Im Kartoffelanbau stösst man mit dem Wunsch nach permanenter Bodenbedeckung schnell an Grenzen. «Der nackte Boden hat mich bei den Kartoffeln immer gestört», sagt Christian Gugger. Der Landwirt aus Ins BE hat die Knollen vor fünf Jahren zum ersten Mal in Mulch angebaut.

Schutz vor aufprallenden Tropfen und stabilisierte Oberfläche

Besonders bei starken Gewittern hatte er zuvor immer wieder deutliche Bodenerosion beobachtet. «Wertvolle Erde wurde weggeschwemmt und die Struktur des Bodens hat sichtbar darunter gelitten.» Vor allem wenn die Kartoffelpflanzen noch klein sind und ihre Wurzeln die umliegende Erde noch nicht ausreichend festhalten, ist das Risiko für Erosion gross. Um dieses Problem zu lösen, hat Christian Gugger angefangen, die Fläche mit Ökoheu abzudecken. «Das schützt den Boden nicht nur vor dem direkten Aufprall von Regentropfen, sondern stabilisiert die Oberfläche zusätzlich.»

Gesundes Mikroklima für die Kartoffelpflanzen

Das Heu wirke wie ein Puffer, der das Abfliessen des Wassers verlangsame und dadurch Erosion verhindere. Gleichzeitig trage es zur Verbesserung der Bodenfeuchtigkeit bei und fördere ein gesundes Mikroklima rund um die jungen Kartoffelpflanzen. «Der Einsatz von Ökoheu-Mulch erwies sich als einfache, umweltfreundliche und äusserst wirksame Methode, um die Bodengesundheit während der sensiblen Wachstumsphase der Kartoffeln zu erhalten und langfristig einen besseren Ertrag zu sichern», so das Fazit des Berners.

Weniger Blattläuse in den Pflanzkartoffeln

Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) hat den Anbau von Kartoffeln in Mulch sowohl in Kleinparzellenversuchen als auch auf Praxisbetrieben untersucht, wobei Letzteres ein noch laufendes Projekt ist. Für eine schützende Mulchschicht spricht in der Theorie einiges, erklärte Pascale Walther, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAFL. Dazu gehören die Abwehr von Blattläusen und damit eine geringere Virenlast in Pflanzkartoffeln, besserer Rückhalt der Bodenfeuchte und schnelleres Einsickern von Regenwasser, Unterdrückung von Unkraut (v.a. im Bioanbau), weniger Abschwemmung und Erosion. «Die Reduktion der Temperatur im Boden ist ein weiterer Grund, weil sie Ertrag und Qualität der Kartoffeln stark beeinflusst», so Walther. Bei Agria könnte dieser Effekt das Zünglein an der Waage sein, bemerkte Christian Gugger.

Ab einer Mulchmenge von 5 t/ha

Bisherige Erfahrungen mit dem Anbau von Kartoffeln im Mulch erörterten Pascale Walter und ihre Kollegin Sofia Caprez mit Christian Gugger im November anlässlich der Jahrestagung des Forums nachhaltiges Wassermanagement in Zollikofen BE. In Exaktversuchen an zwei Standorten (Rüderswil BE und Utzenstorf BE) zeigten sich 2023 die erwarteten Effekte auf Infiltration und Bodentemperatur ab einer Mulchmenge von 5 t/ha. Es handelte sich allerdings um Pflanzkartoffeln, die entsprechend früher geerntet worden waren als dies etwa bei Industrieware der Fall gewesen wäre. Aussagen für Frites- und Chipssorten im Mulch lassen sich daher basierend auf diesen Ergebnissen nur bedingt machen.

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20,5 Prozent höherer Ertrag marktfähiger Bio-Kartoffeln

Für die Praxis stellt sich neben der Menge an Mulch die Frage, welches Material zum Einsatz kommen soll. Die HAFL hat mit Stroh, Grassilage und frischem Grasschnitt im Biolandbau experimentiert, zwischen 10 – 20 t/ha. «Das ist sehr viel und in der Praxis kaum umsetzbar», ist sich Pascale Walther bewusst. Es entspricht einer Schicht von 6–8 cm Dicke. Für eine zuverlässige Unkrautunterdrückung müssten es aber schon mindestens 5–10 t/ha sein. Der Mulch wurde in diesem Versuch noch vor dem Auflaufen der Kartoffelpflanzen (Sorte Erika) ausgebracht, um sie nicht mit Silage zu verbrennen. In den drei Studienjahren 2021 bis 2023 herrschte sehr unterschiedliche Witterung, mit Strohmulch zeigte sich aber in sämtlichen Jahren ein durchschnittlich um 20,5 Prozent höherer Ertrag marktfähiger Bio-Knollen. «Die höheren Erträge können die zusätzlichen Kosten kompensieren, sodass Strohmulch wirtschaftlich konkurrenzfähig sein kann», so das Fazit der Studienautorinnen. Stroh erwies sich als das effektivste Material zu diesem Zweck. Nur in heissen und trockenen Jahren jedoch komme der Verdunstungsschutz durch den Mulch zum Tragen. «Dann aber mit grossem Zusatznutzen», bemerkte Pascale Walther. Unterschiede in der Bodentemperatur zeigten sich hingegen immer.

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2,5 ha Kartoffeln mit 73 Ballen Ökoheu in zwei Tagen gemulcht

2025 gab es weitere Versuche der HAFL, diesmal mit verschiedenen Techniken zum Ausbringen des Strohs und in Zusammenarbeit mit Landwirten auf fünf Betrieben mit Kartoffeln in der Furchtfolge. Man verglich ein Einstreugerät, einen Universalstreuer, eine Strohmühle und einen Ballenhäcksler in ihrer Eignung beim Ausbringen von Stroh als Mulch. Christian Gugger nutzt einen Ballenhäcksler, setzt aber wie erwähnt auf Ökoheu statt Stroh. Ersteres wolle heutzutage sowieso keiner mehr. «Mittlerweile mulche ich meine ganze Kartoffelfläche», berichtete der Landwirt. Verteilt sei das Material schnell, er schaffe 2,5 ha mit 73 Ballen in zwei Tagen. Allerdings braucht es den nötigen Lagerplatz für die Ökoheu-Ballen auf dem Betrieb.

Durchwuchs und unterschiedlich schnelle Zersetzung

Sowohl bei Heu- als auch Strohmulch kann es zu Durchwuchs bzw. Ausfallgetreide kommen. «Heuer hat es die Kartoffelernte in die Länge gezogen, da auf den Dämmen Raigras aus dem Ökoheu wuchs», so Christian Gugger. In Zukunft will er daher ein paar Wochen vor der Krautvernichtung ein Gräsermittel einsetzen. Dafür habe sich das Heu bis zum Erntetermin besser zersetzt als das Stroh. Je nachdem ist das ein Vor- oder ein Nachteil: Stroh hat länger den schützenden Effekt einer Bodenbedeckung, kann dafür aber bei dem Kartoffelgraben stören. Bei Heu droht das weniger, dafür ist der Schutz kurzlebiger. Fürs Ausbringen richtet sich Gugger nach dem Wetter und dem Standort. «Am Hang mulche ich kurz nach dem Setzen der Kartoffeln, sonst kann man auch bis nach dem Auflaufen warten.»

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Effekt auf Kartoffelkäfer festgestellt

Ob der Mulch auch einen Effekt auf Schädlinge wie den Kartoffelkäfer oder auf die Krautfäule-Anfälligkeit hat, dazu gibt es höchstens Erfahrungswerte. «In unseren Exaktversuchen hatte es im heissen, trockenen 2022 in allen Mulchverfahren signifikant weniger Kartoffelkäferlarven im Vergleich zur Kontrolle», berichtete Pascale Walther. In den anderen beiden Versuchsjahren seien zwar Unterschiede festgestellt worden, aber nicht signifikant. Am meisten schien Strohmulch den Käferbefall zu reduzieren, mehr als Gras oder Silage. Daten zum Auftreten von Kraut- und Knollenfäule hat die HAFL nicht erhoben.

«Mit Mulch läuft nichts mehr aus der Parzelle davon»

«Ich habe auf einer Parzelle weder gegen Käfer noch gegen Läuse gespritzt», erzählte Christian Gugger vom Kartoffeljahr 2025. Bei den Kartoffelkäfern sei ihm ab dem ersten Jahr mit Mulch aufgefallen, dass es keine massenhaften Vermehrungen der Schädlinge mehr gegeben habe. Da sich Kartoffelkäfer visuell orientieren, könnte eine Mulchschicht sie beim Finden ihrer Wirtspflanzen behindern. Grosse Ertragsunterschiede stellt Gugger zwar nicht fest, sein Ökoheu auf und zwischen den Kartoffeldämmen lasse allerdings das Regenwasser sichtbar schneller versickern. Für ihn ist die Bodenbedeckung schon in erster Linie ein Erosionsschutz: «Ich habe Flächen mit Moorböden und Mineralböden mit bis zu 18 Prozent Hangneigung», schilderte der Berner. Aus Gründen der Fruchtfolge wollte er dort nicht langfristig auf den Anbau von Kartoffeln verzichten. «Mit Mulch lief nichts mehr aus der Parzelle davon», freute er sich.