Hanna und Simon Rindlisbacher aus Seuzach ZH sind jung und voller Tatendrang. Kennengelernt haben sie sich an der Tier & Technik 2015 in St. Gallen. 2024 haben sie geheiratet. Die Suisse Tier besuchen sie jedes Mal. Auf Ausgabe 2025 freuen sie sich besonders, denn sie gehören zu den Gewinnern des Innovationspreises der Schweizer Agrarmedien. Den Preis erhalten sie für das clevere Nachrüsten ihres alten Hackgeräts.
[IMG 1]
Das Hackgerät aus den Brennnesseln geborgen
Das Hackgerät stand, so Hanna Rindlisbacher, jahrelang hinter einem alten Holzschopf in den Brennnesseln. Simon Rindlisbacher erweckte es zu neuem Leben, ersetzte die Hackscharen und einige Federzinken sowie das eine oder andere Lager. «Wir wollen saubere Kulturen. Das wieder funktionsfähige Hackgerät machte seine Arbeit gut», sagt der 29-jährige Landwirt. Auf ihrem 50 ha umfassenden Biobetrieb bauen sie auf 25 ha Ackerfrüchte an. «Alles, was am Markt gefragt ist – Getreide, Mais, Soja, Sonnenblumen und Ackerbohnen.» Der Aufwand fürs Hacken mit dem alten Gerät war immens. Drei bis vier Durchgänge pro Kultur und immer zu zweit. Eine Person steuerte den Traktor, die andere Person navigierte, hinten auf dem Hackgerät sitzend, die Scharen.
[IMG 2]
Mit dem umgebauten Hackgerät geht es (fast) alleine
Simon Rindlisbacher, im Erstberuf Landmaschinenmechaniker, juckte es in den Fingern und er suchte nach einer Lösung. Er rüstete das alte Hackgerät mit kleinen Tastarmen unten am Rahmen aus. Sobald der Tastarm ein Pflänzchen «spürt», gibt er einen Impuls an das elektrisch angesteuerte Hydraulikventil, welches wiederum die Unterlenker ansteuert. Diese führen das Hackgerät über die hydraulische Seitenstrebe zurück in die Reihe.
Ganz alleine geht es jedoch auch mit dem umgebauten Hackgerät nicht. «Beim ersten Hackdurchgang müssen wir zu zweit sein, da die Pflänzchen im Keimblatt- oder Zweiblattstadium zu klein und zu fragil für den Taster sind», sagt Simon Rindlisbacher. Auch hier hat er an eine Arbeitserleichterung gedacht: Die Person hinten kann die Unterlenker mit einem kleinen Joystick steuern. Sobald die Pflanzen etwas grösser sind, hackt die Maschine autonom, es braucht nur noch eine Person, die den Traktor fährt.
Simon Rindlisbacher
[IMG 4]
«Upcycling» – also die kreative Verwertung von alten Sachen zu einem Produkt mit Mehrwert – gehört zur Lebensphilosophie von Simon Rindlisbacher. Entsprechend ist auch seine Werkstatt ausgestattet mit Geräten und Werkzeugen, die er allenfalls irgendwann brauchen könnte. So machte er aus dem alten, eingerosteten Hackgerät ein funktionales und arbeitserleichterndes Gerät. Das Herzstück der Hacke ist der Sensor am Rahmen. Diesen hat er aus einem alten Kran aus- und in die Hacke eingebaut.
Mehrere Vorteile gegenüber kameragesteuerter Variante
«Das Hackgerät funktioniert in allen Kulturen zuverlässig, wir haben es ausprobiert», sagt Simon Rindlisbacher. Auch bereits buschige Sojabohnen lassen sich hacken. Beim letzten Hackdurchgang im Mais würden zudem die scharfen Blätter der bereits hochgewachsenen Maispflanzen die Arme und Beine der Person auf dem Hackgerät nicht mehr zerkratzen, ergänzt er mit Blick zu seiner Frau. In nächster Zeit will der Landwirt noch feinere Taster einbauen, damit auch die kaum aus der Erde herausragenden Pflänzchen schön gehackt werden können und es gar keine zweite Person mehr braucht.
Die Vorteile seines Hackgeräts gegenüber einem kameragesteuerten Gerät liegen für Simon Rindlisbacher auf der Hand. Er zählt auf: «Das Hackgerät wird nahe an den Traktor angehängt, dadurch ist die Komposition sehr kurz.» Da sich der Taster direkt vor dem Hackkörper befinde, werde das Abdriften am Hang präzise korrigiert. Weitere Vorteile gegenüber der Kamera seien:
- Es lässt sich genau bis ans Ende der Reihe hacken.
- Der Einsatz ist auch in hochgewachsenen Kulturen möglich.
- Lichteinstrahlung (Schatten, Sonne) hat keinen Einfluss auf den Erfolg.
«Es ist für uns zudem eine kostengünstige Lösung», hält er fest. Störungen und Fehler kann er selbst beheben. Bei einem kameragesteuerten Hackgerät sei man hingegen sehr abhängig von den Landtechnikfirmen.
Hanna Rindlisbacher
[IMG 5]
Hanna Rindlisbacher sorgt auf dem Betrieb dafür, dass die Kreisläufe aller Betriebszweige des Biohofs geschlossen sind und wie eine gut geölte Maschinerie laufen. Die Landwirtin und Agrotechnikerin hat Aufzeichnungen und Buchführung im Griff. Sie managt die Direktvermarktung mit Fleisch und Eiern und hält den Kontakt mit Kunden und Abnehmern. Meistens trifft man sie aber bei den Vierbeinern im Stall an.
Handelsübliches Material zur Konstruktion verwendet
Würde er denn auch alte Hackgeräte von anderen Berufskollegen umrüsten? Das Ehepaar winkt ab. «Zurzeit sind wir ausgelastet», sagt Hanna Rindlisbacher. Ihr Mann stimmt ihr nickend zu und bemerkt, die Technik sei eigentlich einfach, sodass jeder technisch versierte Landwirt mit handelsüblichen Materialien sein Hackgerät selbst umrüsten könne.
[IMG 3]
Es bleibt mehr Zeit für Um- und Neubauten
Die frei gewordene Arbeitszeit nutzt das Ehepaar Rindlisbacher, um Haus, Hof und Felder auf Vordermann zu bringen. 2019 pachteten sie einen Betrieb mit einem kleinen Laufstall in Hettlingen ZH, wo sie Mastremonten halten. 2021 konnte Simon Rindlisbacher schliesslich den elterlichen Betrieb in Seuzach kaufen. Dieser war zuvor fremdverpachtet und wurde konventionell bewirtschaftet. Die Umstellung auf Biolandbau und das «in Schuss halten» der Böden erforderten Zeit und Geduld. «Umso wichtiger sind für uns daher möglichst leichte Maschinen wie zum Beispiel unser Hackgerät. Dieses erlaubt es uns, auch einmal bei nicht ganz optimalen Bedingungen ins Feld zu fahren», meint Simon Rindlisbacher.
Seit der Hofübernahme haben sie den alten Anbindestall in einen Mutterkuh-Laufstall umgebaut und im Wohnhaus das eine oder andere renoviert. Seit diesem Sommer bauen sie mit viel Eigenleistung hinter der Maschinenhalle einen neuen Rindermaststall. Ihr Naturabeef geht in den Handel. Ein Teil des Fleisches wird aber auch direkt vermarktet, ebenso wie die Eier der 40 Legehennen. «Wir haben eine treue Kundschaft», sagt Hanna Rindlisbacher.
Betriebsspiegel
Hanna und Simon Rindlisbacher, Seuzach ZH
LN: 50 ha, Bio
Kulturen: Getreide, Mais, Soja, Sonnenblumen, Ackerbohnen, Natur- und Kunstwiesen
Futterbau: Natur- und Kunstwiesen, Ökoflächen
Tierbestand: 30 Mutterkühe, 30 Mastremonten, Legehennen
Weitere Betriebszweige: Pferdepension, Selbstversorger-Stall und Direktvermarktung
Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar und ein Lernender
www.biodirektabhof.ch