«Der Herbst ist meine Jahreszeit. Was gibt es Schöneres, als auf dem Vollernter zu stehen, wenn das Band voll schöner Kartoffeln an dir vorbeiläuft?», erklärt Beat Ryser seine Leidenschaft. Dieses Jahr sei ein besonderes, und das in vielerlei Hinsicht. Schon die Pflanzbedingungen seien in der ganzen Schweiz sehr gut gewesen. «Meinen Lehrlingen gebe ich als Faustregel immer mit, dass eine gute Auspflanzung rund ein Viertel zu einem guten Ertrag beisteuert», erklärt Ryser die Bedeutung des diesjährigen Wetterglücks. Auch konnten, bis auf zum Teil knappe Stärke- und Backtests bei den Verarbeitungskartoffeln, beste Qualitäten bei besten Bedingungen geerntet werden.

Verschiedene Sorten auf zehn bis elf Hektaren 

Bei Rysers auf dem Hof im bernischen Wichtrach dreht sich viel um die Kartoffel. Sie bauen hier im Aaretal zwischen Bern und Thun rund zehn bis elf Hektaren verschiedene Sorten an. Nicht nur die Mechanisierung dafür haben sie selber, auch ein eigenes Kühllager steht zur Verfügung – und das ist jetzt, wenig überraschend, voll bis auf den letzten Platz. 

Eingelagert werden dort jedoch in erster Linie die Kartoffeln der umliegenden Direktvermarkter. Rysers selber geben ihre Kartoffeln grösstenteils direkt ab Feld ab: «Heuer hatten wir auch deutlich mehr Anfragen für Einlagerungen», sagt Beat Ryser mit Blick auf das volle Lager. Dennoch ist er überzeugt, dass es nun keinen Sinn mache, aufgrund dieser Ausnahmeernte, Überkapazitäten bei Logistik und Lagern aufzubauen: «Die Margen im Kartoffelhandel sind klein, schlussendlich bezahlen wir Produzenten Reservekapazitäten, die nur alle paar Jahre gebraucht werden.»

Die Schweizer Produzenten sind gut abgesichert

«Für einen Kartoffelbauern ist es ein emotional schwieriger Moment, wenn du entscheidest, dass du jetzt Farbe über deine Kartoffeln kippst und sie so zur Verfütterung deklarierst», sagt Ryser. Dennoch ist er vom System der Kartoffelbranche sehr überzeugt. «Sonst können wir nach Deutschland schauen, wie es ist, in einem freien Markt Kartoffeln zu produzieren. Dort lohnt es sich heuer kaum noch, diese zu graben», weiss er. Hierzulande würden kaum noch Kartoffeln ohne Abnahmeverträge angebaut. Man kenne die Preisbänder schon lange im Voraus und könne betriebswirtschaftlich kalkulieren.

Dazu trage auch der Verwertungsfonds bei, der eben genau für Jahre wie dieses geäufnet wurde. Wer heuer seine Kartoffeln nicht abgeben kann und sie verfüttert, bekommt daraus 20 Franken je 100 kg Speiseanteil: «Dies hilft zumindest, einen Teil der Produktionskosten zu decken.» Es dürfe jedoch auch nicht passieren, dass dieser Beitrag dazu verleite, sorglos die Fläche auszudehnen.

In vier Jahren eins ohne Verdienst einrechnen

«Meinen Lehrlingen sage ich immer, dass man in vier Jahren Kartoffelproduktion eines einrechnen muss, in dem man vielleicht nichts verdient», rechnet Beat Ryser vor – dies aufgrund der grösseren Umwelteinflüsse und geringen Möglichkeiten beim Pflanzenschutz.

Die diesjährige Grossernte sieht er als Geschenk der Natur: «Sie zeigt uns, was unter optimalen Bedingungen möglich wäre», so Ryser. Er möchte sich in erster Linie darüber freuen können. Die Situation mit Schädlingen und Pflanzenschutz mache so eine Spitzenernte keinesfalls zu einer Selbstverständlichkeit. Dies zeige sich bei den enormen Ertragsdifferenzen der letzten Jahre zur heurigen Ernte. Dem könne auch der gestiegene Spezialisierungsgrad im Kartoffelbau nichts entgegensetzen.

Zuvorderst an der Preis-Front

Beat Ryser ist sich sicher: Wenn in diesem Winter an jeder Hausecke ein paar Säcke billige Kartoffeln zum Verkauf stehen, oder ein paar Landwirte dem Handel ihren Überschuss unterpreisig anbieten, dann trage das nicht dazu bei, dass der Konsument mehr Kartoffeln esse: «Aber ich bin sicher, dass eine solche Marktlage die Diskussion um den Preis auch langfristig befeuern wird», ist Ryser überzeugt – obwohl die Anbaubereitschaft gesunken sei und es in normalen Jahren eher zu wenig als zu viele einheimische Knollen gebe. Dennoch sei es nicht einfach, den Detailhandel von Preiserhöhungen zu überzeugen, weiss Beat Ryser, der im Vorstand der Schweizerischen Kartoffelproduzenten an der Front steht.

«Unser System funktioniert gut und sorgt über die Jahre für stabile Preise», ist Ryser überzeugt. Er spüre auch auf allen Stufen der Branche sehr viel Goodwill und Innovation. So habe man kurzfristig noch Lagerkapazitäten geschaffen, um möglichst grosse Mengen einlagern zu können.

Langfristig rechnen und das grosse Ganze sehen

Die Kartoffel habe nun mal, anders als etwa Getreide, eine beschränkte Lagerdauer: «Preissenkungen an der Verkaufsfront entlasten den Gesamtmarkt kaum, da die Kartoffel ein inferiores Gut ist – was bedeutet, dass bei tiefen Preisen nicht mehr Kartoffeln gegessen werden», so Ryser. Darum sei es wichtig, Übermengen rechtzeitig vom Markt zu nehmen.

Kaum eine Kultur weise so extreme Ertragsschwankungen auf: «Darum ist es wichtig, über mehrere Jahre langfristig zu planen und nicht kurzfristig die Flächen anzupassen», so Ryser. Und auch wenn die diesjährige Grossernte einige Nebengeräusche verursacht, plädiert er dafür, die Freude an einem vollen Vollernterband nicht zu verlieren und das grosse Ganze im Auge zu behalten, statt mit kurzfristigem Profitdenken ein gut funktionierendes System infrage zu stellen: «Der Verwertungsfonds wird mehrheitlich von uns Produzenten gespeist, mit dem Ziel, mit stabilen Mengen auch stabile Preise zu erzielen.»

Einerseits diese Solidarität, aber auch die der Abnehmer, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit den Produzenten an den Tisch setzten und etwa die Abnahmebedingungen anpassten – das sei ein grosser Trumpf der einheimischen Kartoffelproduktion.

Stabile Preise

Der Verwertungsfonds für Speisekartoffeln wird in erster Linie von den Produzenten gespeist. Aufgrund tiefer Ernten in den vergangenen Jahren mussten kaum Kartoffeln verfüttert werden. So hat dieser Fonds derzeit einen ansehnlichen Bestand und die Beiträge der Produzenten konnten infolgedessen gesenkt werden. So müssen sie derzeit 25 Rp. je 100 kg Speisekartoffeln für den Solidaritätsfonds abgeben. Der Handel steuert 5 Rp. je 100 kg bei.

20 Franken Entschädigung
Ebenfalls aufgrund der tiefen Ernten der vergangenen Jahre wurden die Annahmebedingungen insbesondere bei den Industriekartoffeln nach unten angepasst. Gleichzeitig werden Posten, die verfüttert werden, höher entschädigt. Für die Produzenten haben sich also insgesamt die Bedingungen verbessert. Wer heuer seine Kartoffeln aufgrund von Mängeln oder Übermengen verfüttern muss, bekommt eine Entschädigung von 20 Franken je 100 kg Speiseware.

Planbarkeit gegeben
Nach den Ertragserhebungen Ende August, werden sowohl die Richtpreise als auch die Entschädigungsansätze des Verwertungsfonds festgelegt, damit die Produzenten Planungssicherheit haben.

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