Am vergangenen Dienstag fand am Strickhof Lindau der Kartoffel-Expertenaustausch statt. «Wir wollten den Anlass bewusst klein halten – im Sinne eines Austauschs unter Experten», sagte die Organisatorin Sonja Basler vom Fachbereich Ackerbau Strickhof zu den rund 30 anwesenden Landwirten.
Sortenvielfalt als Antwort auf Marktbedürfnisse
84 verschiedene Kartoffelsorten – solche, die auf der regulären Sortenliste stehen, aber auch Versuchssorten von Agroscope und FiBL – bereiteten die Strickhof-Mitarbeitenden für den Anlass vor. Diese lagen fein säuberlich in Ifco-Kistchen im Strickhof-Forum, nach Verwendungsgruppen geordnet.[IMG 2-4]
Warum braucht es überhaupt so viele Kartoffelsorten? Antworten auf diese Frage lieferte unter anderem der Vortrag von Patrice de Werra, Leiter Sortenprüfung und Anbautechnik im Fachgebiet Kartoffeln bei Agroscope. Laut de Werra ist die Sortenliste gerade in den letzten Jahren stark gewachsen. Der Grund: Einzelne Industriezweige oder Abnehmer bevorzugen spezifische Sorten mit besonderen Eigenschaften, die für andere wiederum nicht interessant sind. So verlangt etwa die Chips-Industrie runde Knollen, während Frites-Verarbeiter möglichst längliche Sorten wollen. Letztere werden auch von Konsumenten geschätzt – eine Speisekartoffel soll jedoch nicht zu birnenförmig daherkommen.
Blick auf neue Sorten und alte Favoriten
Bei der Sortenprüfung gehe es darum abzuwägen, welche Sorten mit welchen Eigenschaften bereits auf der Liste seien und welche Sorten sie allenfalls verbessern oder ergänzen könnten. Grundsätzlich berücksichtigt die Agroscope laut de Werra die Wünsche der Abnehmer, kann aber nicht immer darauf eingehen. Oder wie er es formulierte: «Es ist eine Wunschliste, aber es ist kein Ponyhof.» Schlussendlich könne es auch sein, dass eine Sorte in der Schweiz beliebt und gewünscht sei, jedoch vom Züchter zurückgezogen werde und so verschwinde.
Die anwesenden Landwirte schätzten die Gelegenheit, mit Fachleuten in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und neue Kartoffelsorten kennenzulernen. Welche Sorten es auf die neue Sortenliste geschafft haben – diese erscheint in den nächsten Tagen – wollte de Werra nicht verraten. «Am liebsten hätte ich wieder eine Kartoffel wie die Agria», meinte ein Landwirt. Diese bringe hohen Ertrag und lasse sich vielseitig verwenden.