Die Nutzung von Energie aus Holz habe weiterhin Potenzial. Das war am Freitag, 7. November, an einer Tagung der Fachvereinigung Holzenergie Kanton Bern in den Räumlichkeiten von Energie Wasser Bern (EWB) mehrfach zu hören. Es gibt zur Energieholznutzung, aber auch kritische Stimmen – und Vorurteile. Das weiss Laurent Audergon, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz, nur zu gut. Er war zwar nicht als Referent gelistet, hielt aber dennoch eine kurze – und wie einige Teilnehmer am Ende der Veranstaltung gegenüber dieser Zeitung betonten – spannende Rede.

Zu viel Asche landet auf den Deponien

So erklärte Laurent Audergon: «Wir haben den Auftrag, den Wald zu dekarbonisieren.» Dazu müssten alle Akteure der Branche mobilisiert werden. Nötig seien dazu Kreislaufwirtschaft und Kaskadennutzung. Gemeint ist damit eine abgestufte Nutzung, bei der der Rohstoff Holz jeweils seiner Qualität entsprechend optimal genutzt wird. Zur Kreislaufwirtschaft gehört auch die Nutzung der aus der Holzenergie anfallenden Asche.

Jährlich fallen hierzulande 80 000 Tonnen Asche an. Lediglich fünf Prozent davon werden in der Zementindustrie weiterverwendet, der Rest landet auf den zunehmend knapper werdenden Deponien. Dabei habe Asche von naturbelassenem Holz ein viel grösseres Potenzial, erläuterte Laurent Audergon. Es biete sich die Chance, diese Asche als Kaliumdünger einzusetzen. Die Asche aus naturbelassenem Holz besteht zu 26 Prozent aus Kaliumoxid.

Viele Möglichkeiten zum Einsatz von Asche

«Wir könnten mit dem Kalium aus der Holzasche den ganzen Import-Kaliumdünger ersetzen», erklärte Laurent Audergon. Agroscope habe kürzlich die dritte Studie dazu abgeschlossen. Der Schlussbericht werde in den nächsten Wochen publiziert. Eine weitere Möglichkeit der Aschenverwertung bestehe darin, Waldwege aus Holzasche und Lehm zu bauen. In Deutschland und Finnland werde dies bereits praktiziert. «Wir sollten das auch tun», meinte Audergon.[IMG 2]

Auch der Einsatz von Holzasche als Zusatzstoff bei der Kompostierung wäre möglich, sofern die Gesetzeslage angepasst würde. Denn hierzulande ist ein derartiger Einsatz nur Privatpersonen erlaubt. In Deutschland und Österreich dagegen gebe es ein Ökolabel für Aschenzusatzstoffe für die Kompostierung. Und diese Stoffe würden auch in die Schweiz importiert, weiss der Fachmann.

Holzenergieforum im Januar in Olten

«Wir müssen mit alten Mythen aufräumen», machte Laurent Audergon weiter klar. Das erste Holzenergieforum, das allen Akteuren der Waldwirtschaft offensteht und am 14. Januar in Olten stattfinden wird, diene deshalb auch dazu, Vorurteile abzubauen.

Am Berner Holzenergietag überbrachte zudem Beat Zaugg, Präsident der Berner Waldbesitzer, ein Grusswort. Daniel Leuenberger erläuterte die Herausforderungen des EWB beim Betrieb der Forstzentrale. Er zeigte auch geplante Projekte auf, etwa die Wärmerückgewinnung aus dem Wasserdampf des Kamins der Energiezentrale Forsthaus oder die Prüfung verschiedener Arten von Wärmespeichern.

Einen Verdienst für alle erzielen

Andreas Keel von Holzenergie Bern präsentierte viele Zahlen aus den Ergebnissen des ersten regionalen Energieholzmonitorings 2024 (siehe Kasten und Grafiken). Thomas Rohrer von Lignocalor erläuterte die Abläufe bei der Versorgung mit Waldholz und zeigte auf, wie wichtig eine konstante Durchmischung von Altholz und Energieholz für den Be-trieb des Heizkraftwerkes ist. Markus Moser von der Frienisberger Holz AG sprach über Chancen des Waldenergieholzes. Energieholz sei gut handelbar. Zudem unterstütze Energieholz den Aufbau und die Bewirtschaftung der Wälder mit klimatauglichen Baumarten. Er ist überzeugt, dass der Laubholzanteil weiter zunehmen, die Nadelhölzer dagegen abnehmen werden.

Wandfluh glaubt an die Kreislaufwirtschaft

Zum Schluss zog Ernst Wandfluh, Nationalrat und Präsident von Holzenergie Bern, ein Fazit. «Wir sind gut und nachhaltig», betonte er. Er glaube an die Kreislaufwirtschaft Holz. Auch aus seiner Sicht ist weiteres Potenzial für Energieholz vorhanden. Wichtig sei, dass die Forstunternehmen das gan-ze Jahr über Arbeit hätten. Es müssten sich alle Akteure der Branche gemeinsam dafür einsetzen, dass das Holz aus dem Wald komme. Jede Stufe müsse einen Verdienst erzielen können. Dennoch solle der Rohstoff Holz konkurrenzfähig sein. Und dazu brauche es eine gute kantonale Politik, betonte der Nationalrat.

Das Energieholzmonitoring

Im Auftrag des Berner Amtes für Umwelt und Energie erarbeitete Holzenergie Kanton Bern ein regionales Monitoring zum Energieholz. Überprüft worden seien etwa der Verbrauch an Energieholz per Ende 2024, Potenziale an Energieholz sowie geplante grosse Projekte, so Andreas Keel. Unterteilt wurden die Zahlen auf die zehn Verwaltungskreise. In einem aufwändigen Verfahren wurde auch der Verbrauch pro Gemeinde errechnet. Gesamtschweizerisch sei das Energieholzpotenzial zu über 80 Prozent ausgeschöpft, erklärte Keel. Der Kanton Bern verfüge aber noch über ein grösseres Potenzial an Waldenergieholz. Zudem stehe rund die Hälfte der schweizweit knapp 20 000 Stückholzheizkessel im Kanton Bern. Das grösste Potenzial an Waldholz zeigte das Monitoring für die Verwaltungskreise Berner Jura (62 612 m³/Jahr) und im Emmental (68 199 m³/Jahr).

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