Valentin Matthey wollte etwas machen, das «ökonomisch erfolgreich ist und agronomisch Sinn macht». Der Landwirt ist im französischen Novillard tätig, einer windigen Gegend, in der ihm zufolge Frühling und Herbst schnell Einzug halten. Als Lohnunternehmer war er auf zahlreichen Betrieben unterwegs. «Ich erzähle euch, was ich gesehen habe und was in den letzten zehn Jahren verbessert worden ist», sagte der Franzose, der anlässlich der Jahrestagung 2026 von Swiss No-Till in Witzwil BE referierte.
Falscher Druck bringt Ertragseinbussen
Als Valentin Matthey anfing, war er mit Verschlämmung und Erosion konfrontiert. Die Saat hatte Mühe, zu keimen und aufzulaufen. «Es brauchte eine Weiterentwicklung», schlussfolgerte der Franzose. Er setzte insbesondere bei der Landtechnik an. Die Direktsaat sei in dieser Zeit (um 2016) gerade in Mode gewesen – die Arbeit mit einer einzigen Maschine anstelle aufwändiger Bodenbearbeitung klang auf dem Papier gut und funktionierte wirtschaftlich.
Mit Bestehendem gab sich Matthey aber nicht zufrieden. Er hinterfragte das Argument von Händlern, dass 250 kg Druck pro Säelement nur vorteilhaft sei. «Der Feldaufgang kann von zu hohem Gewicht beeinträchtigt werden», ist er überzeugt. Das ergebe einen Rückstand für einzelne Pflanzen aufgrund kleinräumiger Unterschiede im Boden, der nicht mehr aufzuholen sei und den Ertrag deutlich schmälere. Daher kam Matthey zu dem Schluss, dass der Druck jedes Säelements am besten einzeln gesteuert werden sollte.
Gleichmässige Saattiefe dank Deltaforce
Heute vertreibt Valentin Matthey mit seiner Firma Semprecision verschiedene Nachrüstlösungen für Sämaschinen, darunter das System Deltaforce. Dank eines Kraftsensors und eines Hydraulikzylinders für jede Reihe ermöglicht es angepasste Schardrücke. Das soll eine konstante Saattiefe sicherstellen und gleichzeitig Verdichtung an den Furchenrändern verhindern. Dank Deltaforce habe er keine Probleme mehr mit dem Anbau von Mais, berichtete Matthey.
Ein weiteres Problem, das dem Landwirt in der Praxis begegnete, waren nicht ausreichend verschlossene Saatrillen. Valentin Mattheys Antwort ist das Nachrüstkit Furrowforce. Es besteht aus zwei Stufen: Sternscheiben schliessen die Furche von unten nach oben und sollen so den Bodenschluss verbessern. Nachfolgende Gummiräder drücken den Boden über dem Saatgut an. So bleibe die Feuchtigkeit länger im Boden, was die Keimung begünstigt.
Semprecision arbeitet mit dem amerikanischen Unternehmen Precision Planting zusammen, das sich ebenfalls auf Nachrüstlösungen spezialisiert hat. Es führt Produkte für Einzelkornmaschinen, mittlerweile aber auch für Feldspritzen oder Mähdrescher. Valentin Matthey ist der Austausch mit Praktikern ein wichtiges Anliegen. Daher erklärt er z. B. in Youtube-Videos die Funktionsweise von Sämaschinen und gibt Tipps für mehr Erfolg auf dem Feld.
Die passende Maschine gefunden
Auch Søren Ilsøe gibt sein Wissen weiter, u.a. im dänischen Verband für reduzierte Bodenbearbeitung (FRDK). Der Däne führt selbst einen Landwirtschaftsbetrieb und hat nach dem Ausprobieren verschiedener Maschinen die Weaving GD Drill für sich entdeckt. Das englische Gerät mit Doppelscheiben und zwei Tanks passt zu seiner Bewirtschaftungsweise, da er generell auf flüssigen Dünger setzt und zuvor Probleme mit Steinen hatte, die durch andere Sämaschinenmodelle an die Oberfläche gebracht wurden. Der Haupterfolgsfaktor für die Direktsaat sei aber die richtige Gründüngung, erklärte Ilsøe in Witzwil.
Humusaufbau braucht ausreichend Nährstoffe
Der Däne legt ein besonderes Augenmerk auf eine gute Phosphat-Versorgung. «Zu wenig P kostet viel Ertrag», gab er zu bedenken. Aber nur 20 Prozent dessen, was mit Düngern aufgebracht wird, könne eine Kultur direkt aufnehmen. Der Rest liege immobilisiert vor oder gelange in Gewässer. Søren Ilsøe hat sich vorgenommen, auf seinen sandigen Böden effizienter zu werden – Gründüngungen helfen ihm dabei. Diese Pflanzen könnten Nährstoffe vor dem Winter aufnehmen und speichern, damit sie im Frühling für die nächste Kultur zur Verfügung stehen, sagt er.
Phosphat – und generell genügend Nährstoffe im Boden – seien auch essenziell für den Aufbau von Humus, fuhr Søren Ilsøe fort. «Und der Humusgehalt ist entscheidend für den Ertrag.» Wie alle seine Ausführungen unterlegte er auch diese Aussage mit Grafiken aus Versuchen im In- und Ausland.
Einmal Crosscutter statt mehrmals Strohstriegel
Ein bekanntes Problem bei reduzierter Bodenbearbeitung und Mulchschichten sind Schnecken. Das kennt Søren Ilsøe. «Am besten würde man mehrmals mit den Strohstriegel fahren», erklärte er. «In der Praxis hat man dafür aber keine Zeit, denn es wird geerntet, man sät Gründüngungen und Raps.» Mit dem Striegel liessen sich in der Theorie das Stroh verteilen und bereits vorhandene Schnecken sowie deren Eier zerstören. Ausserdem erleichtere es die Bearbeitung Vögeln, an Nahrung zu kommen. Statt mehrmals mit einem Strohstriegel fährt Ilsøe einmal mit einem Crosscutter von Vaederstad. «Das ist eine sehr oberflächliche Bodenbearbeitung mit fantastischem Effekt», sagt der Landwirt. Vaederstad empfiehlt den Crosscutter für Raps- und Getreidestoppeln sowie Gründüngungen.
Festival für den Boden «ist angerichtet»
Für 2026 will sich Søren Ilsøe vermehrt mit der Wirkung von Silizium beschäftigen und der Frage, ob sich damit Fungizide einsparen lassen. «Gegen Mehltau gibt es bereits gute Ergebnisse, aber noch keine Erfahrungen zu Septoria», gab er zu bedenken.
Für Swiss No-Till steht heuer das zweite Jahr des Projekts Staffelkulturen an. Die Frühlingssaaten wären eine letzte Gelegenheit, sich noch daran zu beteiligen: Es werden noch drei Betriebe aus dem Kanton AG, BE, FR oder SO gesucht. Zentral in diesem Jahr wird «Soil Evolution», das Festival für den Boden auf dem Berner Hausberg Gurten. Wie OK-Präsident Andreas Wyss sagte, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Bereits sind über 300 Landwirtschaftsschüler(innen) angemeldet und für Aussteller gibt es eine Warteliste. «Es ist angerichtet, wir sind bereit», versicherte Wyss.