Aktuell laufen die regionalen Generalversammlungen des Produzentenverbands Suisseporcs. Die Zentralschweiz machte Anfang März den Anfang. Natürlich dreht sich aktuell alles um den Markt. Wir haben mit dem Suisseporcs-Geschäftsführer Stefan Müller gesprochen.

Herr Müller, seit dem 16. Februar wird von den Produzenten ein Fonds geäufnet. Die Marktentlastungsmassnahmen werden nun konkret. Es geht vor allem um den Export von Fleisch. Weiss man heute mehr dazu?

Stefan Müller: Aktuell werden verschiedene Massnahmen geprüft, wir suchen die effizienteste Lösung für die Produzenten.[IMG 2]

Wie waren die Rückmeldungen zum Fonds in letzter Zeit? 

Natürlich gibt es Befürworter und Gegner dieser Massnahmen. Zweifellos ist die Situation schwierig und von niemandem gewünscht. Da die Massnahmen aber in der Branche koordiniert erfolgen, haben sie eine gute Abstützung. Der Fonds wird von Proviande verwaltet, wir Produzenten haben Einsicht in die Abrechnung. Ein Schweinestau und längere Tiefpreisphasen im Sommer und Herbst können so verhindert werden.

Gibt es Schlachtschweine, die am Fonds vorbei abgerechnet werden?

Durch den Beschluss des Proviande-Verwaltungsrates beteiligen sich die relevantesten Schlachtauftraggeber und Abnehmer am Einzug. Damit erreichen wir rund 90 Prozent der Schlachtschweine. Das ist ein guter Wert. Regionale Metzgereien mit tiefen Schlachtzahlen beteiligen sich aus administrativen Gründen nur selten am Einzug.

Der freie Markt funktionierte in den vergangenen Jahren mehr oder weniger, weil etwa gesetzliche Auflagen die Produktion bremsten. Hat die Suisseporcs nun genug vom freien Markt?

Hier geht es nicht um Suisseporcs, sondern um die langfristige Wertschöpfung aller Schweineproduzenten. Die Ideen, welche wir haben, torpedieren den freien Markt im Grundsatz nicht. Sie helfen, den jährlichen, ja wöchentlichen Produktionsfortschritt auszugleichen und den Markt auf einem gesunden Niveau zu stabilisieren. Die Preise sollen nach wie vor gemäss Angebot und Nachfrage sowie nach der Saisonalität, spielen. Unhandelbare Angebotsüberhänge müssen aber vermieden werden. Wir wollen verhindern, dass den Produzenten jährlich 100 Millionen verloren gehen.

Die Suisseporcs möchte Zuchtplätze stilllegen?

Schweinezüchter, welche für ihren Stall mittel- bis langfristig keine Perspektive haben, sollen ihren Stall freiwillig und gegen eine Entschädigung aufgeben können. In einem Vertrag vereinbaren sie mit Suisseporcs, den Stall definitiv und möglicherweise mit einem Grundbucheintrag stillzulegen. Diese Modalitäten sind in Abklärung. Gemäss aktuellen Berechnungen sollen so rund 1500 Zuchtsauenplätze aus dem Markt genommen werden. So erreichen wir durchschnittlich eine Zielmenge von 44 000 Schlachtschweinen pro Woche, 90 Prozent Inlandanteil und kostendeckende Preise.

Wie wird das finanziert?

Weder der Bund noch die uns nachgelagerten Stufen finanzieren die Massnahmen gegen die Überproduktion. Das bezahlen die Produzenten selbst. Mit einem, im Verhältnis zu den aktuellen Kosten für Notmassnahmen, bescheidenen Betrag, wird im Anschluss ein neuer Fonds bei Proviande gespiesen. Das Einzugsmodell soll mehr oder weniger dem aktuellen Modell entsprechen. Dazu braucht es nebst der Einwilligung der Suisseporcs-Delegierten auch das Einverständnis des Verwaltungsrates von Proviande.

An einer ausserordentlichen Suisseporcs-DV Ende Mai wird darüber entschieden. Gibt es Alternativen rund um die Marktlenkung?

Wenn die Delegierten dem vorgeschlagenen Modell zustimmen, bleiben die Steuerungsmechanismen in Produzentenhand.

Die Schweinevermarktung hält sich dezent im Hintergrund. Könnten die Händler nicht auch Teil der Lösung sein? 

Wir streben an, ein Mengensteuerungsmodell auszuarbeiten, welches vom Handel, von unseren Abnehmern und der Branchenorganisation mitgetragen wird. Auch Nichtmitglieder, wie zum Beispiel die Qualiporc Genossenschaft, wurden in den Prozess einbezogen. 

Am Montag präsentierten sie die Massnahmen Marktentlastung und Stilllegung Zuchtplätze den Mitgliedern der Suisseporcs Zentralschweiz. Wie war die Stimmung?

Die in grosser Zahl erschienenen GV-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer waren interessiert, konstruktiv, aber auch kritisch. Es ist unverkennbar, dass eine dritte Krise in drei Jahren verhindert werden muss. Jeder Lösungsansatz hat aber seine Vor- und Nachteile, die Meinungen gehen daher auch auseinander. Schlussendlich geht es darum, eine für die Produzenten einfache, freiwillige und «günstige» Lösung zu finden. Die «Investition» in ein Steuerungsmodell muss sich für alle professionellen Schweinehaltenden bezahlt machen.