2025 war ein gutes Kartoffeljahr. Auch die Märkte hätten mehrheitlich gut funktioniert, rekapitulierte Niklaus Ramseyer, Präsident des Verbands Schweizer Kartoffelproduzenten (VSKP). «Es hat gezeigt, dass – wenn alles passt – gute Jahre auch heute noch möglich sind», fuhr er fort und eröffnete so die Mitgliederversammlung des VSKP in Kirchberg BE.
Notfallzulassungen sind beantragt
Nach Meinung von Niklaus Ramseyer ist die Wahrscheinlichkeit für ein gutes Jahr heute aber deutlich kleiner als es noch in den 90ern der Fall war. Den VSKP beschäftigen daher die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, die Förderung robuster Sorten, die Stärkung der inländischen Pflanzkartoffelproduktion, die AP 30+, Digiflux sowie die aktuellen Richtpreise und Übernahmebedingungen für die Ernte 2026.
«Wir haben Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel gegen Drahtwürmer und für Fungizide beantragt», führte Niklaus Ramseyer aus. Für robuste Sorten steht der VSKP im Austausch mit Agroscope. Die Verfügbarkeit des Pflanzguts ist z. T. noch dürftig, gute Sorten wie Twinner wären aber erhältlich und sollten auch angebaut werden. Zusammen mit Swisssem konnte der VSKP jüngst eine Erhöhung des Einzelkulturbeitrags für Saatkartoffeln auf 2500 Franken/ha erwirken.
Mechanische Schäden zählen bei Industriekartoffeln wieder als Mangel
Die Richtpreise für die kommende Ernte sind auf demselben Niveau wie im Vorjahr, was für Stabilität sorge. Noch nicht einig wurde sich die Branche allerdings bei grob sortierten Speisekartoffeln, und die Übernahmebedingungen für Speise- und Industriekartoffeln sind ebenfalls noch nicht verabschiedet. «Wir hatten positive Rückmeldungen zu den Lockerungen für Industrieware per Ernte 2025», sagte der VSKP-Präsident. Heuer gibt es allerdings eine Anpassung: Mechanische Schäden zählen wieder als Mangel. 2025 wurden sie nur taxiert, blieben aber ohne Abzüge. «Einige hatten die Rodungsleistung bei der letzten Ernte etwas zu stark gewichtet», schilderte Ramseyer den Nebeneffekt, den die neuerliche Anpassung verhindern soll. Zu Digiflux hielt er fest, der Verband gebe sich nicht mit den bisher in Aussicht gestellten Vereinfachungen zufrieden. Es brauche eine Anpassung auf Stufe Gesetz, sonst fehle die Sicherheit.
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Beiträge für Verwertungsfonds wieder angehoben
Bei den Mitgliederbeiträgen des VSKP gibt es eine leichte Erhöhung zugunsten des Verwertungsfonds, von 0,25 auf 0,5 Rappen. «0,25 Rappen war ein historischer Tiefstand», sagte Niklaus Ramseyer. Das war so beschlossen worden, da der Verwertungsfonds 2024 mit rund 11 Millionen sehr gut gefüllt war. Die grosse Ernte 2025 brachte auch grössere Mengen in die Verwertung, wie Swisspatat-Geschäftsführer Christian Bucher ausführte. So wurden rund 3,2 Millionen Franken aus dem Verwertungsfonds für die Frischverfütterung an Produzenten ausbezahlt. «Das ist ein Zwischenstand», so Bucher, «es kommen wohl noch einige Posten dazu.» Der Verwertungsfonds wird nicht in Kalender-, sondern in «Kartoffeljahren» abgerechnet (von Juli des Vorjahres bis Juni des nächsten Jahres).
Arbeiten an neuem Farbstoff für die Denaturierung
Die Deklassierung von Kartoffeln – genauer, die Denaturierung der Knollen mit einem roten Lebensmittelfarbstoff – weckte 2025 das Interesse der Publikumsmedien. Es kam nach Medienberichten zu einer Intervention der eidgenössischen Futtermittelkontrolle: Der Farbstoff sei für die Nutztierfütterung nicht zugelassen (wir berichteten). «Er ist aber für Lebensmittel erlaubt und färbt z. B. Aperol Spritz», bemerkte Christian Bucher. Niklaus Ramseyer erwähnte allerdings, dass der Farbstoff bald auch für diese Verwendung verboten sein soll. Für die Denaturierung von Kartoffeln indes ist das Problem noch nicht gelöst. «Wir arbeiten aktuell mit der HAFL an einem neuen Farbstoff, damit die Frischverfütterung weiterhin zur Marktstabilisierung beitragen kann», so Bucher.
Reglement des Fonds zugunsten Sortenprüfung angepasst
Neben den Beiträgen für den Verwertungsfonds hat der VSKP an seiner Mitgliederversammlung auch das zugehörige Reglement angepasst. Erstens erlaubt es dem Vorstand neu, maximal 100 000 Franken (statt 50 000 Franken) für weitere Projekte und namentlich die Förderung der Sortenprüfung einzusetzen. «In den letzten Jahren wurde der bisher festgesetzte Betrag überschritten, was eigentlich eine Kompetenzüberschreitung des Vorstands ist», räumte Niklaus Ramseyer ein. Mehr Geld soll insbesondere in die Beteiligung des VSKP an der Sortenprüfung fliessen.
Zweitens kann dank des angepassten Reglements der Mindestspeiseanteil nun jährlich flexibel festgelegt werden. Bisher lag er fix bei 50 Prozent.
Keine der Anpassungen oder Erläuterungen an der Mitgliederversammlung sorgte für Diskussionen. Auch Emile Turin aus Collombey-Muraz VS wurde ohne Gegenstimme als neuer Vertreter der Romands in den VSKP-Vorstand gewählt.
Zweifel setzt auf Schweiz und will weiterwachsen
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Die Familie Zweifel hat die Chips von Amerika in die Schweiz gebracht. Das erklärte Christoph Zweifel, der das Unternehmen in vierter Generation führt und an der Mitgliederversammlung des VSKP als Gast referierte. Seit bald 70 Jahren produziert Zweifel Chips, seit der Übernahme von Berger Snacks 2020 gehört auch Süsses zu ihrem Portfolio. «Zweifel steht für Salziges», schilderte der heutige CEO. «Versuche mit schokolierten Chips waren ein Riesenflopp.» Berger hingegen ist etwa für seine Spitzbuben bekannt. Es sei strategisch wichtig, «rund um die Uhr relevant» zu sein. Dazu trägt die Ergänzung des Salzigen mit dem Süssen bei Zweifel bei.
«Schweizer sind fast süchtig nach Paprika»
Zweifel Chips & Snacks ist ein Unternehmen, das scheinbar immer irgendwo auf ihrem Firmengelände eine Baustelle hat. Aktuell wird an einer neuen «Snackwelt» gebaut, unter anderem mit Schweizer Holz. Überhaupt spielt Swissness für Christoph Zweifel eine grosse Rolle. «Wir haben einen Bedarf von etwa 27 000 t Kartoffeln pro Jahr», hielt er fest. Nach vier durchzogenen Jahren gelang 2025 wieder die Vollversorgung mit 100 Prozent Schweizer Knollen für die Zweifelchips. Im langjährigen Durchschnitt liege der Anteil inländischer Kartoffeln bei etwa 90 Prozent. Hinzu kommen rund 2700 t Rapsöl, deren Beschaffung angesichts der Probleme im Pflanzenschutz dieser Kultur in der Schweiz Sorgen bereite. Da die Schweizer(innen) «fast süchtig» nach Paprika sind, erstaunt es nicht, dass von den jährlich 700 t Gewürze ganze 400 t auf Paprika entfallen. Paprika-Chips sind hierzulande ein Renner, auch im europäischen Vergleich fällt diese Schweizer Vorliebe auf.
Man habe starke Mitbewerber im Markt, betonte Christoph Zweifel. Bei den Chips sind das etwa die Eigenmarken von Migros und Coop. Trotzdem konnte Zweifel zum zehnten Mal in Folge mit einem wirtschaftlichen Rekordergebnis abschliessen.
31 000 t Kartoffeln bis 2032
Zweifel will weiterwachsen, daran liess der CEO keine Zweifel. Die Strategie des Unternehmens sieht vor, bis 2032 über 31 000 t Kartoffeln zu verarbeiten – «wenn möglich zu 100 Prozent aus der Schweiz». Hier sieht Christof Zweifel eine Herausforderung, die nur gemeinsam mit der Kartoffelbranche angegangen werden könne. So beteiligt sich Zweifel etwa an Arbeitsgruppen, die sich mit schlechten Backtests aufgrund von Bakterieninfektionen befassen. «2025 war ein gutes Jahr, aber der Stärkegehalt bereitet uns Sorgen», so Zweifel. Denn die Stärke sei am Ende das, was die Chips ausmacht – beim Frittieren Wasser aus den Knollen zu verdampfen, sei nicht effizient. Mit der Anpassung der Übernahmebedingungen für Industriekartoffeln kamen Abnehmer wie Zweifel Chips & Snacks den Produzenten entgegen. Auch, um die grösser werdenden Ertragsschwankungen aufzufangen. Um die Ziele der Branche für den Anbau von robusten Sorten zu erreichen, müsse man «auf die Hinterbeine», findet Zweifel.