Roman Winiger ist ein Schweineprofi. Die Schweinemast läuft bei ihm nicht nebenher, sondern ist sein Hauptbetriebszweig. Der Rigihof in Neudorf LU verfügt über 504 Mastschweineplätze. Geführt wird er von Roman und Maria Winiger, die drei Kinder sind erwachsen. Der Jüngste, Samuel, ist als gelernter Landmaschinenmechaniker und Landwirt der potenzielle Hofnachfolger. «So in etwa fünf Jahren dürfte es dann so weit sein», meint der 57-jährige Betriebsleiter, der beim Schweineproduzenten-Verband Suisseporcs als Mitglied der Fachkommission Markt im Zentralvorstand und im Vorstand der Zentralschweizer Sektion stark eingebunden ist.
Rationell auf dem Feld wie auch im Stall
Den Rigihof übernahm Roman Winiger vor über 30 Jahren von seinen Eltern. Die 17 ha LN auf dem Aussiedlerbetrieb auf 744 m ü. M. sind arrondiert und topfeben. Die Parzellen sind zwischen drei und vier Hektaren gross und werden für den Futter- und Ackerbau genutzt. 1998 baute Winiger den damaligen Schweinestall bereits in einen Laufstall fürs Label Coop-Naturafarm (CNF) um. 2004 wurde die Milchwirtschaft aufgegeben und das Lieferrecht von gut 100 000 Kilo verkauft. Roman Winiger finanzierte damit den Umbau des Milchviehstalls in einen Ausmaststall. In den ersten zehn Jahren nach Betriebsumstellung war er noch als Milchtransporteur für seine ehemalige Käserei aktiv. Heute nicht mehr. Seine Frau arbeitet in einem grösseren Pensum als Buchhalterin. So übernimmt er einen Anteil im Haus, während Maria Winiger sich bei Arbeitsspitzen im Sommer auf den Traktor setzt.
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Erfolgreiche Schweineproduktionist ein Gemeinschaftswerk
Roman Winiger ist ein Tüftler, der rationelle Abläufe mag, aber dafür keine teuren Hilfsmittel braucht. Dies wird beim Betriebsrundgang klar. 2020 hat Coop das CNF-Label aufgegeben, seither produziert er für IP-Suisse. Eine ÖLN-Gemeinschaft mit seinem Cousin hilft, um als auf Schweinemast spezialisierter Betrieb die erforderlichen Nachhaltigkeitspunkte zu erreichen.
Winigers verfügen über zehn Buchten à je 48 Plätze und eine «Ausräumbucht» mit Platz für 24 bald schlachtreife Schweine. Gearbeitet wird im 3-Wochen-Rhythmus. Dann werden in der Regel 96 Jager angeliefert und zwei Buchten befüllt. Die Jager werden über die Fredy Müller Schweinevermarktung AG, Schlierbach LU, vermittelt. Diese übernimmt auch Transport und Vermarktung der Schlachtschweine. Die Jager stammen von zwei Mastferkelproduzenten aus der Umgebung. «Es ist ein Miteinander. Tausend Faktoren haben Einfluss auf den Erfolg in der Schweineproduktion», sagt Winiger. Ihm ist wichtig, dass er im Problemfall seine Partner rasch informieren kann. Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht, etwa mit Zuchtbetrieb, Bestandestierarzt oder Futtermittellieferant. Zur Ursachenforschung gehören auch das Ablesen der Ohrmarkennummer zur Rückverfolgbarkeit bezüglich Genetik oder die Sektion auf Hof.
Betriebsspiegel Rigihof
Roman und Maria Winiger, Neudorf LU
LN: 17 ha
Kulturen: Kunstwiese, Silomais, Triticale, Weizen, Wintergerste
Tierbestand: 504 Mastschweine
Weitere Betriebszweige: 2 ha Wald, Nebenerwerb der Betriebsleiterin
Arbeitskräfte: Roman Winiger
Wöchentlich werden die schlachtreifen Tiere angemeldet
Genetisch stammen seine Jager von F1-Sauen, besamt mit der Vaterrasse Duroc. Die Mastschweine bleiben auf dem Betrieb grundsätzlich in derselben Gruppe, auch wenn sie manchmal leicht auseinander wachsen, ein wenig bedingt durch das Fütterungssystem mit Flüssigfütterung und den langen Trögen. Viermal täglich wird gefüttert, wobei die Stärkeren halt meist ein wenig früher mit dem Fressen starten. Etwa ab dem 70. Tag wird wöchentlich gewogen, farblich markiert und zur Schlachtung angemeldet. Die Schlachtschweine werden wöchentlich abgeholt: rund 30 Tiere aufs Mal, entsprechend weisen sie eine geringe Streuung auf. «Letztes Jahr wogen sie geschlachtet im Schnitt 92,1 kg», so Roman Winiger. Der Magerfleischanteil liegt, selbst bei Duroc-Genetik, bei 56,97 Prozent. Unter dem Strich bekam er pro Kilo fast 5 Rappen mehr als den angeschriebenen Wochenpreis.
Die Vormast wird im Rein-/Raus-Verfahren betrieben. Nach jeder Gruppe wird kalt gereinigt und der Stall während zwei Tagen zur Austrocknung leer gelassen. In der Ausmast liege der Fokus bezüglich Hygiene bei den Futtertrögen und im Auslauf und weniger im Stallinnern, so der Schweineproduzent. Das Klima in den Ställen sei immer eine Herausforderung, so Winiger. Gerade in seinem Fall mit der Umbaulösung und dem Labelstall mit den Öffnungen. Kurz vor der Jager-Einstallung wird intensiv aufgeheizt, zudem sorgt ein Vlies über dem Liegebereich für Nestwärme.
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An einem «normalen» Tag sind die Schweine in rund zwei Stunden versorgt. Rechnet man die nicht alltäglichen Arbeiten wie Wiegen, Reinigung oder das Zügeln mit ein, kommt man auf einen täglichen Bedarf von rund drei Stunden. Die Verluste im Stall betragen aktuell laut dem elektronischen Behandlungsjournal (EBJ) rund 1 bis 1,3 Prozent. Ein Hauptproblem habe er glücklicherweise nicht. Winiger sagt es und fasst an den Holztisch. Zu den Abgängen führten meist unterschiedliche Gründe. Die letzten Gesundheitsprobleme auf Ebene Bestand gab es wegen schlechtem Stroh vor einem Jahr. Als Folge der wohl erhöhten Mykotoxin-Belastung kam es vermehrt zu Schwanzbeissen. Behandelt habe er mit dem bitteren Hausmittel «Drachenblut».
Agrarpolitisch und beim Thema Markt ist Roman Winiger mit sei-nen ehrenamtlichen Engagements in der Schweinebranche mittendrin. «45 000 Schlachtungen wöchentlich sind der Zielwert», wiederholt er. Damit sei der Markt gesund, die Produktion für die Wertschöpfungskette in der Schweiz nachhaltig und ein wenig dürfe importiert werden. Nun seien die Jagerpreise schon länger hoch, das zweijährige Preismodell in der Prüfphase. Die Preissituation dürfte wohl zu einer Mengenausdehnung geführt haben. Solange der Preis gut sei, gebe es für alle etwas, das müsse doch das Ziel sein.
Problematische Seuchen und Hürden beim Bauen
Respekt hat Roman Winiger vor der Afrikanischen Schweinepest. Seine Ausläufe sind bislang nur mit einem Schafzaun geschützt. Hier habe er noch Potenzial – mit Bauzäunen habe er sich aber bereits eingedeckt, für den Fall der Fälle. Auch habe er auf dem Betrieb mit Haus, Remise, umgebautem Schweinestall und dem Schweinestall einige Kreuzwege.
Und wie alle Luzerner Tierhalter kommt auch Roman Winiger auf das Thema Bauen ausserhalb der Bauzone zu sprechen. «Es ist richtig, dass hingeschaut wird bei Bauprojekten», findet er. Aktuell habe man aber das gesunde Mass verloren. Bauen werde mit den vielen Auflagen «schweineteuer» und die rechtliche Grundlage sei vielfach vage, selbst der Besitzstand sei nicht immer gewahrt.
Allgemein müsse die Landwirtschaft darauf pochen, dass ihre Leistungen, etwa bei der Sammlung oder Herausgabe von Daten, in Wert gesetzt werden. Das habe sein Preisschild, ist der Marktspezialist überzeugt.Armin Emmenegger
Flüssig und phasengerecht
Das Futter auf dem Betrieb von Roman Winiger wird in drei Silos à insgesamt 34 t Fassungsvermögen gelagert und für die Phasenfütterung verschnitten. Vormastfutter (14 MJ Energie und 160 g RP) gibt es bis zu einem Gewicht von 50 kg. Ab 70 Kilo wird reines Ausmastfutter als Suppe verfüttert. Dieses weist 14,2 MJ Energie und noch 135 g RP aus. Das Programm zur nährstoffreduzierten Fütterung von Schweinen (NPr) wird unter dem Strich mit 10,2 g RP erfüllt. «Die Leistungen passen, auch mit weniger Protein», zeigt sich Roman Winiger zufrieden. Die Futterverwertung liegt bei 2,69, die Tageszunahmen bei rund 915 g. Auch wenn die Flüssigfütterung bezüglich Futterhygiene anspruchsvoller ist, schwört Winiger darauf. «So wird ein schöner Teil des Wasserbedarfs über das Futter aufgenommen», so seine Erfahrung. Gerade im Sommer sei das ein wichtiger Faktor. Das System wird alle 2–3 Monate gründlich gereinigt und nach jeder Fütterung gesäuert. Die Futtersilos werden jährlich geöffnet und besenrein geputzt.