Wie sieht der Berner Wald in Zukunft aus? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Waldbesitzer, sondern auch die Politik. Dass das Thema bewegt, zeigte sich am Wald-Podium am Montagabend, 9. Februar 2026, im Rathaus in Bern. Der SVP-Nationalrat, Landwirt und Waldbesitzer Ernst Wandfluh aus Kandergrund, leitete zusammen mit Daria Winkelmann das Podium und fühlte den Regierungskandidatinnen und -Kandidaten Daniel Bichsel (SVP), Tom Gerber (EVP), Hervé Gullotti (SP), Reto Müller (SP), Philippe Müller (FDP), Pierre Alain Schnegg (SVP), Aline Trede (Grüne), Tobias Vögeli (GLP), auf den Zahn. Wandfluh und Winkelmann wollten von den Politikerinnen und Politiker wissen, wie sie die Wald- und Forstwirtschaft angehen würden, im Falle, dass sie Ende März den Sprung in den Regierungsrat schaffen würden.
Der Wald steht unter Druck
Beat Zaugg, Präsident der Berner Waldbesitzer, eröffnete das Podium. «Die Waldflächen im Kanton Bern sind vielfältig verteilt und umfassen insgesamt etwa 178 000 Hektaren, was etwa einem Siebtel der gesamten Schweizer Waldfläche entspricht», hält er fest. Der Wald sei deshalb im Kanton nicht nur ein bedeutender Wirtschaftszweig, sondern auch Lebensraum für Tiere und Pflanzen. «Nicht vergessen dürfen wir, was der Wald für Sportler und Naherholende alles bietet», so Zaugg.
Doch der Berner Wald stehe unter Druck: Nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch wegen des Rotwilds. «Die Waldverjüngung ist entscheidend für die Gesundheit des Waldes. Sie ist die Grundlage für einen stabilen, vielfältigen und klimaresilienten Forst, der nur so seine Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen langfristig erfüllen kann», sagt Zaugg. Darin waren sich auch alle Regierungskandidatinnen und -kandidaten einig. Je «linker» das Lager, desto mehr wünschte man sich mehr Biodiversität im Wald. Je «rechter», unterstütze man die Waldnutzung und Holzproduktion. Hier einige Aussagen der Regierungskandidatinnen und -kandidaten:
Philippe Müller: «Ich finde es wichtig, dass eine Bewirtschaftung im Wald stattfindet. Beim Rotwild braucht es mehr Regulierung. Als Lösungsansatz sehe ich hier die Ausdehnung der Jagdzeiten.»
Pierre Alain Schnegg: «Nicht nur die Produktion, sondern auch der Schutz des Waldes sehe ich als wichtig an. Dazu kommt, dass viele Menschen im Wald Erholung suchen. Grundsätzlich bin ich aber gegen Subventionen, die für den Wald gesprochen werden.»
Daniel Bichsel: «Ich bin ganz klar für eine Waldnutzung. Doch auch die öffentliche Hand muss sich finanziell an den Waldleistungen beteiligen. Die Mountainbike-Routen im Wald nehmen zu, hier ist die Gemeinde zum Unterhalt verpflichtet.»
Den Wildbestand regulieren
Tom Gerber: «Der Wald liefert uns nachwachsenden Rohstoff. Dank guter Bewirtschaftung halten wir den Wald gesund. Doch wir dürfen die Bevölkerung nicht ausser Acht lassen. Bei Holzschlägen gilt es mehr zu informieren, damit keine Spannungsfelder entstehen.»
Hervé Gullotti: «Wir müssen sicher den Wald besser schützen. Bei Holzschlägen muss daher immer eine Bewilligung vorliegen. Wenn man sich daran hält, gibt ein auch keine Probleme mit der Gesellschaft.»
Raphael Lanz: «Der Wald hat ein wichtige Schutz- und Nutzfunktion. Wenn Biker in den Wald gehen, muss das geordnet sein. Nicht nur bei kleinen Bauten, sondern auch bei grossen, sollte mehr Reklame für Schweizer Holz gemacht werden.»
Reto Müller: «Ich wünsche mir eine nachhaltige Nutzung mit entsprechendem Schutz. Bei den Bikern im Wald muss der Kanton mehr Verantwortung übernehmen. Die bestehenden Wege dafür müssen genutzt werden.»
Aline Trede: «Mir ist es wichtig, dass sich im Wald die Nutzung, die Erholung und die Biodiversität in einem Gleichgewicht befinden. Wegen des Klimawandels müssen wir in Zukunft die passenden Bäume finden.»
Tobias Vögeli: «Es ist sinnvoll, dass wir den Wildbestand regulieren. Sonst ist der Verbiss in den Wäldern noch grösser. Wo der Luchs heimisch ist, haben wir auch weniger Schäden.»