In Aire-la-Ville GE befindet sich der Betrieb eines Pioniers der konservierenden Landwirtschaft im Kanton Genf und in der Schweiz: Jonathan Christin. «Alle meine Entscheidungen treffe ich mit dem Ziel, meine Böden zu verbessern», erklärt er. «Wenn beispielsweise die Bedingungen für die Aussaat nicht gut sind, säe ich nicht.»

Auffällige Unterschiede bemerkt

Abo Bodenschutz in der Praxis Konservierende Landwirtschaft und geschlossene Kreisläufe: «Wir sparen uns teure Traktorstunden» Monday, 8. December 2025 Jonathan Christin wurde schon in jungen Jahren bewusst, wie wichtig organische Substanz im Boden ist. «Mein Vater hat immer das Stroh auf dem Hof behalten. Schon als Kind sah ich den Unterschied zwischen unseren Feldern und denen eines Nachbarn, der sein Stroh systematisch wegbrachte», erzählt er. «Für unseren Gemüsegarten haben wir immer Mist verwendet, und der Unterschied zwischen unserem Garten und denen, die nie Mist ausgebracht haben, war deutlich zu sehen!», fährt er fort. «Diese Beobachtungen haben mich geprägt, und ich wollte mich immer um meine Böden kümmern.»

Humusgehalt sank und stieg dann wieder

Der Familienbetrieb gab in den 1970er Jahren die Milchviehhaltung auf. Die damaligen Bodenanalysen zeigen, dass der Gehalt an organischer Substanz seitdem zurückgegangen ist. Mit Beginn der integrierten Produktion (IP) Mitte der 1990er Jahre stieg dieser Gehalt dann wieder leicht an.

«Die Winterabdeckungen haben ihre Aufgabe erfüllt», kommentiert er. Als Jonathan Christin Anfang der 2000er-Jahre auf den Hof zurückkehrte, richtete er einen Schweinestall mit Wollschweinen ein. Er düngt seine Felder mit Pferdemist und Kompost. Ausserdem achtet er darauf, die von seinen Gründüngungen produzierte Biomasse zu maximieren und die Bodenbearbeitung zu reduzieren.

Nach zwanzig Jahren doppelt so viel Humus

Im Jahr 2005 gab sein Vater den Pflug auf. Jonathan Christin übernahm den Betrieb im Jahr 2007 und ging noch einen Schritt weiter. «Ab 2010 stellte ich trotz der Vorbehalte meines Vaters auf Direktsaat um.» Diese Änderungen in der Praxis spiegeln sich in den Bodenanalysen wider. «2005 hatte ich kaum zwei Prozent organische Substanz in meinen verschiedenen Parzellen, während dieser Anteil heute zwischen vier und fünf Prozent liegt», stellt er fest. «In zwanzig Jahren habe ich also den Gehalt an organischer Substanz in meinen Böden verdoppelt.»

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Der Betrieb verfügt über drei sehr unterschiedliche Bodenarten: ein Drittel besteht aus reinem Kies, ein weiterer Drittel aus gutem Ackerboden und ein weiterer Drittel aus schwerem Lehm. «Trotz dieser grossen Unterschiede sind die Gehalte an organischer Substanz auf dem gesamten Gebiet ziemlich ähnlich», betont der Landwirt. Bei der Untersuchung des Verhältnisses von organischer Substanz zu Lehm erhält er gute 17 % auf leichten Böden und immerhin 12 % auf schweren Böden.

Konkrete Auswirkungen dank mehr Humus

Ein hoher Gehalt an organischer Substanz fördert die strukturelle Qualität der Böden. Diese werden insbesondere widerstandsfähiger gegenüber Schwankungen im Wasserhaushalt.

«Meine Böden sind in besserem Zustand», bestätigt Jonathan Christin. «Ich kann ernten, wann ich will, ohne dass die Maschinen Spuren auf meinen Böden hinterlassen.» Der Genfer Landwirt hat auch festgestellt, dass seine Parzellen nach Jahren der konservierenden Landwirtschaft homogener und gleichmäßiger geworden sind.

Normale Ernte im Ausnahmejahr

«Die Menge an organischem Material hat zwar zugenommen, aber die Erträge sind noch nicht gestiegen. Sie sind seit zwanzig Jahren stabil», räumt der Landwirt ein und relativiert seine eigenen Aussagen. «Im Jahr 2024, einem schlechten Jahr, hatte ich im Gegensatz zu den meisten meiner Kollegen normale Erträge.» Was den Weizen betrifft, so sind die Erntemengen zwar nicht gestiegen, aber die Qualität schon. «Ohne eine dritte Stickstoffgabe erreiche ich leicht 15,5 – 16 Prozent Proteingehalt.»

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Auf der Suche nach der richtigen Sämaschine

Wie bei seinen Deckfrüchten hat Jonathan Christin auch für seine Direktsaat verschiedene Techniken ausprobiert. «Ich habe mit einer Bertini-Scheibensämaschine angefangen», erklärt er. «Eine vielseitige und sehr komplette Sämaschine.» Aber Scheibensämaschinen neigen dazu, das Stroh auf den Boden der Furche zu legen, und die Samen kommen nur schwer nach unten. «Also habe ich eine Aitchison-Zinkensämaschine mit einem umgekehrten T gekauft», fährt er fort. «Aber mit ihren eng beieinander liegenden Zinken neigte diese Sämaschine dazu, leicht zu verstopfen.»

Schliesslich entschied er sich für eine Horsch CO, die er selbst modifizierte. «Manche Landwirte passen ihre Fruchtfolge und ihre Bodenbedeckung an die ihnen zur Verfügung stehenden Maschinen an. Ich mache das Gegenteil: Ich passe meine Maschinen an meine Bedürfnisse an.» Man muss dazu sagen, dass Jonathan Christin vor seiner landwirtschaftlichen Ausbildung eine Lehre zum Automechaniker absolviert hat. «Ich habe schon immer gerne gebastelt und geschweisst.»

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Verstehen, welche Entscheidungen andere Landwirte treffen

Jonathan Christin schätzt den Austausch mit Praktikern aus allen Bereichen. So reiste er beispielsweise nach England, Dänemark, in die Vereinigten Staaten und nach Frankreich. Jede Reise war für ihn eine Gelegenheit, seine Erfahrungen mit anderen Landwirten auszutauschen, die sich für die konservierende Landwirtschaft begeistern. «Es reicht nicht aus, nur zu schauen, was sie tun. Man muss sich auch fragen, warum sie es tun», erklärt er. «Ich werde nicht unbedingt die gleiche Sämaschine kaufen wie ein Kollege, der damit gute Ergebnisse erzielt. Aber ich werde versuchen, zu verstehen, welche Entscheidungen er getroffen hat, um diese Ergebnisse zu erzielen.»

Saatgut mischen für artenreiche Gründüngungen

Die ersten Jahre setzte Jonathan Christin auf einfache Mischkulturen: reine Phacelia oder Hafer-Erbsen-Klee, eine Zwischenfrucht, die er zur Fütterung seiner damals zahlreichen Wollschweine verwendete.

Heute entscheidet sich Jonathan Christin für Mischkulturen mit mehreren Arten. Er verwendet eine einheitliche Basis aus 14 Arten für alle seine Gründüngungen. Dazu gehören insbesondere Alexandrinerklee Tabor, Nyger, Phacelia, Ackerbohne, Wicke, Flachs (Antagonist bestimmter Unkräuter) oder Chinakohl. «Letzterer ist ein ausgezeichneter Bodenindikator. Je nach seiner Entwicklung erhält man ebenso viele Hinweise wie bei einem Spatentest.»

Gleiche Mischung, anderes Bild
«Seit sieben bis acht Jahren säe ich 99 Prozent meiner Gründüngungen mit derselben Mischung aus 14 Arten», erklärt er. «Wenn man jedoch die jedes Jahr aufgenommenen Fotos vergleicht, stellt an fest, dass sie sich stark voneinander unterscheiden.» Je nach den Bedingungen des Jahres dominieren unterschiedliche Arten.

Auf der Grundlage dieser Mehrartenmischung stellt er zwei verschiedene Mischungen her: eine ohne Gräser für die Zwischenfrüchte, die einem Getreide vorausgehen, und eine andere, die er mit Roggen und Hafer ergänzt, für Gründüngungspflanzen, die vor einer anderen Kultur ausgesät werden. Jonathan Christin kauft das Saatgut für seine Deckfrüchte sortenrein und mischt es dann selbst. «Das kostet mich deutlich weniger, als wenn ich fertige Mischungen im Handel kaufen würde. Meine Deckfrüchte kosten mich kaum 200 Franken pro Hektare», betont er. «Wenn ich diese Gründüngung durch Mist oder Kompost ersetzen müsste, wäre das viel teurer.»

Frühzeitige Umsetzung für gutes Gelingen
Was sind die Geheimnisse für eine erfolgreiche Gründüngung? «Jeder Kontext ist anders, aber durch Ausprobieren und Anpassen findet man immer Lösungen», antwortet Jonathan Christin. Neben der Bedeutung der Artenvielfalt hebt der Landwirt jedoch einen weiteren Erfolgsfaktor hervor: «Man muss die Gründüngung so früh wie möglich nach der vorherigen Ernte aussäen.»

Der Genfer versucht, die Lebensdauer der Deckfrucht zu maximieren. «Der Boden muss, genau wie wir, regelmässig genährt werden», erklärt er. Vor dem Anbau von Sonnenblumen sät er beispielsweise eine Zwischenfrucht aus Roggen und Klee, die er im Herbst mäht. «Die Idee dahinter ist, dem Boden so lange wie möglich lebende Wurzeln zu bieten.»

Betriebsspiegel

Jonathan Christin, Aire-la-Ville GE

LN: 50 ha
Kulturen: Hauptsächlich Weizen, dazu Raps, Sonnenblumen, Zuckerrüben, Soja, und Ackerbohnen. Alles wird nach dem Extenso-Programm angebaut.
Tierbestand: Einige Wollschweine
Weiteres: Lohnarbeiten auf 80 ha Ackerland von Nachbarn in der Umgebung

Festival für den Boden im Sommer 2026

Vom 2. bis 5. Juni 2026 findet auf dem Berner Hausberg Gurten Soil Evolution statt, das «Festival für den Boden». Die Fachveranstaltung widmet sich mit Vorträgen, Workshops und Ausstellern der Bodenfruchtbarkeit und dem Bodenaufbau. Teil des Festivals sind auch Exkursionen auf Praxisbetriebe. Einer davon ist der Hof von Jonathan Christin. Es stehen jeweils verschiedene Themen im Fokus:

1. Z’Rotz, Gorgier NE: Konservierende Landwirtschaft im Mischbetrieb, Hofdünger und Cultan-Düngung, Konservierende Landwirtschaft im Futterbau

2. Christin, Aire-la-Ville GE: Bodenprofil, Gründüngungen System «Agri Genève», Humusprojekt Résulterre, verschiedene Direktsaattechiken

3. Landag und Affolter, Schüpfen BE: Technik in der Anwendung, Bodendaten nutzbar machen, Mais-Sortenversuch

4. Minder, Jeuss FR: Staffelkultur-Anbau, konservierender Gemüsebau, langjährige konservierende Landwirtschaft in der Praxis

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