Jürg Jost fasste das Jahr 2025 für die Maisproduzenten aus der Ostschweiz kurz und knapp zusammen: Es sei ein gutes Maisjahr mit hohen Erträgen gewesen. Auch hätten sich wie schon in den Vorjahren späte Reifegruppen als risikoreicher erwiesen.
Saatgut ist gut verfügbar
Während Maissaatgut gut verfügbar ist, sei die Versorgungslage mit Luzerne, Timothe, Knaulgras, Italienischem Raigras und Phacelia knapp bemessen. Überbestände gäbe es beim Rotschwingel und Englischem Raigras. Mangelware sei einheimisches BFF-Saatgut. «Wenn jemand statt einer Hektare Mais, BFF-Saatgut für uns produzieren will, ist er sehr willkommen», so Jürg Jost.
Der Maiswurzelbohrer ist kein Quarantäne-Schädling mehr
Kurz ging er auf die Maiswurzelbohrer-Bekämpfung ein. Der Maiswurzelbohrer gilt seit diesem Jahr nicht mehr als Quarantäne-Schädling. «Aber mit der jetzigen Lösung, die der Bundesrat auf Januar 2026 in Kraft gesetzt hat, ist niemand zufrieden – insbesondere nicht die Pflanzenschutzfachstellen», sagte er (siehe Stellungnahme unten).
Sortenvielfalt ist gross
Mit dem Motto «Das Beste von gestern» machte Jürg Jost auf den Restpostenverkauf am UFA-Samen-Standort in Winterthur aufmerksam. Diese Gelegenheit liessen sich viele Landwirte und Maisproduzenten nicht entgehen, wissen sie doch, dass Erfolg nicht nur vom Saatgut, sondern auch vom Wetter, der Bodenbearbeitung und vielem mehr abhängt.
Für jene Landwirte, die wirklich jede Stellschraube nutzen wollen, sind die neuen Sorten interessant. «Ertragsmässig liegen sie nämlich immer 2 bis 5 Prozent höher als bisherige Sorten», so Jürg Jost. Jürg Hiltbrunner von Agroscope präsentierte die neuen Sorten auf der Liste der empfohlenen Sorten 2026.
Drei neue Körnermaissorten
Beim Körnermais gibt es drei neue Sorten. Amalkeo (KWS) ist die Neuheit in der Reifegruppe «mittelfrüh», wobei das Saatgut noch nicht verfügbar ist. Die Reifegruppe «spät» enthält die zwei neuen Sorten RGT Peterxxon (RAGT) und P9944 (Pioneer). Letztere ist eine Doppelnutzungssorte und reift in dieser Reifegruppe am spätesten ab.
Neun neue Silomaissorten
Insgesamt wurden neun neue Silomaissorten auf die Liste aufgenommen. Späte Sorten sind aufgrund der Abreife risikobehaftet.
Reifegruppe «früh»:
- DKC 2956 (Bayer)
- Bajeno (KWS), (lanciert 2026)
Reifegruppe «mittelfrüh»:
- LG 31281 (Limagrain)
- DKC 3464 (Bayer)
- SU Keldeo (Saaten Union)
- KWS Sproco (KWS), (erst 2027 verfügbar)
- SY Fleming (Syngenta)
Reifegruppe «mittelspät»:
- SY Remco (Syngenta)
Reifegruppe «spät»:
- P9944 (Doppelnutzungsorte).
Empfohlene Sorten (Swissgranum)
Doppelnutzungen sind im Leadersortiment
«Neue Sorten sind besser, bisherige Sorten haben sich bewährt.» Darauf stützen sich die Sortenempfehlungen von UFA-Samen, die Daniel Füchter von UFA-Samen Ostschweiz, zum Besten gab. Die Liste umfasst je elf Silo- beziehungsweise Körnermaissorten.
Im frühen Reifestadium ist Wesley die Leadersorte und kann sowohl als Silo- als auch als Körnermais angebaut werden. Leader im mittelfrühen Reifestadium ist LG 31.251 – eine Sorte, die ebenso für Silo- und Körnermais geeignet ist. Als mittelspäte-Sorte führt bei Silomais Armoreen die Liste an, beim Körnermais ist es P8834.
Für den Zweitkulturanbau nach dem 10. Juni empfahl Füchter die Sorte Faith sowie KWS Cito (Bio).
Zehn Jahre bis zur Marktreife eines Maishybriden
Bis ein Maishybrid die Marktreife erreicht, vergehen acht bis zehn Jahre. Patrick Le Coq zeigte eindrücklich auf, wie das Korn zur Maispflanze heranwächst. Er ist Hybrid-Maiszüchter bei der Agrargenossenschaft Limagrain, welche sich auf die Züchtung, Produktion und Vermarktung von Saatgut (Mais, Getreide, Raps, Gemüse) spezialisiert hat.
Rund die Hälfte des Umsatzes des Feldkulturen-Saatgutes erwirtschaftet Limagrain mit Maissaatgut. Die wichtigsten Zuchtziele sind Ertrag, Reife, Verdaulichkeit (Stärke, Restpflanze), Standfestigkeit sowie Robustheit gegenüber Krankheiten.
Für die Züchtung braucht es nicht nur ein grosses Forschungsbudget, sondern auch Mitarbeitende, die sich weltweit über Jahrzehnte mit Geduld und Beharrlichkeit der Forschung widmen.
Trotz Hatern, steht die Bevölkerung hinter der Landwirtschaft
Die Welt der Sozialen Medien ist im Gegensatz zur Züchtung viel kurzlebiger. Jörg Büchi, Milchproduzent aus Elgg (ZH) ist aktiver Farmfluencer. Zudem produziert er seinen eigenen Podcast «Hofcast».
Er erzählte, wie er damit umgehe, wenn die Landwirtschaft in den Medien oder auch den Sozialen Medien von den Userinnen und Usern breitgetreten werde. Da fühle er sich als Landwirt angegriffen.
«Ich habe gelernt, nicht im Affekt zu reagieren – obwohl mir das manchmal schwerfällt», sagte er. Zumal Landwirtinnen und Landwirte auch nicht alle Diskussionen führen müssen: «Manchmal weiss man zum Vornherein, dass Argumentieren sinnlos ist.»
Jörg Büchi ergänzt: «Die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter der Schweizer Landwirtschaft.» Das dürften Landwirtinnen und Landwirte nicht vergessen. Die extensiven Kritiker (Trolls, Hater) seien laut – aber eine Minderheit. Das müsse man sich immer vor Augen führen.
Unbefriedigende Regelung zum Maiswurzelbohrer
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Simon Binder, Strickhof Fachstelle Pflanzenschutz
Der Maiswurzelbohrer ist seit 1. Januar 2026 kein Quarantäneschädling mehr. Der Bund nimmt dieses Insekt deswegen in die neue Bundesverordnung «über koordinierte Massnahmen zur Bekämpfung von Schadorganismen» auf.
Wiese vor dem ersten Maisanbau und Fallenkontrollen mit einer maximalen Anzahl von 250 Käfern pro Falle sind die Bedingungen dafür, dass zweimal nacheinander Mais angebaut werden darf.
Handelt es sich dabei um eine «koordinierte» Massnahmen?
Genau das Gegenteil wurde erreicht – ein Flickenteppich sondergleichen! Einige Kantone interpretieren die Vorkultur Wiese als Hauptkultur, andere wiederum lassen auch ein Zwischenfutter gelten. Bei wieder anderen ist eine Wiese als Vorkultur gar nicht erst nötig, während weitere vorerst beim alten System verbleiben.
Und wir vom Strickhof?
Wir vom Strickhof verzichteten bereits im vergangenen Jahr auf die aufwendigen Fallenkontrollen und bündelten unsere Ressourcen gegen jene Schadorganismen, deren Bedrohung deutlich akuter ist. Als Folge davon gilt im ganzen Kanton Zürich ein Mais-auf-Mais-Anbauverbot.
ÖLN-Fruchtfolge wäre ausreichend
Wissenschaftliche Studien beweisen klar: Eine geregelte Fruchtfolge gemäss ÖLN, das heisst innerhalb von drei Jahren maximal 2x Mais, reicht vollkommen aus, um eine Ausbreitung des Maiswurzelbohrers wirksam zu verhindern, unabhängig von den Fangzahlen.
Deshalb sprach sich eine Mehrheit der Kantone klar für eine Liberalisierung der Einschränkungen aus – ganz im Sinne einer «administrativen Vereinfachung» sowohl für die Produzierenden als auch für die Verwaltung. Jedoch stellte sich die Mehrheit der Verbände gegen uns. Schade um diese verpasste Chance!