Der Basispreis müsse geschützt werden, Übermengen seien zu bestrafen und es brauche jetzt Importtransparenz. So titelt die SVP-Landwirtschaftskommission des Kantons Luzern in einer Medienmitteilung vom 4. Februar. Die aktuelle Entwicklung auf dem Milchmarkt sei nicht das Resultat eines Fehlverhaltens der Bauernfamilien. Die Mengendiskussion greife zu kurz. Der heutige Mechanismus bestrafe Leistung und Qualität. Der A-Preis hätte nie gesenkt werden dürfen, und die Einführung von C-Milch als Ventil für Überschüsse wird ebenfalls kritisiert. Gefordert werden eine Stärkung des Inlandmarktes, gezielte Sanktionen für Übermengen und ein verstärktes Verantwortungsbewusstsein aller Marktakteure.
Pirmin Furrer erläutert die Haltung der ZMP
Die Situation auf dem Milchmarkt ist sehr komplex, viele Behauptungen und Vorwürfe machen die Runde. Wir fragten deshalb nach beim grössten Milchkäufer in der Zentralschweiz, bei den Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP.
Geschäftsführer Pirmin Furrer weist darauf hin, dass die Teilliberalisierung des Milchmarkts (Abschaffung Milchkontingentierung, Käsefreihandel Schweiz – EU usw.) politisch beschlossen und auch von der Land- und Milchwirtschaft und den Parteien breit unterstützt wurde.
Aussenhandel ist unter Druck geraten
Heute seien 60 % der Schweizer Milchmenge vom internationalen Markt abhängig, rund 25 % würden exportiert (vor allem Käse, aber auch Schokolade und Babynahrung). Importe erfolgten hauptsächlich über den Käsefreihandel, Einkaufstourismus und Zollkontingente, so für Butter. Der Veredlungsverkehr (Import von Rohstoffen wie Milchpulver für konkurrenzfähige Exportprodukte) nehme kontinuierlich zu. In der Vergangenheit, weil teilweise zu wenig Rohstoff vorhanden war, heute aber generell, weil die Preisunterschiede beim Rohstoff Milch zu jenen im Exportland viel zu hoch seien. Der von der BOM geäufnete Fonds «Rohstoffausgleich» sei inzwischen aufgebraucht, eine Äufnung würde wieder zulasten des Milchpreises gehen.
Pirmin Furrer verweist auch auf die Einbrüche beim Käseexport, so vor allem beim Emmentaler. Die Milch werde aber gleichwohl produziert. In der Vergangenheit habe der Industriemilchkanal diese Mengen noch auffangen können. Auch Industriekäse wie Switzerland Cheese oder Raclette hätten im Export nun aber stark verloren. Einen Schaden beim Käse- und Schokoloadexport habe auch die Zollpolitik der USA angerichtet. Und Furrer erwähnt auch den starken Franken und den schwachen Dollar.
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C-Milch ist ein Zeichen der Überproduktion
Die Situation ist also sehr komplex. Die Einführung einer Mengensteuerung, wie von der SVP gefordert, wäre nur staatlich möglich. «Zur Milchkontingentierung zurück will aber wohl niemand mehr.» Das Segmentierungsmodell der BO Milch sei grundsätzlich ein gutes Instrument auf diesem teilliberalisierten Milchmarkt. Das Segment, welches noch Grenzschutz und Stützungen habe, sei durch den signifikant höheren A-Milchpreis geschützt – aber im teilliberalisierten Milchmarkt mit Import sei eben auch dieses Segment dem Wettbewerb ausgesetzt.
«Ist man trotz Stützung und Grenzschutz nicht mehr wettbewerbsfähig, verliert man Marktanteile.» Milch im C-Segment sei klar ein Zeichen der Überproduktion. Solche Milch müsse auf dem Weltmarkt abgesetzt werden und habe deshalb den aktuell so tiefen Preis.
Die Instrumente der BO Milch hätten in den vergangenen Jahren sichergestellt, dass die Differenz zum ausländischen Milchpreis ausgebaut werden konnte. Aktuell seien die Milchpreise im Ausland auf Sinkflug, was eben auch Spuren im Milchmarkt Schweiz hinterlasse.
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