Die Nachfrage nach Stammholz ist ungebrochen hoch: «Wir werden bestürmt mit Anfragen von Abnehmern, die Holz suchen. Kaum ist ein Polter bereit, fährt schon der Lastwagen für den Abtransport vor», sagt Lukas Gerig, Geschäftsleiter der Panforst AG in Ballwil LU, die im Mandat Dienstleistungen für die Luzerner Waldorganisation Seetal-Habsburg erbringt.
Fichtenholz bleibt weiterhin gefragt
Die Preise für Fichte seien im Vergleich zu den Vorjahren stark gestiegen und lägen teils deutlich über 110 Franken pro m³, sagt Lukas Gerig. Das mache das Holzen wieder attraktiver. Gleichwohl stellt er fest, dass im Kanton Luzern die meist bäuerlichen Waldeigentümer eher zögerlich reagieren, trotz der positiven Zeichen seitens der Nachfrage. Auf noch bessere Preise zu warten, sei aber fragwürdig. Der aktuelle Bedarf der Holzabnehmer sollte jetzt besser gedeckt werden, findet Gerig.
Auch Wald Schweiz empfiehlt, die Nutzung von Nadelholz, vor allem von Fichte, zu forcieren, um von den in diesem Jahr herrschenden guten Aussichten auf dem Markt zu profitieren.
Die Nachfrage nach Energieholz hält an
Im Gegensatz zu Stammholz werde allerdings für Industrieholz weiterhin schlecht bezahlt. So müssten sich die grossen Werke nicht wundern, wenn solches Holz in den Energiekanal abwandere und zu Schnitzeln zum Heizen gehäckselt werde, stellt Gerig fest. Bei Energieholz sei die Nachfrage für alle Segmente hoch. Zumal Buchenholzstämme im Bausektor weniger gefragt sind, werde Buchenholz minderer Qualität dazu beitragen, die starke Nachfrage nach Energieholz zu befriedigen.
Regie- und Akkord-Holzerei im Angebot
Die gute Nachfrage beim Nadelholz bestätigen mehrere angefragte Forstunternehmer.
Sie seien sehr gut ausgelastet, sagt Paul Baggenstos von der Baggi GmbH in Goldau SZ. Zusammen mit einem Mitarbeitenden, einem Landwirt, führt er vor allem im Winter Holzerarbeiten durch – mehrere 1000 m³ –, aber auch viel Gartenarbeit und Dienstleistungen für Gemeinden. Gearbeitet werde oft in Regie, aufgrund aufwändiger und eher kleinerer Schläge auch in Bachtobeln. «Wir machen oft das, was Grosse nicht können», sagt Baggenstoos. Wenn die Parzellen aber stimmen, so holze er auch im Akkord, so um die 40 Franken pro m³.
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Gefällt wird meist manuell. Am Traktor könne er zwar auch einen Prozessor anbauen, wie auch einen kleinen Seilkran, erklärt der Schwyzer. Eine HSM-Kombimaschine übernehme die Funktion von Zangenschlepper und Forwarder. Den Maschinenpark wolle er übersichtlich halten, wie auch die Einsatzdistanzen, sonst werde die Holzerei zu teuer, sagt Baggenstos. Bei privaten Waldeigentümern stelle er schon auch eine verhaltene Bereitschaft zum Holzen fest. Aufgrund der guten Preise sei das eigentlich nicht verständlich. «Die Marktlage sollte nun genutzt werden», sagt er mit Nachdurck. Fichtenholz laufe sehr gut, vor allem Schwachholz für die grossen Werke wie Schilliger in Küssnacht SZ, während starke Durchmesser vergleichsweise weniger gut bezahlt würden.
Junge wollen nicht mehr selber holzen
Forstunternehmer Walter Betschart aus Arth SZ hat sich eher auf die vollmechanisierte Ernte spezialisiert – mit Vollernter, Forwarder und Forsttraktor. Der Zweimannbetrieb ist neben Schwyz auch in Zug, Zürich und Luzern im Einsatz und schlägt jährlich bis zu 20000 m³.
Vor allem Korporationen würden planen und regelmässig nutzen; private Waldeigentümer eher kleine Mengen und unregelmässiger. Diese Saison stellt Betschart aber auch bei den Privaten eine höhere Nutzungsbereitschaft fest, dank der spürbar besseren Preise. Vor allem Nadelholz werde sofort abgeführt, Buche sei aber wenig nachgefragt.
Der Trend gehe bei den bäuerlichen Waldeigentümern klar in Richtung Forstunternehmen, vor allem bei den Jungen, stellt Walter Betschart fest. Ältere Bauern würden ihre Wälder noch eher selber nutzen.
Betschart führt rund die Hälfte der Schläge im Akkord aus, ebenfalls für 40 Franken im Schnitt, die Hälfte aber in Regie. Er habe über Jahre Vertrauen aufgebaut und die Kunden seien deshalb bereit, ihm die Arbeiten in Regie anzuvertrauen, sagt er.
Die Vogelbrut setzt Grenzen
Ein grosser Player auf dem Markt ist Tobias Wiss vom gleichnamigen Forstunternehmen aus Dietwil AG. Mit 18 Mitarbeitenden werden in den Regionen Aargau, Zürich, Zug und Luzern jährlich rund 90 000 m³ Holz geerntet. Vier Vollernter, drei Forwarder und drei Zangenschlepper stehen im Einsatz.
Je nach Besitzerstruktur wird in Regie oder Akkord gearbeitet, oder auch ab Stock gekauft. 40 bis 45 Franken pro m³ müsse er bei Akkord meist verrechnen, zumal Löhne und Maschinenkosten deutlich gestiegen seien, sagt Wiss. «Für 35 Franken braucht es schon sehr einfache Schläge ohne Handarbeit», erklärt er.
Derzeit laufe die Holzerei auf Hochtouren, gestartet werde jeweils ab August. Je nach Kanton sei aber Ende März oder Mitte April schon wieder Schluss, wegen der Auflagen für die Brutzeiten von Vögeln auf Bäumen.
Während öffentliche Waldeigentümer über die Jahre konstant genutzt hätten, stelle aber auch er bei Privaten jetzt wieder ein grösseres Interesse fest: «Die Holzerei ist wieder wirtschaftlicher geworden, es liegt ein Erlös drin.» Allerdings müsse eben das Wetter stimmen, und oft sei die Nutzung in Privatwäldern anspruchsvoller und aufwändiger. «Aber auch schwierigere Schläge lohnen sich nun wieder», ermuntert Wiss zur vermehrten Waldnutzung. «Wenn nicht jetzt, wann dann?»
Es lohne sich nicht, auf noch höhere Preise zu setzen, das Wetter oder Naturereignisse könnten plötzlich wieder einen Strich durch die Rechnung machen und die Wirtschaftlichkeit verschlechtern.