Die FFB-Group investiert im thurgauischen Bischofszell. So wurden in diesem Sommer in der Frites-Produktion eine zusätzliche Fritteuse und ein neuer Blancheur in Betrieb genommen. Im nächsten Jahr werden als letzte Etappe alle Schälanlagen ersetzt. Zurzeit laufen alle Produktionsanlagen und es werden Frites, Flocken, Rösti, Chips und vieles mehr produziert. Der grösste Teil wird zu Frites verarbeitet. 

Die Bedingungen für den Kartoffelanbau waren 2025 optimal. Viele sprechen von einer Rekordernte, gleichzeitig werden die Lagerkapazitäten knapp. Wie stark bekommt die FFB-Group dies zu spüren?

Olivier Käser: Zurzeit liegt ein immenser Druck auf allen Verarbeitungsbetrieben. Leider können wir die Kapazität nicht beliebig ausbauen und wir können die Produktionsanlagen nicht über ihren Leistungsgrenzen betreiben. Das führt zum Teil zu Unverständnis unter den Kartoffelproduzenten. In anderen Jahren hatten wir die Möglichkeit, Anlieferungen mit Qualitätsproblemen in ein Zwischenlager zu stellen und zu einem späteren Zeitpunkt zu verarbeiten. Diese Möglichkeit fehlt uns in diesem Jahr gänzlich.[IMG 2]

Mit welcher Gesamtverarbeitungsmenge rechnen Sie in diesem Jahr?

Wir rechnen mit einer vergleichbaren Menge wie in früheren Jahren. Rekordernten bedeuten leider nicht zwangsläufig auch einen Rekordabsatz. Wir orientieren uns an den Verkaufsbudgets. Dabei stellen wir eine Verschiebung zu mehr Pommes Frites zulasten von anderen Kartoffelprodukten fest.

In den Medien war jüngst von einer schlechten inneren Qualität der Kartoffeln die Rede. Sind Sie zufrieden mit der Qualität der bei Ihnen angelieferten Kartoffeln?

Obwohl wir auch schon Probleme mit Fäulnis hatten, sind wir mit der diesjährigen Qualität mehrheitlich zufrieden. Natürlich kommt es immer mal vor, dass einzelne Lieferungen deklassiert oder retourniert werden müssen.

Sind oder waren Sie vom Paloxen-Engpass betroffen?

Das Thema Paloxen betrifft die ganze Branche und ist dieses Jahr für alle eine Herausforderung.

Wie viel Lagerkapazität gibt es am Standort Bischofszell?

Wir sprechen nicht von Lagerkapazität, sondern bezeichnen unsere Lager als Produktionslager. Mengen, die wir am Standort Bischofszell übernehmen, werden innerhalb kurzer Zeit verarbeitet. Die Kapazitäten dieser Produktionslager reichen für etwa zwei Tage. Seit Jahren arbeiten wir daher erfolgreich mit externen Lagerhaltern zusammen. 

Wie lange, schätzen Sie, wird die Kampagne 2025 laufen?

Für uns endet die laufende Kampagne immer mit dem Start der neuen Kampagne. Wir produzieren das ganze Jahr hindurch Kartoffelprodukte. Dabei gibt es mit der Pommes-frites-Kampagne von ca. August bis März/April einen Schwerpunkt.

Ende August hiess es an einer Führung der FFB-Group, man sei auf der Suche nach neuen Produzenten; Sie hätten Kapazitäten für zusätzliche 1500 bis 2000 Tonnen. Wie packen Sie das an?

Im langjährigen Durchschnitt könnten wir noch etwas mehr Schweizer Kartoffeln verarbeiten. Diese Fehlmenge versuchen wir zu beschaffen, indem wir neue Produzenten für den Kartoffelbau begeistern.


Aktive Produzenten im Thurgau

Vor zwei Jahren gründeten Produzenten im Kanton Thurgau die Interessengemeinschaft (IG) Kartoffel- und Zwiebelproduzenten. Seither ist einiges gelaufen. Inzwischen beteiligen sich 20 Landwirte an der IG. 2025 fanden je zwei Flurbegehungen bei den Zwiebeln und Kartoffeln statt. Weiter standen die Feldversuche mit dem Arenenberg im Zentrum. Für 2026 stellt Präsident Tobias Neuenschwander wiederum zwei Flurbegehungen in den beiden Kulturen in Aussicht sowie einen dritten Versuch bei den Kartoffeln.[IMG 3]

Zusammenarbeit mit FFB-Group

Auf die Frage, wie die IG mit der FFB-Group zusammenarbeite, sagt Tobias Neuenschwander: «Sie unterstützen uns bei den Feldversuchen und mit der Auswertung von gewissen Parametern, die wir für aussagekräftige Versuche benötigen.» 

Den momentanen Druck seitens Verarbeiter wegen der hohen Erntemengen bekommt Neuenschwander auf seinem eigenen Betrieb mit 8 ha Kartoffeln in Rothenhausen TG ebenfalls zu spüren. Er sagt: «Die Industriekartoffeln Agria konnte ich bei der FFB-Group platzieren, inklusive Übermengen als Q1.» Die Jelly mit einem sehr hohen Ertrag werde auf seinem Betrieb bis ca. Februar/März gelagert. Bei diesem Posten sei noch nicht restlos geklärt, wie es mit der Übermenge aussehe und ob alles übernommen werde.

Ungewissheit mit grosser Erntemenge

Bei Venezia (Speiser festkochend) konnte er den gesamten Ertrag an das Lager bei der Firma Egger Gemüsebau AG in Bürglen TG bringen. «Wir wissen jedoch noch nicht, wie und ob die Übermenge überhaupt ausbezahlt werden kann», so Tobias Neuenschwander. Die restlichen Kartoffeln waren Frühanbau und somit nicht von der momentanen Problematik betroffen. Mit der Qualität seiner Kartoffeln ist Neuenschwander zufrieden, bis auf eine Parzelle der Sorte Agria, wo es Probleme mit Buckelschorf gab.

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