Selbst im Schweine-intensiven Kanton Luzern stammen die hohen Ammoniakemissionen vor allem aus der Rindviehhaltung und nicht von den Schweinen. Die Schweine tragen schweizweit nur 15 Prozent zu den Emissionen aus Tierhaltung bei. Fachleute weisen darauf hin, dass bezüglich N-Effizienz bei der Fütterung von Schweinen in den letzten Jahren sehr viel erreicht worden sei. 77 Prozent der tierischen Ammoniakemissionen stammen aus der Rindviehhaltung, fünf Prozent kommen vom Geflügel. Am meisten Ammoniakverluste gibt es aus Ställen und Laufhöfen (36 Prozent) sowie bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle (34 Prozent).
Diese Zahlen sind dem Bericht «Ammoniakemissionen der schweizerischen Landwirtschaft von 1990 bis 2020» der Berner Fachhochschule aus dem Jahr 2022 zu entnehmen. Der Eintrag von Stickstoff durch Ammoniak in die Umwelt sei zu gross. Die negativen Auswirkungen auf Wiesen, Wälder und Moore sowie der Verlust von Artenvielfalt seien beträchtlich.
Ammoniak-senkende Massahmen in immer mehr Kantonen
Das Reduktionsziel von 2017 sei bisher nicht erreicht worden. Die gesamtschweizerische Ammoniak-Konzentration habe seit 2000 weder zu- noch abgenommen, heisst es im neuesten «Messbericht Ammoniak Zentralschweiz» vom August 2025. Die Trendberechnungen für die Messgebiete im Kanton Luzern würden gar eine langfristige Zunahme zeigen. Emissionssenkende Faktoren wie der Rückgang der Tierbestände seien durch steigernde Faktoren wie veränderte Stallbauweisen (mehr Ausläufe und Laufställe) und Umweltveränderungen kompensiert worden.
Schon 2007 wurde im Kanton Luzern ein erster Massnahmenplan Ammoniak eingeführt; seit 2008 unterstützt der Bund Massnahmen der Kantone. Die Reduktionsziele seien bisher wegen Zielkonflikten mit dem Tierwohl verfehlt worden, heisst es im «Ammoniak-Bericht Zentralschweiz». Mit einem zweiten Massnahmenplan Ammoniak 2020 sollen im Kanton die Emissionen bis 2030 um 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2014 reduziert werden. Laut dem noch nicht publizierten Zwischenbericht 2025 ist dieses Ziel aber, auch aufgrund eines Rechnungsfehlers, kaum erreichbar.
Gemäss der nationalen Drehscheibe Ammoniak, die das Wissen bündelt und der Praxis zugänglich macht, wurden in den letzten Jahren in 21 Kantonen Ressourcenprojekte zur Minderung von Ammoniakemissionen durchgeführt. Massnahmenpläne gibt es neben Luzern unter anderen im Aargau, Appenzell Innerrhoden, Thurgau und Zug. Weitere Kantone sind dabei, solche Pläne zu erarbeiten. Auf nationaler Ebene wurden ebenfalls Massnahmen eingeführt, so das Obligatorium für den Einsatz des Schleppschlauches beim Güllen seit 2024 und die bis 2030 laufende Abdeckung von Hofdüngerlagern.
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Überdurchschnittlich streng sind die Auflagen zur Ammoniakreduktion im Kanton Luzern, wenn es um Stallbauten geht. Je nach Bauvorhaben (Umfang GVE und Tierbesatz nach dem Bau) muss aus einer Massnahmenliste eine bestimmte Punktzahl erreicht werden. Die Massnahmen reichen von Harnrinnen, erhöhten Fressständen, Vernebelungsanlage, automatischen Reinigungssystemen im Auslauf bis hin zum Verzicht auf den Laufhof. Dem Vernehmen nach prüfen auch weitere Kantone wie Bern und St. Gallen das Luzerner Punkte-System.
Für die Vorabklärung von Bauprojekten bietet der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV) eine Bauberatung an. In den letzten Jahren seien die Auflagen für Bauten in der Landwirtschaft verschärft worden, stellen die LBV-Bauberater fest. Und der Interessenskonflikt zwischen Tierwohl und Luftreinhaltung sei ausgeprägt. Je mehr Fläche den Tieren zur Verfügung gestellt werde, desto höher seien die Emissionen. Und es sorge schon für Unverständnis bei Bauherren, wenn ihnen geraten werden müsse, auf einen Laufhof zu verzichten, weil dies positive Punkte für die Bewilligungsfähigkeit von Bauprojekten ermögliche. Grosse Hürden seien auch nötige Mindestabstände zu Siedlungen zur Geruchsreduktion. Unter Druck seien oftmals auch Bauprojekte im Berggebiet, wo viel tiefere GVE/ha-Limiten gelten. Da seien die Massnahmen viel schwieriger oder kaum umsetzbar.
Entwicklung der Betriebe ist erheblich eingeschränkt
In den Luzerner Einzugsgebieten der Mittellandseen gilt gar ein Aufstockungsverbot. Gemäss der kantonalen Phosphorverordnung gibt es nicht nur strenge Düngebeschränkungen, sondern der bisherige Bestand an Tieren (GVE/ha) darf nach einem Bauprojekt nicht höher liegen. Diese Ungleichbehandlung von Land-wirten stosse auf Unverständnis. Das fehlende Entwicklungspotenzial beeinflusse den Handlungsspielraum von betroffenen Betrieben erheblich. Josef Scherer
Podium an der Suisse Tier am 21. November
«Nutztierhaltung unter Druck – welche Rahmenbedingungen gelten morgen?»: Zu diesem Thema findet anlässlich der Eröffnung der Suisse Tier in Luzern am 21. November 2025 um 9.30 Uhr eine Podiumsdiskussion unter Leitung von Simone Barth, Chefredaktorin BauernZeitung, statt. Mit dabei sind der Luzerner Ammoniak-Beauftragte Markus Bucheli sowie kantonale Politiker(innen) wie die Grünen-Kantonsrätin Laura Spring. Über die Erfahrungen mit seinem Musterstall zur Reduktion von Ammoniakemissionen berichtet Landwirt Franz Röösli aus Hellbühl LU. Dort wurde dieses Jahr die schweizweit erste Cow-Toilet in einem Laufstall für Milchvieh eingerichtet, zur Trennung von Kot und Harn (die BauernZeitung und «die grüne» berichteten). Weitere Musterställe wurden schon vor Jahren im Rahmen des Ressourcenprojekts Ammoniak und Geruch Zentralschweiz realisiert. So 2023 der Milchviehstall der Zukunft bei Familie Zimmermann in Merlischachen SZ und 2024 der Schweinestall der Zukunft bei Familie Sigrist in Ufhusen LU.