängig und im Einklang mit den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen.
Was ist Transgourmet?
Laut ihrer Website führt Transgourmet/Prodega ein Vollsortiment mit über 25'000 Artikeln für Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung, Detailhandel und Gewerbe. Sie können per Lieferung oder Abholung bezogen werden. Wie bei Coop gibt es auch bei Transgourmet verschiedene «Taten statt Worte», die die Nachhaltigkeit betonen. «Tat Nr. 5» zum Beispiel ist die Unterstützung lokaler Produzenten durch den Vertrieb von über 2000 regionalen Produkten.

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