Beim letzten Besuch der BauernZeitung bei Mathias Jud aus dem toggenburgischen Necker im November 2024 fiel draussen dichter Schnee. Drinnen, im Anbindestall, standen noch 28 Brown-Swiss-Kühe. Die Pläne für den Stallumbau lagen bereits auf dem Tisch. «Wenn man in die Milch investieren will, dann muss man jetzt handeln», sagte Jud seinerzeit entschlossen. Nur ein Jahr später ist der neue Stall fertig. Nun stehen wir wieder auf dem Hof – diesmal zwischen blau gestrichenen Wänden in einem luftigen Laufstall mit Melkroboter.
In Rekordzeit von weniger als einem Jahr realisiert
Von der Bewilligung bis zur Inbetriebnahme verging nicht einmal ein Jahr. «Im letzten November gab ich den Bauantrag ein und jetzt steht der Stall», sagt Mathias Jud nicht ohne Stolz. Dass die Kosten für Bauten in der Landwirtschaft stetig steigen, sei ein zusätzlicher Antrieb gewesen, rasch zu handeln. Der neue Stall bietet Platz für 40 Kühe – zwölf mehr als zuvor – und nutzt den alten Anbindestall weiterhin, unter anderem als Teil der Melkzone.
Für Jud war von Anfang an klar, dass er vieles selbst übernehmen wollte. «Ich habe die ganze Bauleitung gemacht, damit ich weiss, was passiert. Wenn immer x verschiedene Leute auf dem Platz sind, wird es teurer – und bringt mir nichts», sagt er pragmatisch. Was das Handwerkliche angeht, haben Juds auf das ortsansässige Bauunternehmen Mock AG gesetzt. Die Zusammenarbeit habe einwandfrei funktioniert, was bei so einem Projekt wichtig sei. «Es war klar, dass wir mit Handwerkern aus der nahen Umgebung arbeiten, das ist für uns selbstverständlich.» Den hellblauen Anstrich hat Mathias Jud persönlich gemacht, in tagelanger Arbeit. «Die Farbe wirkt beruhigend auf die Kühe», erklärt er.
[IMG 3]
Arbeitstechnisch soll es in Zukunft eine Vereinfachung geben
Die Grundidee beim Umbau war klare Funktionalität. «Ich habe alte Pläne genommen und selbst gezeichnet. Ein guter Kollege, Ueli Forrer, der auch Architekt ist, und Kuhsignaltrainer Christian Manser halfen mir – aber ich wusste genau, was ich wollte», sagt Jud. Er habe sich nicht Dutzende andere Ställe angeschaut. «Das bringt nichts. Man muss wissen, was man will und mit den Gegebenheiten auskommen.»
Die Arbeitsabläufe sollten einfach, übersichtlich und ergonomisch sein, «auch für die Kühe». Für Jud war die Arbeitswirtschaft entscheidend: «Wenn man weiter Melken will, muss man den Schritt nach vorne wagen. Es nützt nichts, erst mit 60 zu bauen – jetzt, mit 39, kann ich noch abzahlen und selbst im System arbeiten. Dann habe ich auch noch etwas davon.»
Der Roboter bringt Flexibilität – nicht weniger Zeit im Stall
Ein zentraler Punkt im Umbau war der Entscheid für den Melkroboter. «Ein Melkstand wäre baulich teurer gewesen. Für uns war klar: Wenn wir investieren, dann nur in einen Roboter», sagt Mathias Jud im Wissen darum, dass der Roboter sonst in zehn Jahren wieder zum Thema geworden wäre.[IMG 4]
Heute melkt ein Lely Astronaut A5 Next die Herde – der erste seiner Art in der Ostschweiz. Gefragt danach, wie auf dem Grünlandbetrieb denn geweidet werde, sagt Jud: «Im Sommer weiden wir auch bisher nur von sechs bis rund neun Uhr, also etwa drei Stunden. Die Kühe müssen nicht raus und herumliegen, sie sollen fressen» sagt der Landwirt. Im Herbst habe er hingegen bislang mehr geweidet. «Wie es mit Roboter künftig sein wird, kann ich noch nicht genau abschätzen», sagt er, ist sich aber sicher, dass es mit 40 Kühen am Roboter kein Problem darstellen dürfte.
Jud hat eine klare Vorstellung von Arbeitserleichterung. «Ich will keine Leerläufe. Ich will flexibler sein, aber nicht weniger Zeit im Stall verbringen», betont er. «Ich bin gerne bei den Tieren, aber ich möchte den Ablauf effizienter gestalten.» Der Roboter entlaste, vor allem auch körperlich. Weiter werde das Euter der Kuh geschont. Manchmal habe er aufgrund hoher Leistungen auch im bisherigen System ein drittes Mal pro Tag gemolken. Das übernimmt nun der Roboter.
Der neuste Roboter – aber Technik mit Augenmass
Der Lely Astronaut A5 Next ist die Weiterentwicklung des bewährten A5. Weil Mathias Juds Projekt ein An- und Umbau war, wurde der Mistroboter, ein Lely Discovery Collector, schon vor der Fertigstellung des gesamten Stalls in Betrieb genommen – ein kluger Schachzug. «So konnten wir schon während der Bauphase von der Automatisierung profitieren», erklärt der Ostschweizer.
Bei der Ausstattung blieb er pragmatisch. «Ich habe auf Optionen verzichtet, die man einfach nachrüsten kann, etwa Zellzahlmessung oder Dampfgerät. Dafür haben alle Kühe und Rinder Halsbänder für Gesundheits- und Brunstüberwachung», sagt er.
Der neue Roboter arbeitet mit dem System TDS 2+, das Laser und Kamera kombiniert. Damit erkennt der Roboter die Position der Zitzen schneller und präziser und kann künftig auch Zitzenlänge und -durchmesser messen. Die neue Milk-for-Use-Funktion sorgt für hygienische Kolostrumentnahme, während die AOS-2-Software tiefere Einblicke in die Prozesse erlaubt. «Für mich ist wichtig, dass die Technik funktioniert, aber trotzdem einfach bleibt. Ich will sie verstehen und nutzen können», sagt der Landwirt.
Der Kuhkomfort stand ganz klar im Fokus
Drei Dinge waren für Mathias Jud und seine Frau Stefanie von Anfang an klar: «Kuhkomfort, Arbeitsentlastung und Einfachheit», fasst er zusammen. Hochboxen kamen für sie nicht infrage. «Wir wollten, dass sich die Kühe wohlfühlen. Das ist das Wichtigste.» Das spürt man: Die Tiere liegen entspannt auf weichen Matratzen, die Gänge sind breit, das Klima hell und ruhig. «Natürlich muss man genauso hinschauen wie früher», betont Jud.[IMG 2]
Stefanie Jud arbeitet zwei Tage pro Woche als Tierärztin, die Eltern helfen noch regelmässig mit. «So können wir die Arbeit aufteilen – das ist ein grosser Vorteil», sagt der Landwirt. Mit ihren Töchtern Lea und Mara steht die Familie oft gemeinsam im Stall. Die Mädchen kennen jede Kuh beim Namen.
«Es war sicher der richtige Entscheid», findet Mathias Jud
Mathias Jud bleibt Realist, auch wenn der neue Stall erst wenige Wochen und der Roboter gar erst wenige Tage in Betrieb ist. «Die Baukosten kann ich noch nicht genau benennen», meint er, «aber es war sicher der richtige Entscheid.» Rund 30-jährige Ställe, wie eben jener von Familie Jud, hätten oft eine gute Substanz – man müsse sie nutzen.