Messwerte zu den genauen Gehalten von Nährstoffen im Boden sind so wertvoll wie rar. Bekannt ist, dass heute dank Abgasvorschriften weniger Schwefel aus dem Verkehr in die Umwelt gelangt und diesem Makronährstoff daher– auch im Ackerbau – mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Schwefelmängel zu vermeiden, gehört zu den Ratschlägen, die der Schweizerische Getreideproduzentenverband seinen Mitgliedern gibt, um gute Proteingehalte zu erreichen. Dies im Hinblick auf das neue Proteinbezahlungssystem, das ab der Ernte 2026 zum Einsatz kommen soll. Ist Schwefel ein übersehener Qualitäts- und Ertragsfaktor im Ackerbau?
Auf Ackerböden deutlich weniger als auf Wiesen
Die Antwort beginnt beim Standort. Der geochemische Bodenatlas der Schweiz bescheinigt den hiesigen Böden keine generell bedenklich tiefen Schwefelwerte, verzeichnet aber doch insbesondere auf Ackerflächen im Mittelland ein tieferes Niveau als unter Wiesen und Weiden. Erklären lässt sich das damit, dass sich Schwefel stark an organisches Material bindet, also vom Humusgehalt abhängt.
Herausforderung im Frühling
In der Pflanze ist Schwefel wichtig für die Verwertung des aufgenommenen Stickstoffs. Er trägt zur Bildung von Proteinen, Kohlenhydraten, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen wie Senföl bei. Entsprechend gravierend ist ein Mangel, der sich z. B. in gehemmtem Wachstum zeigt. Das ist schwer von einem Stickstoffmangel zu unterscheiden, und auch sonst gibt es einige Parallelen zwischen S und N. So können Pflanzen beide nur in mineralischer Form aufnehmen, organischer S im Boden ist für sie nicht verfügbar. Für die Mineralisierung braucht es ein aktives Bodenleben und damit Wärme. Eine ausreichende Schwefel-Versorgung kann daher vor allem im Frühling schwierig sein.
Leichte und sandige Böden eher problematisch
Hofdünger sind zwar gute Schwefelquellen – liefern aber eben v.a. organischen S. «In Hofdünger sind unterschiedliche Mengen Schwefel vorhanden», ergänzt Manuel Baur, Düngeberater am Strickhof. Bei Rindergülle etwa sind es 0,2 – 0,4 kg S/m3, im Fall von Schweinegülle 0,5 – 0,7 kg/m3. Über viele Jahre mit Hofdüngern versorgte Böden haben in der Regel einen höheren Humusgehalt, fährt er fort. Das trage zur regelmässigen Nachlieferung von Schwefel bei. «Wenn es sich noch um schwere und tiefgründige Böden handelt, kann die Schwefelversorgung über Hofdünger bei weniger bedürftigen Kulturen ausreichen.» Auf leichten und sandigen Böden hingegen reiche der Schwefel aus Hofdüngern oft nicht aus, «hier sollte über eine Schwefelergänzung nachgedacht werden.»
«Aktuelles und sinnvolles Werkzeug» in der Grud
Raps ist mit einem Entzug von 80 kg/ha eine der schwefelbedürftigsten Kulturen im Ackerbau. Weizen liegt mit 23 kg/ha deutlich tiefer, Zuckerrüben stehen mit 35 kg/ha dazwischen. Trotzdem empfehlen die Grundlagen für die Düngung (Grud) auch für Weizen, Gerste und Kartoffeln je nach Standort eine Schwefeldüngergabe – nach klaren Kriterien. Im quasi ungünstigsten Fall resultieren beim Weizen 20 kg/ha Düngebedarf. «Das Punktesystem der Grud enthält wichtige Bodeneigenschaften und klimatische Bedingungen, die die Nachlieferung und Mineralisierung von Schwefel beeinflussen», beschreibt Manuel Baur. Auch der langjährige Hofdüngereinsatz wird berücksichtigt. Für Baur ist das Grud-Punktesystem daher ein aktuelles und sinnvolles Werkzeug, um den Düngebedarf zu ermitteln. Bei Raps resultiert nach dieser Bewertung maximal 60 kg/ha Schwefeldünger-Bedarf.
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Raps ja, Mais nein
Weil bei frischen Frühlingstemperaturen noch wenig Schwefel mineralisiert wird – analog zum Stickstoff – empfiehlt Manuel Baur beim Raps eine Gabe in Sulfatform. Die Ölsaat habe einen hohen S-Bedarf auch in der Jugendentwicklung, begründet er. Daher eignet sich etwa Bor-Ammonsalpeter gut für die Frühjahrsdüngung von Raps. Mais, der vorwiegend während der Hauptphase der Mineralisation gedeiht, benötige normalerweise keine zusätzliche Schwefeldüngung. «Für die Produktion von Brotweizen hingegen kann das durchaus Sinn machen, etwa über Ammonsulfat», so der Berater. Elementarer Schwefel eignet sich weniger im Frühling, da er auch mineralisiert werden müsste. «Dieser Prozess führt zu einer Versauerung des Bodens und darf nicht vernachlässigt werden», bemerkt Baur. Elementarer Schwefel könne als Vorratsdünger im Herbst oder zur gezielten Senkung des pH-Werts dienen.
Schwefel als Güllezusatz?
Mineralische Dünger kombinieren je nach Zusammensetzung Stickstoff und Schwefel. Grundsätzlich liessen sich gut wasserlösliche, sulfathaltige Dünger wie Kieserit oder Kainit in die Gülle mischen. «Ich bin aber kein Fan davon und würde es eher getrennt geben», sagt Manuel Baur. Denn sonst bringe man auch erhebliche Mengen anderer Nährstoffe wie Magnesium und Kalium in die Gülle, die bei der Düngeplanung zu berücksichtigen wären. Elementarer Schwefel wäre zwar nur S und nichts weiter, wäre aber ebenso wie der organische S aus der Gülle selbst nicht sofort verfügbar und biete daher keinen Vorteil.
Leichte Überdüngung schmerzt vor allem das Portemonnaie
Schwefel als pflanzenverfügbares Sulfat bindet sich nicht an Tonminerale im Boden und kann daher in tiefere Schichten verlagert oder ausgewaschen werden. Ein nasses Winterhalbjahr erhöht entsprechend potenziell den S-Düngebedarf und gehört zu den Kriterien des Grud-Punktesystems. Verluste sind auch während der Saison möglich. «Ich würde maximal 40 kg Sulfat je ha einsetzen und bei Bedarf die Gaben splitten», rät Manuel Baur. Wobei man sagen müsse, dass Sulfat umwelttechnisch weniger problematisch sei als Nitrat. «Eine leichte Überdüngung hat in der Regel keine negativen Folgen – ausser auf das Portemonnaie des Landwirts.»
Im Biolandbau ist die zusätzliche S-Düngung generell kaum wirtschaftlich. Der Fachmann begründet dies mit dem Einsatz organischer Dünger und dem geringeren Ertragsniveau unter Bio-Bedingungen. Das bedeutet auch einen tieferen Nährstoffentzug durch die Kulturen. «Aber auch hier gilt, dass es stark von den Standortbedingungen abhängig ist, ob eine Düngung mit Schwefel sinnvoll ist oder nicht», schränkt er ein.
Düngefenster zeigen den Versorgungstatus der Parzelle
Im konventionellen Anbau auf höheren Intensitäten und vor allem im Raps müsse man die Schwefelversorgung der Kulturen im Auge behalten und gegebenenfalls gezielt düngen, fasst Manuel Baur zusammen. Real sei die Gefahr einer Schwefelunterversorgung bei leichten Böden. «Ich empfehle jedem Landwirt, Düngefenster anzulegen, um die Situation auf seinem Betrieb zu erfassen.» Besonders deutlich zeichneten Kunstwiesen mit hohem Kleeanteil. Wenn ein mit Kieserit bestreuter Streifen davon deutlich grüner und üppiger wird als der Rest, könne man davon ausgehen, dass auf der betreffenden Fläche ein Schwefelmangel besteht.