"Braunvieh bi de Lüüt" gastierte kürzlich in Andwil TG bei Heinz und Heidi Haffa. Obwohl es tagsüber bestes Heu- und Silierwetter war, nahmen um die 160 Personen am Abendanlass teil. Nach dem freien Betriebsrundgang stellte Heinz Haffa seinen Betrieb und seine Zuchtziele vor, sein Bruder Daniel Haffa das Lohnunternehmen Maschinenbetrieb Haffa.
Hohe Eiweissgehalte
Heinz Haffa führt den Betrieb in Andwil in der vierten Generation. Durch Landzukauf wuchs der Betrieb flächenmässig. Auch bei der Tierhaltung wurde aufgestockt. Sein Grossvater hatte mit 14 Kühen begonnen, Heinz Haffa hält heute 50 Kühe. Als sie den Laufstall bauten, fing er zudem an, auf grössere Kühe zu züchten. Die Milchleistung stieg damit von 6000 kg auf über 9000 kg an. "Die bessere Futterqualität hat sicher auch zur Leistungssteigerung beigetragen", meinte Haffa, der silofrei produziert. Sein Zuchtziel sind Kühe mit guter Tiefe und hohen Eiweissgehalten, denn die 370 000 kg Milch werden zu Müller-Thurgau Käse verarbeitet. "Ich züchte Braunvieh, weil dies eine ruhige Rasse mit langlebigen Tieren und guten Eiweissgehalten ist", führte Haffa aus. Er hat zwei Zuchtlinien. "Bei der F-Linie ist die Stammkuh 1 Freia. Bei der Z-Linie war die Stammkuh Zita, die Grossmutter von Zira 10", erklärte der Betriebsleiter.
"Wir versprechen uns von dieser Technologie mehr Zuchtfortschritt."
Andreas Fleisch, Swissgenetics, zuständiger Tierarzt für Embryotransfer in Ins BE.
Immer mehr Embryotransfer
Um Fruchtbarkeit und Reproduktionstechniken ging es im anschliessenden Referat von Andreas Fleisch. Er ist Tierarzt und bei Swissgenetics zuständig für die Embryotransfer-Station in Ins. Die Zahlen für Embryotransfer (ET) in der Viehzucht steigen in der Schweiz seit Jahren, berichtete Fleisch. Bei ET werden einer Kuh mit guten Zuchtwerten befruchtete Embryonen entnommen (gespült) und bei einer anderen Kuh eingepflanzt.
Gründe, die für ET sprechen, sind unter anderem mehr Kälber pro Kuh und Jahr – im Schnitt vier Kälber –, eine bessere genomische Selektion und die Verkürzung des Generationenintervalls. "ET mit gesextem Samen ist zwar teurer, dafür gibt es keine Stierenkälber und es sind keine Manipulationen am Embryo nötig", erläuterte der Referent.
Grundsatzfrage bei In Vitro
Die In Vitro Reproduktion geht noch einen Schritt weiter als ET. Bei dieser Technik werden die Eizellen direkt vom Eierstock abgesaugt und im Reagenzglas befruchtet. Die befruchteten Eizellen werden im Labor während sieben Tagen kultiviert und dann auf Empfängertiere übertragen. In der Schweiz wird diese Technik bis jetzt im kleinen Rahmen angewendet. Bei Swissgenetics verspricht man sich von den Embryonentechnologien, kombiniert mit genomischer Selektion, eine gezielte und systematische Nutzung der besten Tiere. «Selbstverständlich wollen wir das Wissen und die Anwendung dieser Technologien weiterentwickeln und den Züchtern zur Verfügung stellen», betonte Andreas Fleisch.
Für den ebenfalls anwesenden Reto Grünenfelder, Präsident von Braunvieh Schweiz, ist klar, dass auch hierzulande bald ein Grundsatzentscheid für oder gegen In Vitro fallen wird. "Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir uns abgrenzen oder mit der Zeit mitgehen wollen", sagte er, im Wissen, dass diese Zuchttechniken immer auch eine gewisse Brisanz mit sich bringen.
Betriebsspiegel
Name Heinz und Heidi Haffa
Ort Andwil TG
Ackerfläche 36 ha, davon 28,5 ha Naturwiese, 7,5 ha Ackerfläche und 1 ha Wald
Viehbestand 50 Kühe, 26 Rinder im Aufzuchtvertrag, einige Ponys
Betriebszweige Milchviehhaltung, Braunviehzucht, 350 Obststammbäume, Photovoltaik (Dachfläche vermietet an MBR Thurgau)
Weiteres Verkauf und Reparatur von Velos und E-Bikes