2025 war ein gutes bis sehr gutes Jahr, was die Ernten angeht. Und es brachte dem Schweizerischen Saatgutproduzentenverband (Swisssem) nach enttäuschenden Vorjahren wieder gute Verkaufszahlen. Der Absatz liegt insgesamt 3400 t oder 17 Prozent über 2024, alle Getreidesorten inklusive Bio legten zu. «Wir gehen davon aus, dass ein grosser Teil davon auf die Wiederauffüllung der Lagerbestände im Handel zurückzuführen ist», sagt Swisssem-Geschäftsführer Christof Rüfenacht. Heuer dürften sich die Verkaufszahlen also wieder auf einem mittleren Niveau einpendeln.
34 ha Pflanzkartoffeln wegen Virus verloren
Es konnten nach ersten Schätzungen insgesamt etwas über 25 000 t Pflanzkartoffeln produziert werden. ÖLN- und Bioflächen lieferten nach Abzügen und Verlusten durch Virusbefall ähnliche Erträge von 18 t/ha. Nach den Virusanalysen gingen 34 ha Pflanzkartoffeln verloren, was im Mehrjahresdurchschnitt liegt. «Aber es stimmt, dass die Flächenverluste zunehmen», sagt Christof Rüfenacht auf Anfrage. «Mit wilderen Wetterkapriolen werden auch die Flächenverluste grösser, bei der Feldanerkennung, nach der Laborprüfung oder bei beidem.» Allerdings war 2025 in dieser Hinsicht eher besser als die Vorjahre.
Die Ergebnisse aus den Ernteschätzungen sind ermutigend. Angesichts der reichen Pflanzkartoffelernte hält Swisssem jedoch Überschüsse für wahrscheinlich. Zumal – trotz Diskussionen – 5000 t Pflanzkartoffeln über das Zollkontingent importiert werden. Das führe zu etwa 3000 unverkauften zertifizieren Pflanzkartoffeln aus Schweizer Produktion.
Markt zeigt sich zögerlich bei robusten Sorten
«Der Schweizer Markt braucht etwas mehr als 27 000 t Pflanzkartoffeln», führt der Swisssem-Geschäftsführer aus. Jedes Jahr werden Vermehrungspflanzgut (für das Anbaujahr 2026 rund 700 t) sowie Sorten für verschiedene Versuche und solche aus der Nebensortenliste (heuer etwa 1500 t) importiert. «Es gäbe eigentlich genug einheimische Saatkartoffeln, um den Schweizer Markt abzudecken», bemerkt Christof Rüfenacht. Unterschiede im inländischen Angebot und in der Nachfrage gebe es aber je nach Segment und Sorte natürlich schon – «zu viel von diesem und zu wenig von jenem.»
Weiter werden einzelne Sorten hierzulande nicht vermehrt oder ihre Vermehrung ist in der Schweiz nicht möglich. Nicht zuletzt ist die Nachfrage nach robusten Sorten ein Treiber für Importe, da ihr Aufbau in der Vermehrung mehrere Jahre dauert. Einige robuste Knollen – z. B. Twinner oder Acoustic – sind zwar verfügbar, der Markt nimmt sie aber laut Rüfenacht nur zögerlich an. Twinner und Acoustic waren die ersten Sorten mit hoher Robustheit und guter Krautfäule-Resistenz, die 2023 auf die Liste empfohlener Sorten von Swisspatat kamen, wie Swisspatat damals mitteilte.
Importiertes Pflanzgut ist dank Fondslösung preislich nicht attraktiver
Der Preis ist hingegen bei der Frage nach importiertem Pflanzgut kein Faktor. «Die Importeure zahlen eventuelle Preisvorteile der eingeführten Pflanzkartoffeln in einen von Swisspatat verwalteten Fonds ein», erklärt Christof Rüfenacht. Es komme auch vor, dass Importeure auf den Fonds zurückgreifen, wenn importiertes Pflanzgut teurer ist als die Inlandware. Das könne vor allem dann der Fall sein, wenn die Importe ein grosses Kaliber haben. «Ich gehe daher davon aus, dass dieser Aspekt keine Rolle spielen sollte», bekräftigt Rüfenacht zu allfälligen Importanreizen durch günstigere Preise.
Swisssem behält strenge Anforderungen für Krautfäule und Schwarzbeinigkeit
Die Schweizer Kartoffelbranche hat sich für den Anbau robuster Sorten ehrgeizige Ziele gesetzt. Wichtig für die Prävention der Kraut- und Knollenfäule ist aber ebenso der Verwendung gesunder Pflanzkartoffeln. Da steht es quer in der Landschaft, dass der Bund die Grenzwerte für Kraut- und Knollenfäule sowie für Welke in zugelassenem Pflanzgut vollständig streichen will. Der Wert für Schwarzbeinigkeit soll nach unten korrigiert werden. Beides ist im Verordnungspaket 26 vorgesehenen und bedeutet eine Anpassung an die EU.
«Wir wurden schon vorher darüber informiert und verstehen, warum das nötig ist», kommentiert Christof Rüfenacht. «Wir denken aber, dass diese lockereren Standards für Schwarzbeinigkeit sowie Kraut- und Knollenfäule nicht in unserem Interesse sind.» Daher will Swisssem seine eigenen, privatrechtlichen Richtlinien anpassen, um die bisherigen höheren Anforderungen beizubehalten. Die vier Schweizer Vermehrungsorganisationen werden dann nach diesen Richtlinien arbeiten.
Mit dem Verordnungspaket 26 sollen auch die Gebühren im Zusammenhang mit dem Pflanzenpasssystem steigen. Das Ziel hierbei ist eine bessere Deckung der Kontrollkosten. Christof Rüfenacht geht aktuell davon aus, dass Schweizer Vermehrungsorganisationen und Pflanz- bzw. Saatgutproduzenten davon nicht betroffen sind. «Zumindest nicht bei Kartoffeln», schränkt er ein.
Änderungen im Vorstand: Solothurner wird neuer Präsident
[IMG 2]
An der Versammlung in Murten FR haben die Delegierten von Swisssem Thomas Ritz aus Biezwil SO zum neuen Präsidenten gewählt.
Er folgt auf Lukas de Rougemont, der seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte. Neu im Vorstand ist Jürg Hess aus Dürrenroth BE.
Kompetenten für Mais-Vermehrung erhalten
Die Saatmaisernte 2025 gehört zu den besten der letzten Jahre. «Die Schweizer Saatmais-Produktion deckt etwa 30 Prozent unseres Jahresbedarfs», sagt Christof Rüfenacht. Das sei für den Handel von Vorteil, weil die einheimische Ware im Frühling schneller verfügbar ist. Die Swissmais GmbH vereint die hiesigen Maissaatgut-Produzenten, daran angegliedert sind zwei Vermehrungsorganisationen: die ASS Société des Sélectionneurs in Moudon VD und die Saatzuchtgenossenschaft St. Gallen. Die Produktion erfolgt in Zusammenarbeit mit KWS und Limagrain, die für die Vermarktung auf dem heimischen Markt verantwortlich sind.
«Für Swisssem bleibt Maissaatgut eine Nische. Jedoch eine mit einem hohen Mass an Spezialisierung und Kompetenz, das wir behalten möchten», so Rüfenacht. Er sieht den Mehrwert von Schweizer Maissaatgut vor allem in der Versorgungssicherheit und dem Kompetenzerhalt. «Sollte eine solche Produktion aufgegeben werden, wäre es relativ unrealistisch, die Saatgutvermehrung in diesem Sektor wieder aufzubauen», gibt der Swisssem-Geschäftsführer zu bedenken. «Das ist ein sehr komplexes Verfahren.»

