Ein Stallbau muss gut geplant sein, denn die Entscheidungen, die man trifft, bestimmen den Arbeitsalltag für die nächsten 20 oder sogar 30 Jahre. Dessen war sich auch Marco Baumann aus Arni BE bewusst. Gemeinsam mit seinen Eltern baute der 28-jährige Meisterlandwirt einen neuen Milchviehstall und vergrösserte den Bestand von 40 auf rund 60 Tiere. An der von DeLaval organisierten Baufachtagung im bernischen Richigen gab er einen Einblick in die Umsetzung seines Neubaus.
Arbeitsabläufe genau studieren
Bereits 2019 begannen Baumanns, über die Zukunft des Betriebs nachzudenken – inklusive der Frage nach der Hofnachfolge, denn wie Marco Baumann ist auch sein Bruder Landwirt. «Wir entschieden uns dann, dass ich den Betrieb alleine übernehmen werde», so der Landwirt. Den Businessplan für die Bank erstellte er selbstständig. Dabei war es ihm wichtig, realistisch zu kalkulieren. «Es wird nicht immer einen Milchpreis von 70 Rappen geben, und auch die Bankzinsen werden vielleicht nicht immer so tief wie jetzt sein», gab Baumann an der Tagung zu bedenken. Er selbst rechnete mit einem Milchpreis von 59 Rappen und einem Zinssatz von fünf Prozent.
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Den Stall plante der Landwirt gemeinsam mit dem Planerbüro von DeLaval. Bei der Planung war für Baumann die Verbesserung der Arbeitsqualität und -effizienz zentral. «Unser Stall ist quasi vollautomatisiert. Neben dem Melkroboter haben wir uns für ein Futterband, einen Entmistungsroboter und eine Schneckenleitung zum Einstreuen entschieden», erklärt er. Die Arbeitsabläufe im Stall versuchte er, so effizient wie möglich zu gestalten. «Es lohnt sich, sich als Betriebsleiter genügend Zeit zu nehmen, um die Arbeitsabläufe im neuen Stall selbst durchzugehen», so der Landwirt. Ihm hat dabei eine sogenannte Bimix-Datei geholfen, die sein DeLaval-Bauplaner für ihn erstellte. Mit ihr konnte der Landwirt virtuell durch seinen neuen Stall gehen, die Arbeitsabläufe durchspielen und so den sogenannten DeLaval-Normstall betriebsspezifisch anpassen.
«Heute, Sonntag, habe ich den Stall inklusive der Kälber, Rinder, Galt- und Mastkühe in zweieinhalb Stunden alleine gemacht. Kürzlich war ich mit meiner Freundin acht Tage in Deutschland und zu Hause hat alles funktioniert», erklärt Baumann. Sich beim Stallbau Ziele zu setzen, war für ihn wichtig. «Man muss wissen, wohin man mit dem Betrieb will.»
Bestandeserhöhung planen
Neben der Verbesserung der Arbeitsqualität und -effizienz setzte sich Marco Baumann auch Ziele im Herdenmanagement. Dazu gehören ein Stalldurchschnitt von 11 500 kg Milch und eine verbesserte Eutergesundheit. Während der Herdendurchschnitt im alten Anbindestall bei 8000 kg Milch lag, liegt er heute bei 11 000 kg. Der Zellzahl-Durchschnitt liegt zwischen 70 000 und 100 000. «Man muss auch berücksichtigen, dass im früheren Anbindestall die Läger und die Melkanlage am Ende ihres Lebenszyklus waren», so Baumann.
Heute fahre er aber auch eine wesentlich konsequentere Strategie, unter anderem dank der vielen Daten, die dem Landwirt durch den Melkroboter zur Verfügung stehen. Kühe, die nicht ins System passen, etwa wegen zu tiefer Milchleistung, zu hoher Zellzahl oder schlechter Fruchtbarkeit, werden heute konsequent ausselektioniert.
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Auch die Bestandeserhöhung von 40 auf 60 Plätze plante der Landwirt frühzeitig. «Wenn ihr plant, in zwei Jahren die Tiere in den neuen Stall einziehen zu lassen, und von 20 auf 60 Kühe aufstocken wollt, lohnt es sich, schon heute zu überlegen, wie ihr den Bestand vergrössern wollt. So können bereits jetzt mehr Tiere gesext besamt werden, damit der Stall nicht erst in drei bis vier Jahren voll ist», so Baumann. Auch er habe frühzeitig mehr Tiere remontiert und so in gut einem Jahr den Stall wieder voll.
Bei der Auswahl der Unternehmen holte Baumann für jede Arbeit drei Offerten ein und achtete darauf, «Gleiches mit Gleichem» zu vergleichen. «Einen Chromstahlbügel kann man nicht mit einem Kunststoff- oder einem verzinkten Bügel vergleichen.»
Ein Planer bringt viele Vorteile
Im neuen Stall von Familie Baumann steckt viel Eigenleistung. Bei den Betonarbeiten vereinbarte der 28-Jährige eine Pauschale und liess sich und weitere Helfer auf Stundenlohnbasis anstellen. «Wir waren ein Polier, ein Handwerker und ich, dazu mein Vater, wenn es ihn brauchte», erzählt Marco Baumann. Auch sein Bruder und seine Schwägerin, die gelernte Sanitärinstallateurin ist, packten tatkräftig mit an. «Ich hatte Glück – das hat nicht jeder.»
Die Stalleinrichtung montierte Baumann, der neben dem Betrieb bei einer Stalleinrichtungsfirma arbeitet, während dreier Wochen selbst. Auch die Bauleitung übernahm er selbst.
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«Es hilft, wenn man oft selbst auf der Baustelle ist, denn es kommt immer wieder eine Frage, wie man etwas haben möchte. Wenn der Planer entscheidet, ärgert er sich nicht die nächsten 20 Jahre über den Entscheid», so Baumann. Trotz der Vorteile der vielen Eigenleistungen sei es ein intensives Jahr gewesen, und jeder Betrieb müsse für sich entscheiden, ob er die nötigen Kapazitäten habe. Denn der restliche Betrieb laufe schliesslich weiter.
Gerade deshalb war Baumann froh, einen Planer an seiner Seite zu haben. «Der Planer kostet zwar, bringt aber auch viele Vorteile», so der 28-Jährige. Insbesondere bei der Kommunikation mit den Ämtern habe ihm die Unterstützung viel Arbeit abgenommen, auch die Kontakte zu den Firmen erwiesen sich für Baumann als hilfreich.
Am 15. November 2024 zogen die Kühe dann in den neu gebauten Stall ein. «Wir haben den Zeitpunkt so gewählt, dass alle Arbeiten auf dem Feld abgeschlossen waren und ich mich auf die Eingewöhnung der Kühe an den Roboter konzentrieren konnte», erklärt Baumann. Er empfehle auch anderen, den Einzug auf eine ruhigere Zeit auf dem Betrieb zu legen.
Am neuen Stall hat nun die ganze Familie Baumann Freude. «Es macht Spass zu sehen, dass man die Ziele, die man sich gesetzt hat, auch hat erreichen können», so Marco Baumann abschliessend.
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