Den Hang hinauf bis zu einer schmalen Baumreihe zieht sich das Weizenfeld. Die Hälmchen strecken sich zwischen den braunen Resten einer Gründüngung aus der krümeligen Erde. «Mein Vorgänger hat mir gesagt, ich müsse hier mindestens zwei Schläge draus machen. Wegen der Erosion», erinnert sich Peter Z’Rotz. Er habe Schläge von 5–7 ha, fährt er fort. Erosionsprobleme hat er trotzdem nicht.

Wegen Trockenheit und Steinen konservierend arbeiten

Seit 26 Jahren führt der gebürtige Nidwaldner die Ferme du Château in Gorgier NE, heute zusammen mit seinen Söhnen Elias, Roman und Stefan. Seit 2012 setzt er konsequent auf Direktsaat und Konservierende Landwirtschaft. «Der Boden war so hart, dass man die Säscharen nicht hineinbrachte», schildert er ein Erlebnis aus seiner frühen Zeit in Gorgier. «So etwas bleibt im Gedächtnis.»

Entscheidend für den Verzicht auf tiefe und wendende Bodenbearbeitung waren für Peter Z’Rotz die ausgeprägte Trockenheit an seinem neuen Betriebsstandort und die vielen Steine auf den Äckern. «Steine zusammenzulesen war quasi unsere Familienaktivität», bemerkt Elias Z’Rotz. Sein Vater meint, dass die Erde rund um die Steine durch Regen und Wind weggetragen worden sei. Auf seinen Flächen rumple es inzwischen nicht mehr beim Säen – der Boden bleibe, wo er ist.

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Ausschliesslich Hofdünger für die Grunddüngung

Beim erwähnten Weizen handelt es sich um Futterweizen für die Tiere der Ferme du Château, der in der eigenen kleinen Futtermühle mit anderen Komponenten gemischt und verarbeitet wird. «Uns sind das Gesamtsystem und geschlossene Kreisläufe wichtig», sagt Elias Z’Rotz.

Daher setzt Familie Z’Rotz für die Grunddüngung keine Mineraldünger ein, sondern Gülle und Mist. Der Hauptbestandteil ist die gemischte Kuh-Schweinegülle, die dank der Ausläufe stark mit Regenwasser verdünnt ist. Die Gülle wird bodenschonend mit der eigenen Verschlauchungsanlage ausgebracht. Den Mist setzen die Neuenburger in einem einfachen Verfahren auf der Mistplatte mit dem Hoflader um, damit er kompostiert, und verteilen ihn später mit einem Kompoststreuer im Feld.

Die Cultan-Düngung zeigt Effekte auch in der Folgekultur

Wo es noch zusätzlich verfügbaren Stickstoff braucht, sammeln Peter Z’Rotz und seine Söhne Erfahrungen mit Cultan. Dabei wird eine konzentrierte Ammoniumlösung als Langzeitdünger in den Boden injiziert. «Das Getreide hat dadurch ein grösseres Wurzelwerk und damit gesündere Blätter», erzählt Elias Z’Rotz. Effekte der Cultan-Düngung seien auch im Folgejahr noch farblich im Grünland zu sehen, ergänzt sein Vater. «Und wir erreichen hohe Eiweissgehalte beim Futterweizen mit Cultan.» Gute Gehalte sind ihm wichtig für betriebseigenes Futter von hoher Qualität. Für die verschiedenen Bedürfnisse von Muttersauen über Jager bis zu Mastschweinen gibt es elf verschiedene Mischungen auf der Ferme du Château.

Peter Z’Rotz hat ein Fütterungssystem für die Sauen, bei dem die Tiere im Auslaufbereich ihrer Buchten eine Falle betätigen müssen, worauf jeweils eine Handvoll Trockenfutter herunterrieselt. «So müssen sie aufstehen und etwas tun für ihr Futter, was nach dem Abferkeln gut ist für Durchblutung und Stoffwechsel», gibt der Landwirt zu bedenken.

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Mit Kinsey erfolgreich eine Problemparzelle saniert

In der Konservierenden Landwirtschaft wird oft mit Kinsey-Bodenanalysen gearbeitet. Auch auf der Ferme du Château hat sich diese Berücksichtigung der Verhältnisse von Nährstoffen bewährt. «Wir hatten eine Problemparzelle, auf der die Wiese nie richtig gewachsen ist», sagt Peter Z’Rotz. Trotz mehrfacher Übersaaten blieb der Standort unbefriedigend. Kinsey zeigte Mängel auf, die bei klassischen Bodenanalysen nicht auffielen. Es habe u. a. an Eisen, Bor, Zink, Kupfer und Magnesium gefehlt. «Wir haben das ausgeglichen und es war erstaunlich, was für einen schönen Bestand es gab.» Seither seien die Erträge von dieser Fläche gut.

Betriebsspiegel Ferme du Château
 
LN 77,5 ha, 59 ha Ackerfläche, davon zwei Schläge Kunstwiesen (total 15 ha), plus rund 11 ha Wald
Kulturen Gerste, Futterweizen, Hafer/Triticale (Schlag aufgeteilt), Raps, Silomais, wenig Körnermais
Tiere 55–60 Milchkühe (Holstein und Red Holstein), Kälber bis sechs Monate abgetränkt und angefüttert. 20–35 Mastkälber pro Jahr. 56 Muttersauen in sieben 8er-Gruppen, 16 Abferkelplätze, 240 Jagerplätze in drei Gruppen, Maststall mit total 480 Plätzen
Lohnarbeiten Gülle verschlauchen, Cultan-Düngung, Direktsaat
Arbeitskräfte Peter Z’Rotz (Betriebsleiter), Elias und Roman (angestellt) sowie Stefan Z’Rotz (Teilzeit), ein Lehrling und ein Angestellter
Weiteres Fernwärmenetz im Aufbau, geheizt wird bisher das namensgebende nahe Schloss

Ein Maisgebiss, das reihenweise Ganzpflanzen oder Kolben erntet

Nach dem Vorbild der Natur strebt man auf der Ferme du Château möglichst durchgehend bewachsene Böden an. «Wir sagen Unkraut, aber diese Pflanzen füllen nur die Lücken, wenn es sie gibt», meint Peter Z’Rotz. Gelingt es, das zu vermeiden, nehmen Gründüngungen oder Kulturpflanzen den Raum für sich ein. Auf nacktem Boden sei die Energie der Sonne im Sommer schädlich, bemerkt Elias Z’Rotz. «Pflanzen können sie nutzen.»

Z’Rotz’ Fruchtfolge ist noch in Arbeit. Der jetzige Stand lautet: Mais – Gerste – Gründüngung – Mais – Triticale/Hafer – Gründüngung – Mais – Gerste –Gründüngung – Raps – Gründüngung – Futterweizen – Kunstwiese (zwei Jahre). Abwechslungsweise wird in der Fruchtfolge das Stroh geborgen oder gehäckselt auf dem Feld belassen. Den Silomais lassen die Neuenburger von einem Lohnunternehmer mit einem speziellen Gebiss in zwei Reihen als Ganzpflanze und von vier Reihen nur die Kolben ernten. So bleibe mehr Pflanzenmaterial für den Boden im Feld und gleichzeitig werde das Futter für die Milchkühe hochwertiger.

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Schwierige erste Jahre

Z’Rotz’ betreiben Extenso-Ackerbau. Für Herbizid-Anwendungen nutzen sie vorzugsweise die Stunden vor Sonnenaufgang, da Windstille, die höhere Luftfeuchtigkeit und die Dunkelheit für einen effizienteren Einsatz sorgten. Den Einsatz von Glyphosat bemessen sie je nach Einzelfall mit der geringstmöglichen Menge. Die Gründüngungen dienen je nach Mischung zu Futterzwecken oder sind abfrierend und sollen möglichst viel Masse produzieren, um den Humusaufbau im Boden zu fördern. «Dazu, welche Gründüngungspflanzen und Mischungen welche Kulturen begünstigen, würde ich gerne mehr wissen», sagt Elias Z’Rotz. Er schätzt den Austausch via Swiss No-Till und auch über die Landesgrenze hinaus, etwa mit französischen oder deutschen Kollegen.

Mehr Zeit in Planung und Weiterbildung investiert

Die ersten Jahre mit Direktsaat und Konservierender Landwirtschaft seien eher schwierig gewesen, meint Peter Z’Rotz rückblickend. Es habe Ertragseinbussen gegeben, etwa bei Mais oder Raps. Es habe rund fünf Jahre gedauert, bis sich der Boden regeneriert hatte. «Man muss umdenken, lernt aber viel», findet Z’Rotz. Seiner Meinung nach wurde der Boden damals in seiner Ausbildung zu wenig thematisiert. «Mit dem Direktsaatsystem investieren wir heute viel mehr Zeit in Beobachtung, Planung und Weiterbildung, wodurch wir uns teure Traktorstunden einsparen», fasst der Neuenburger zusammen. Das tut er gemeinsam mit seinen Söhnen, um den Betrieb stetig weiterzuentwickeln.

Festival im Sommer 2026

Vom 2. Bis 5. Juni 2026 findet auf dem Berner Hausberg Gurten Soil Evolution statt, das «Festival für den Boden». Die Fachveranstaltung widmet sich mit Vorträgen, Workshops und Ausstellern der Bodenfruchtbarkeit und dem Bodenaufbau. Teil des Festivals sind auch Exkursionen auf Praxisbetriebe. Einer davon ist die Ferme du Château von Familie Z’Rotz in Gorgier NE. Es stehen jeweils verschiedene Themen im Fokus:

Z’Rotz, Gorgier NE: Konservierende Landwirtschaft im Mischbetrieb, Hofdünger und Cultan-Düngung, Konservierende Landwirtschaft im Futterbau

Christin, Aire-la-Ville GE: Bodenprofil, Gründüngungen System «Agri Genève», Humusprojekt Résulterre, verschiedene Direktsaattechiken

Landag und Affolter, Schüpfen BE: Technik in der Anwendung, Bodendaten nutzbar machen, Mais-Sortenversuch

Minder, Jeuss FR: Staffelkultur-Anbau, konservierender Gemüsebau, langjährige konservierende Landwirtschaft in der Praxis

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