«Wir raten den Waldbesitzern nur zu holzen, wenn ein Angebot zu fairen Preisen vorliegt», betont Florian Landolt, Leiter Kommunikation und Politik bei Wald Schweiz, dem Verband der Waldeigentümer. Aufgrund der aktuell grossen Nachfrage erwarte der Verband beim Rundholz eine Preissteigerung von rund 30 Prozent gegenüber den Preisen vom Frühling. Dies mache den Holzschlag für die Waldbesitzerinnen wieder kostendeckend und es erlaube notwendige Investitionen zu tätigen.
Holzen ist defizitär
Rund 16 Franken hätten Waldbesitzer 2020 im Schnitt pro Kubik Rundholz draufgelegt, wie die Zahlen des Testbetriebsnetzes des Bundes aufgezeigt haben. Dies ist mit eine Folge davon, dass seit Anfang der 1990er-Jahre laufend sinkende Rundholzpreise verkraftet werden mussten. Statt auf einheimisches Holz setzten Verarbeiterinnen und Baubranche teilweise auf Importe von billigerem Holz. Ausserdem profitierten sie vom trockenen Wetter und dem Borkenkäfer, wodurch reichlich Schadholz auf den Markt drückte, das, egal zu welchem Preis, verkauft werden musste.
Kaum Schadholz
Mit Corona und steigenden Energiepreisen ist Holz weltweit knapp geworden, die Nachfrage deutlich gestiegen und damit auch die Preise für Konstruktionsholz – wenn es überhaupt erhältlich ist. Kommt hinzu, dass ausgerechnet heuer das Schadholz fehlt. Nur bei den Schweizer Waldbesitzerinnen ist dieser Holzboom und die damit verbundene Preissteigerung bisher zu wenig angekommen. Wer Holz will, soll es frühzeitig bestellen und ein faires Angebot an die Waldbesitzer machen, dieser Meinung ist Wald Schweiz. «Wir empfehlen ausserdem beim Holzverkauf auf langfristige Partner zu setzen», rät Florian Landolt.
Zwar steht in den Schweizer Wäldern genügend des begehrten Laubholzes. Rund drei bis vier Millionen Kubikmeter könnten jährlich zusätzlich geerntet werden, schätzt Wald Schweiz. Jedoch bestehen auch bei den Verarbeitungsbetrieben Engpässe, um der gestiegenen Nachfrage nachzukommen. Vor einer Übernutzung müsse man sich jedoch auch aus einem anderen Grund nicht fürchten, so Florian Landolt: «Die Schweiz hat weltweit eines der strengsten Waldgesetze. Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde mit dem Forstgesetz von 1876 im Schweizer Wald eingeführt. Seither wird das Prinzip, dass nicht mehr Holz geerntet werden darf, als nachwächst, angewendet». Auch der Weg hin zu einer verlässlichen Einnahmequelle wie es der Wald früher war, ist noch weit. Aber die Zeichen für kostendeckende Rundholzpreise stehen in der Zukunft immerhin besser als auch schon.