Das feine Bio-Joghurt, das an der Jahresversammlung von Bio Schwyz zum Dessert serviert wurde, vermag an der aktuell anspruchsvollen Lage auf dem Bio-Milchmarkt nichts zu ändern. «Im Moment haben wir mit hohen Einlieferungen zu kämpfen. Im Dezember lagen diese rund zehn Prozent über dem Vorjahresmonat», erklärte Andreas Bisig, Abteilungsleiter Märkte bei Bio Suisse, gegenüber den Schwyzer Bio-Bäuerinnen und Bauern.
Verwertung stieg 2025 stärker als Einlieferungen.
[IMG 2]In der Bio-Milchproduktion spiele der hohe Grundfutteranteil eine zentrale Rolle. Dessen Qualität sei besonders entscheidend und beeinflusse die Produktionsmenge stärker als in der konventionellen Milchproduktion. In den vergangenen Jahren sei die Bio-Milchmenge zwar infolge der Einführung neuer Fütterungsrichtlinien leicht rückläufig gewesen. «2025 waren die Liefermengen um 3,8 Prozent höher als im Jahr zuvor», so Andreas Bisig. Gleichzeitig sei die Verwertung von Bio-Milch in Käsereien und Industriebetrieben im gleichen Zeitraum um 4,1 Prozent gestiegen – ein klares Zeichen dafür, dass die Nachfrage weiterhin intakt sei.
Zuversichtliche Bio-Milchbranche
Auch die Preise hätten sich erfreulich entwickelt. Die Preisdifferenz zur konventionellen Milch stieg im vergangenen Jahr auf 19 Rappen. Gemeinsam mit den Marktpartnern habe man beschlossen, die Preise trotz der höheren Mengen nicht zu senken, so Bisig. Zwar komme es bei einzelnen Abnehmern zu Deklassierungen oder zur Vermarktung als C-Milch. Die Branche zeige sich aber zuversichtlich: «Die Nachfrage wird mittelfristig wieder zunehmen», betonte Bisig. «Ich bin überzeugt, dass im Sommer niemand mehr von einer Milchschwemme sprechen wird.» Besonders proteinreiche Produkte wie Quark oder Hüttenkäse verzeichneten zuletzt eine sehr positive Marktentwicklung.
Leidenschaftliche Milchbauern fallen weg
Dieses Votum unterstützte auch Bio Suisse-Vorstandsmitglied Sepp Bircher. Er mahnte an der Jahresversammlung von Bio Schwyz, die Situation nicht zu kurzfristig zu beurteilen. Marktkenner aus der Zentralschweiz gingen bereits davon aus, dass es im Juli erneut zu Engpässen bei Bio-Milch kommen könnte. Langfristig stehe die Bio-Milchbranche zudem vor strukturellen Herausforderungen. «Die Generation, die mit Leidenschaft täglich Kühe melkt, fällt langsam weg», gab Bircher zu bedenken. Für das Jahr 2026 gebe es nur noch rund 20 Umsteller. Das werde höchstens ausreichen, um die heutige Produktionsmenge zu halten.[IMG 3]
Schwyzer für Spermasexing
Bio-Schwyz-Präsident Paul Ebnöther blickte in seinen Ausführungen bereits auf die kommende Bio-Suisse Delegiertenversammlung von Mitte April voraus. «Unter der Federführung von Progana wurde ein Antrag eingereicht, damit das Spermasexing bei Rindern im Biolandbau zugelassen wird.» Bio Schwyz habe vor fast fünf Jahren einen ähnlichen Antrag gestellt, der damals von rund 80 Prozent der eigenen Mitglieder unterstützt wurde. «Darum unterstützen wir jetzt auch den aktuellen Antrag», betonte Paul Ebnöther. Weiter informierte der Präsident, dass die Schwyzer Bio-Bauern ein Mitgliedsorganisations-Projekt bei Bio Suisse eingereicht haben, in welchem Kochlehrlingen Einblick in die Bio-Landwirtschaft ermöglicht werden solle. Bio Schwyz möchte zudem einen Arbeitskreis Kleinwiederkäuer lancieren. Die drei Vorstandsmitglieder Martina Meier, Stefan Waldis und Ueli Kälin wurden einstimmig in ihrem Amt bestätigt.