Digitale Systeme wie Smaxtec erfassen vielfältige Informationen einzelner Tiere und der gesamten Herde. Lukas Baumann berichtete an der Fachveranstaltung der Smaxtec AG in Berg SG, dass die Idee des Systems 2006 an der Technischen Universität Graz entstand und 2009 das Unternehmen gegründet wurde. Seit 2014 ist Smaxtec in der Schweiz im Einsatz. Baumann sagte: «Entscheidend ist, dass das System im Betrieb aktiv genutzt wird und nicht nur nebenher läuft. Feuerwehrmann zu spielen, wenn es bereits klinisch ist, gehört der Vergangenheit an – Rauchsensoren stehen für Früherkennung und Prävention. Genau das ist Smaxtec: eine zuverlässige Mitarbeiterin, die 24/7 auf dem Betrieb arbeitet.»
Der mit einem Sensor ausgestattete Smaxtec-Bolus befindet sich im Netzmagen der Tiere. Dort misst er permanent die innere Körpertemperatur, die Bewegungs- und Wiederkauaktivität sowie Wasseraufnahme und Trinkzyklen. Über eine sogenannte Base Station im Stall werden die Daten an die Smaxtec-Cloud übermittelt und dort mithilfe von Algorithmen und künstlicher Intelligenz ausgewertet.
Daten als Entscheidungsgrundlage
Über Laptop oder Mobiltelefon haben Anwender(innen) Zugang zum System, können Tiere markieren, vergleichen und Auffälligkeiten erkennen. Die grafischen Darstellungen machen Veränderungen bei Laktationen, Stoffwechselparametern oder im Verhalten sichtbar.
Katharina Kogler ging im Anschluss auf die praktische Nutzung der Smaxtec-Apps ein. Sie erklärte die verschiedenen Oberflächen, Einstellungsmöglichkeiten und Funktionen der mobilen und webbasierten Anwendungen. Dabei wurde gezeigt, dass sich das System an die Bedürfnisse jedes Betriebs anpassen lässt – von der Auswahl relevanter Kennzahlen über Alarmfunktionen bis hin zur persönlichen Gestaltung der Benutzeroberfläche. Es wurde erklärt, dass den Landwirtinnen und Landwirten die Informationen bereitgestellt werden sollen, die sie im Alltag benötigen, ohne dass sie mit Daten überfordert werden.
«Durch die innere und konstante Temperaturmessung im Netzmagen können Erkrankungen erkannt werden, noch bevor äussere Symptome auftreten – und deutlich vor Veränderungen im Fress- oder Wiederkauverhalten», sagte Kogler.
So lassen sich Krankheiten wie Milchfieber, Ketose oder Mastitis häufig bereits im Frühstadium erkennen und in vielen Fällen kann eine klinische Erkrankung verhindert werden. Zudem liefert der Bolus Informationen zur Brunst mit optimalem Besamungszeitfenster, informiert rund 15 Stunden im Vorfeld über den Abkalbezeitpunkt und kann auch auf Aborte hinweisen.
Integration in den Betriebsalltag
Wie diese digitalen Informationen im Alltag genutzt werden, erklärte Charly Wattenhofer. «Der Pansen ist der Motor der Kuh», sagte er. Nur mit einem stabilen Pansen, ausreichender Wasseraufnahme und genauer Beobachtung können die Tiere ihre Leistung bringen. Die Daten helfen, kritische Kühe früh zu identifizieren und rechtzeitig einzugreifen.
Smaxtec ist zudem mit anderen Herstellern kompatibel, darunter Melktechnik-Anbieter sowie Tierverkehrsdatenbanken wie Agate. Dadurch lassen sich Daten aus verschiedenen Systemen verknüpfen und bestehende Stalltechnik sinnvoll in ein ganzheitliches Herdenmanagement integrieren.
Von digitalen Messwerten zur tierärztlichen Intervention
Im Stall wurde deutlich, wie aus digitalen Messwerten praktische Massnahmen folgen. Eine Kuh wurde anhand der Smaxtec-Bolus-Daten identifiziert, da ihre Parameter Auffälligkeiten zeigten. Daraufhin führte Charly Wattenhofer die orale Gabe mit «Easy Drench» durch, einem System zur gezielten Flüssigkeits- und Nährstoffverabreichung über eine Schlundsonde. Dabei erläuterte er Schritt für Schritt die Fixation der Kuh, das korrekte Einführen der Sonde sowie die Kontrolle der richtigen Lage im Vormagen. Bart Hofsteenge aus den Niederlanden war als Vertreter von «Easy Drench» anwesend und begleitete die praktische Vorführung.[IMG 2]
Tierarzt Beat Berchtold, Experte für tierärztliche Bestandesbetreuung, ergänzte die praktische Vorführung mit fachlichen Erläuterungen. Er erklärte, dass das Drenchen die Wiederkautätigkeit anregt, den Kreislauf stabilisiert und die Pansenfunktion unterstützt. Das Drenchen werde bei verschiedenen Indikationen eingesetzt, etwa nach der Abkalbung, bei verminderter Futteraufnahme, Ketose, Mastitis, Labmagenverlagerungen oder Verdauungsstörungen. Wasser fungiere dabei als Lösungsmittel für Nährstoffe, stabilisiere die Darmflora, unterstütze die Thermoregulation und erleichtere die Aufnahme wichtiger Spurenelemente.
«Drenchen ersetzt keine Diagnose»
Berchtold betonte, dass nur Tiere mit auffälligen Parametern behandelt werden sollten. Er verwies zudem auf wichtige Grenzen der Anwendung: Die Sonde müsse korrekt sitzen, das Drenchen sei auf maximal drei Tage beschränkt und bei Tympanie, starker Apathie, Symptomen der Blauzunge oder bei liegenden Tieren nicht durchzuführen. «Drenchen ist ein Werkzeug, das gezielt eingesetzt werden muss und keine Diagnose ersetzt», fasste er zusammen.