Im Herbst stossen die Mäuse immer gerne, und die Haufen sind gut sichtbar. Davon sollte man sich nicht täuschen lassen: Verlässlicher sind die Frühlings-Radare der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues (AGFF).

AGFF-Radar zeigt die Entwicklung

Schaut man sich den Mäuse-Radar der AGFF an den Standorten in der Zentralschweiz und im Aargau an, zeigt sich folgendes Bild: Die Aargauer-Mittellandstandorte befinden sich nach weniger Mäusen im 2023 «nach wie vor auf erhöhtem Niveau – Tendenz steigend». Um Mäuse effizient zu jagen, sei nun letzte Gelegenheit. Zwischen 50 bis 80 Mäuse pro Hektare schätzte man im Frühjahr an den Standorten im Luzerner Mittelland (Eschenbach LU, Retschwil LU, Alberswil LU und Malters LU). Die Lage bleibe angespannt, eine Mäuse-Regulierung sollte in Betracht gezogen werden. Geringfügig bis deutlich zurückgegangen sind die Schermauspopulationen im Zuger Mittelland und im Säuliamt. Hier gab es 2024 einen Ausschlag nach oben mit um die 150 Mäuse pro ha. Noch lohne sich eine Bekämpfung, um einen nächsten Anstieg zu verzögern. Im Napfgebiet hat der neue Schermaus-Zyklus so richtig Fahrt aufgenommen. Die Populationen sind in der Wachstumsphase mit teilweise bereits über 100 Tieren pro ha (Standort Escholzmatt LU). Die AGFF empfiehlt, die Mäusebestände nur noch in und um besonders wertvolle Kulturen wie Obstanlagen oder Gärten zu regulieren. Natürlich kann der Mäusebefall lokal von Parzelle zu Parzelle stark variieren. Hingegen zeigt die Entwicklung der Mäuseradar-Beobachtungsparzellen an, ob die Schermausbestände regional stagnieren, zu- oder abnehmen.

Wenn schon mausen, dann richtig und konsequent

Massenvermehrung und Zusammenbruch haben natürliche Ursachen, deren Zusammenhänge noch nicht ausreichend entschlüsselt sind. Das Klima spielt sicher eine Rolle, dass die Mäuseschäden über die letzten Jahrzehnte zugenommen haben und der Populationszyklus stark variiert. «Das warme Wetter führt dazu, dass im Herbst das Gras noch lange wächst und häufig zu hoch einwintert. Darin finden die Mäuse Schutz und können sich während der immer milderen Wintermonate erfolgreich vermehren. Auch eine langanhaltende schützende Schneeschicht kann verheerend sein», sagt der erfahrene Herbert Schmid, Lehrer und Berater für Futterbau am LZ Liebegg in Gränichen AG. Unvergesslich für ihn der Frühling 1999, als etwa in Futterbaugebieten rund um Luzern die Wiesen komplett «braun» aus dem Winter kamen. Gezählt wurden weit über 300 Mäuse pro ha, ein Totalschaden für etliche Landwirte. Aktuell beobachtet Herbert Schmid grosse Unterschiede in der Region. Wer maust, sollte dies richtig tun und konsequent, und zwar dann, wenn die Population noch tief sei. Irgendwann sei dann eine Schwelle erreicht, wo es besser sei, nicht mehr einzugreifen. «Laisser faire» ist dann das Motto, man lässt die Mäuse sich vermehren, bis es zu einem Zusammenbruch der Population kommt.

Mäusebekämpfung ist ein gern diskutiertes Thema. Fachleute von Agroscope und AGFF empfehlen, die Mäuse so lange zu bekämpfen, als die verschiedenen Kolonien noch unterschieden werden können. Spätestens ab 100 Mäusen pro Hektare ist dies nicht mehr der Fall. Warten, bis die Population zusammenbricht, geht je nach Region und Parzelle lange, gemäss klassischem Zyklus bis zu sieben Jahre. Das mit dem Mausen ist also so eine Sache. Heute fehlten auf den meisten Betrieben Leute mit Zeit, um in Grasland Mäuse zu bekämpfen. Dafür würden vermehrt Räuber gefördert wie Eulen, Wiesel oder Mäusebussarde. Man konzentriere sich vor allem auf das Sanieren der Wiesen. Etwa mit Übersaaten oder Neuansaaten, je nach Schadenbild. Einige Gemeinden würden das Mausen noch fördern mit einer beachtlichen Abgeltung pro «Mausschwanz», etwa im Baselbiet, weiss Schmid. Für Schülerinnen und Schuler eine coole Sache, findet der Futterbaulehrer. Aber auch für professionelle Mäusebekämpfer.

Mäuse kosten – so oder so

Das Gelingen von Übersaaten im Frühling ist stark witterungsabhängig. Wer viele Parzellen übersäen muss oder will, kann das Risiko minimieren, in dem er nicht in alle Parzellen gleichzeitig investiert, sondern aufteilt in Frühling oder Herbst. Übersaaten werden vom Altbestand geschützt und erfrieren im frühen Frühling – im Gegensatz zu Neuansaaten – kaum. Die Kosten einer Übersaat werden durch den wertvolleren Pflanzenbestand, den höheren Ertrag und das sauberere Erntegut rasch aufgewogen.

Ab Lücken von 50 Prozent spricht man von einem Totalschaden, eine Neuansaat ist dann unumgänglich. Gute Futtergräser können gefördert werden, indem man Naturwiesen gelegentlich versamen lässt.

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250 Gramm Pflanzenwurzeln täglich

In Gebieten mit vielen Futter- oder Obstbauflächen sprechen Experten von zwei unterschiedlichen Verläufen der Population. Im Grünlandgebiet bekannt ist vor allem «ein paar Jahre relative Ruhe, dann eine kurze Phase der Massenvermehrung mit anschliessendem Zusammenbruch». Bei diesem meist regelmässigen Zyklus geht man von einer Dauer von rund sechs Jahren aus. Der zweite Verlauf ist die Glockenkurve. Wachstumsphasen dauern hier länger, der Peak ist nicht so hoch wie beim ersten Beispiel. Der Zyklus ist unregelmässiger.

Die Schermaus (Arvicola terrestris) ist die Wühlmaus, die in der Landwirtschaft die grössten Flurschäden verursacht. Sie frisst täglich ihr eigenes Körpergewicht an Pflanzenwurzeln, also bis gegen 250 Gramm. Weiter bekannt auf Schweizer Feldern sind der Maulwurf und die Feldmaus. Beide sind weitaus unbedeutender. Maulwürfe sind seltener, Feldmäuse zudem nur rund 40 Gramm schwer. Ein Schermaus-Pärchen aber kann pro Saison um die 40 Nachkommen haben. Diese verlassen nach drei Monaten den Bau, geschlechtsreif sind sie bereits nach fünf Wochen. Das theoretische Vermehrungspotenzial eines Pärchens mit seinen Kindeskindern beläuft sich auf rund 500 Mäuse jährlich. Keine Freude haben Mäuse an heissen Sommern und kalten Wintern. Ein später Wintereinbruch verhilft zu «Extrawürfen».

Populationen mit dem Schermaus-Radar ermitteln

Das Schermaus-Radar ist ein Instrument, um die Dichte von Mäusepopulationen zu messen. Seit Frühling 2010 werden von Agroscope und der AGFF jährlich die Dichten von Schermauspopulationen an rund 50 Standorten im Deutschschweizer Mittelland und den angrenzenden Hügelgebieten ermittelt. Das Schermaus-Radar hilft in Kombination mit einer Beurteilung der Lage auf dem eigenen Betrieb beispielsweise, folgende Fragen zu beantworten:

- Wann ungefähr kann mit einem Populationszusammenbruch gerechnet werden?
- Bis wann lohnt es sich, Mäusebekämpfung zu betreiben?
- Wann muss man damit beginnen, Futterreserven anzulegen, um bei einem allfälligen Totalschaden in den Wiesen glimpflich davonzukommen?