Suisseporcs-Präsident Andreas Bernhard erinnerte an der Generalversammlung der Sektion Ostschweiz, dass das Notfallkonzept als kleinster gemeinsamer Nenner von einer Zweidrittelmehrheit an der Delegiertenversammlung im Mai vergangenen Jahres abgesegnet worden sei. Der Zentralvorstand habe entschieden, das Notfallkonzept zu aktivieren, um die jetzige Krise am Schweinemarkt und den befürchteten Tiefpreisphasen im Herbst 2026 entgegenzuwirken. Seit dem 16. Februar werden den Produzenten 0,20 Fr./kg Schlachtgewicht abgezogen und in einen von der Proviande verwalteten Fonds einbezahlt. Rund 700 000 Franken kommen damit pro Woche zusammen. Damit soll der Export von geschlachteten Jagern und von Schweinefleisch ins Ausland finanziert werden. Eine erste Testschlachtung fand in der Woche 10 statt.
Für kostendeckende Erlöse für Züchter und Mäster brauche es eine Zielmenge von 90 % Inlandproduktion, was pro Woche 44 000 Schlachtschweine wären. Das heisse eine jährliche Reduktion von ca. 1500 Zuchtschweineplätzen. Da freiwillige Appelle zur Reduktion nichts fruchteten, schlägt der Zentralvorstand eine freiwillige Stilllegung von kompletten Zuchtställen vor, die durch die Produzenten über den Fonds, der durch die Proviande verwaltet wird, finanziert werde.
«Wir Ostschweizer haben es im Griff»
Zwischenrufe gab es keine, aber danach brachten die Ostschweizer Schweineproduzenten ihren Unmut klar und deutlich zum Ausdruck. «Das ist Blödsinn», sagte einer und weitere Stimmen schlossen sich an: «Es ist nicht Sache des Verbands, Sauen zu vermarkten. Das gibt falsche Anreize.» Die Suisseporcs solle sich nicht in den Markt einmischen, sondern nur eine Produzentenplattform bilden – allenfalls noch die Preise erfassen.
«Wir Ostschweizer haben unseren Absatz im Griff – also sofort aufhören mit dem Abzug», forderte ein weiteres Mitglied. Man verlängere nur den Leidensweg – es gäbe nichts anderes als runter mit dem Preis – der Jagerpreis auf 2 Fr. festsetzen. Alles andere seien falsche Versprechungen. Ein weiteres Mitglied schlug vor, die Schlachtgewichte zu senken, um die Menge wegzubringen.
Zweifel an den Daten
«Drosseln will niemand, Mühlen und Händler leben vom Umsatz», warf ein weiterer ein. Eine Stilllegungsprämie sei ein «goldener Fallschirm», um einen alten, abgeschriebenen Stall loszuwerden. Eine wirksame Stilllegung liesse sich nur mit einem Bauverbot durchsetzen, was aber unrealistisch sei.
Mehrfach wurde an den Zahlen gezweifelt. Es werde zu viel eingezogen und die Zielmenge liege wohl eher bei 48 000 bis 49 000 Sauen pro Woche als bei den vom Verband genannten 44 000.
Lösung soll in den Händen der Produzenten sein
Ein einziger im Saal gab Gegensteuer und sagte: «Über den Preis allein lässt sich das Problem nicht lösen. Es braucht einen möglichst grossen Organisationsgrad und eine glaubhafte Steuerung über die Suisseporcs.» Dieser Überzeugung ist auch Andreas Bernhard. «Wenn wir nicht reagieren, haben wir in drei Jahren erneut eine Krise. Mit unserem Vorschlag haben wir eine Lösung in Produzentenhand. Andernfalls übernehmen die Abnehmer das Zepter», sagte er. Das bedeute Vertragspreise. Nur noch Schweineproduzenten an günstigen Lagen, an der Autobahn gelegen, könnten ihre Schweine verkaufen. Die restlichen Schweine würden über einen Spotpreis gehandelt. Er erinnerte daran, dass ein gesunder Schweinemarkt den Produzenten, im Vergleich zu einem schlechten Jahr, einen jährlichen Mehrerlös von 200 Mio. Fr. bringe.
«Ihr in der Ostschweiz habt einen Verbrauchermarkt und bringt eure Sauen weg. Das ist gesamtschweizerisch anders. Wir von Suisseporcs tragen die Verantwortung für alle Schweineproduzenten in der Schweiz», fuhr Bernhard fort. Es nütze nichts, dem Handel oder den Verarbeitern die Schuld zu geben. Auch durch Tiefstpreise oder Aktionen liesse sich der Konsum nicht erhöhen.
Auch zu den Zahlen nahm Andreas Bernhard Stellung. Die Zielmenge basiere auf Zahlen der Fachkommission Markt, deren Relevanz sich in der Vergangenheit bewahrheitet habe. Die Fondsverwaltung durch die Proviande werde durch eine ordentliche Revision geprüft und der Zentralvorstand Suisseporcs habe Einsicht in diese Rechnung.
Reglement über Stilllegung wird Klarheit schaffen
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Die Diskussionen um die Marktsteuerung werden weiterlaufen. Zurzeit erarbeitet die Suisseporcs das Konzept «Stilllegung Zuchtschweineplätze» mit einem entsprechenden Reglement. Dieses wird den Ostschweizer Schweineproduzenten am 27. März um 13.30 Uhr wiederum in Kirchberg SG, im Restaurant Toggenburgerhof, präsentiert. Die Delegiertenversammlung der Suisseporcs findet am 6. Mai in St. Urban LU statt. Der Beschluss zum Konzept «Stilllegung Zuchtschweineplätze» wird nicht gefällt. Dafür ist eine ausserordentliche Delegiertenversammlung nötig, die voraussichtlich im Mai oder Juni 2026 stattfinden wird. Zur Beschlussfassung ist eine Zweidrittelmehrheit nötig.
Die Sektion Ostschweiz verfügt nach der Auflösung der Sektion Westschweiz über mehr Delegierte – insgesamt 31 Delegierte. Neu im Vorstand der Suisseporcs Ostschweiz ist der 34-jährige Samuel Walser aus Altikon ZH. Er ersetzt als Züchtervertreter Karl Schweizer aus Degersheim SG.
«Appelle zur Reduktion sind nutzlos. Also muss man handeln.»
An der Versammlung meldeten sich vor allem Kritiker zu Wort. Steht diese ablehnende Haltung zur Mengensteuerung für alle Ostschweizer Schweineproduzenten?
Thomas Kempf: Die professionellen Produzenten in der Ostschweiz sind alles andere als leise, sondern leben Unternehmertum. Auch wenn sie heute lautstark Kritik an der Mengensteuerung äusserten, gehe ich davon aus, dass die Sektion Ostschweiz gespalten ist. Wir sind ein grosses Gebiet und umfassen Produzenten aus den Kantonen Appenzell Ausser- und Innerrhoden, Glarus, Graubünden, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau und Zürich. Hinzu kommt der Bezirk March Höfe aus dem Kanton Schwyz.[IMG 3]
Sie waren immer ein Vertreter des freien Markts. Was hat sie bewogen, umzudenken?
Ich bin auch heute noch marktseitig unterwegs. Aber im Herbst 2025 sah ich ein, dass es mit dem Marktüberhang so nicht weitergehen kann. Das Jagerpreismodell kann nur funktionieren, wenn die Schlachtschweinepreise sinken, das wurde ausgehebelt – unter anderen auch, weil die Abnehmer keine Wertberichtigung am Lager vornehmen wollten. Mit dem Zuchtfortschritt von 0,4 bis 1 Ferkel mehr pro Wurf werden wir die Menge nie mehr in den Griff kriegen. Die Züchter sind gewohnt, zu produzieren, solange die Preise gut sind. Appelle zur Reduktion sind nutzlos. Also muss man handeln, um die Menge an den Konsum anzupassen.
Ist eine Stilllegungsprämie für Zuchtschweineplätze der richtige Weg?
Eine Stilllegungsprämie gab es bereits in den 1980er Jahren. Es braucht eine jährliche Reduktion von ca. 1500 Zuchtschweineplätzen bis zur marktgerechten Menge. Wichtig ist, Parameter im Stilllegungsreglement so festzulegen, dass niemand ungerechtfertigt davon profitiert. Es muss ein Bagger vor Ort durch den Zuchtschweinestall fahren. Es geht nicht an, dass nach fünf Jahren auf einem stillgelegten Betrieb dann ein neuer Schweinestall erstellt wird.
