Zugegeben: Ab 800 m ü. M liegt noch Schnee, nachts gefriert es selbst noch im Mittelland. Doch mit den wärmeren Temperaturen um Ostern wird das Gras wohl «explodieren», wie es Fachleute nennen. 

In vielen Regionen wird spätestens Mitte April siliert, zwei Wochen später Heu gemäht. Profis beachten dabei nicht nur Stadium, Wetter, Boden, Schnitthöhe und vieles mehr, sondern kümmern sich auch um die Fauna. Rehkitze etwa kommen hauptsächlich im Mai und Juni zur Welt. Die Setzzeit erstreckt sich jedoch von Mitte April bis Mitte Juli.

Jagdgesellschaften rechtzeitig informieren

Die Stiftung Natur und Wild Luzern organisierte in Zusammenarbeit mit Revierjagd Luzern und Wildtier Schweiz einen Kursabend zum Thema «Tierschonende Rehkitzmarkierung». Rund 30 Jägerinnen und Jäger aus dem Kanton Luzern, die für die Rehkitzmarkierung befugt sind, bildeten sich fort.

Vor der Mahd die Felder untersuchen

Tierschonende Rehkitzmarkierung und Rehkitzrettung seien von grosser Bedeutung. Es schmerze das Jäger- sowie das Landwirtherz, wenn ein Rehkitz für die Futterernte im Sommer sein Leben lassen müsse, war von den Referentinnen und Referenten zu hören. 

Deshalb sei es wichtig, dass vor der Mahd die Felder auf Kitze abgesucht werden. Risikoreichere Parzellen diesbezüglich, meist am Waldrand, sind den Landwirtinnen und Landwirten bekannt, genauso wie den örtlichen Jagdgesellschaften. 

Diese unterstützten beim Vergrämen, Absuchen oder bereits vielerorts mittels Drohnenflug. Das Ganze braucht aber ein wenig Vorlauf. Landwirte sollten die Jäger rechtzeitig über ihre Absichten rund ums Mähen informieren. 

Gerettete Kitze werden markiert

Nachdem ein gerettetes Kitz, meist unter einer Harasse, in Sicherheit gebracht ist, wird es nach den Mäharbeiten wieder freigelassen. Vor dem Freilassen wird das kleine Wildtier fachgerecht, von dafür ausgebildeten Jägern, an den Lauscher (Ohren) markiert. Und wenn möglich, wird auch gleich das Geschlecht markiert. 

«Dank dieser freiwilligen Arbeit der Grünröcke verfügt die Schweiz über den wohl längsten Datensatz von Rehen in ganz Europa», bekräftigte Melitta Maradi, Geschäftsführerin von Wildtier Schweiz. 

Zusammen mit Tierärztin, Umweltwissenschaftlerin und Stellvertreterin der Geschäftsleitung von Wildtier Schweiz, Ruth Fiechter, und Wildhüter Matthias Müller vermittelten die drei Fachpersonen beim Hirschpark auf dem Littauerberg LU, die aktuellen Erkenntnisse zur tierschonenden Rehkitzmarkierung. 

Zeitgemässes Wildtiermanagement

Der Verein Wildtier Schweiz setzt sich mit 10 Mitarbeitenden und rund 150 Mitgliedern sowie viel Neugier und Begeisterung für die Schweizer Wildtiere ein. «Wir vermitteln fundiertes Fachwissen über die Schweizer Wildtiere. Wir forschen zusammen mit Praktikern, managen Daten und geben die Erkenntnisse in einer einfachen Sprache weiter», führte Melitta Maradi aus. 

Im zweiten Kursteil ging es praxisnah weiter. «Eine stressarme Behändigung ist das Wichtigste. Stress für das Rehkitz muss möglichst vermieden werden, was eine gute Planung und Beurteilung voraussetzt», so Ruth Fiechter. Im Anschluss konnten die Kursteilnehmenden gleich selbst Hand anlegen und eine Marke an den für den Kurs besorgten Lauscher anbringen.

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Zusammenarbeit von Jäger und Landwirt ist entscheidend

Es ist unerlässlich, dass Landwirte und Jäger gut untereinander kommunizieren und funktionieren. Die Verantwortung für die Rehkitzrettung liegt primär beim Bewirtschafter.

Dieser muss laut Tierschutzgesetz sicherstellen, dass keine Tiere bei der Mahd verletzt werden. Der Jagdausübungsberechtigte (Jäger) hat eine Mitwirkungspflicht, oft durch Suche oder Drohneneinsatz. 

Jäger sind zuständig für die fachgerechte Rettung und das Aneignungsrecht des Wildes. Sie werden vom Landwirt über die Mahd informiert. Eine enge Zusammenarbeit ist entscheidend, um Tierleid zu verhindern. 

Grosse Herausforderungen für eine Jagdgesellschaft sind vor allem «schlechte» Frühlinge. Dann, wenn lange nichts gemäht wird, nutzen Landwirte das erste sichere Zeitfenster und mähen alles aufs Mal. Meist, wenn bereits viele Kitze ins hohe Gras gesetzt wurden.

Rehkitz säugt alle drei bis vier Stunden

Für ein Kitz sei es überlebenswichtig, dass es nach dem Fang früh genug wieder freigelassen werde, um beim Muttertier säugen zu können. Eine zu späte Flüssigkeitsaufnahme könne zu einer Austrocknung des Körpers führen. 

Ein Rehkitz soll innerhalb von drei bis maximal vier Stunden wieder in die freie Wildbahn eingesetzt werden. Dieses Zeitfenster entscheidet über Leben oder Tod des Kitzleins.

Schlau mähen – auch den Bienen zuliebe

Beim ersten Schnitt des Jahres stehen die Wiesen oft in voller Blüte. Auf den Blüten tummeln sich tagsüber eine Vielzahl von Bienen und anderen Insekten. Wird zu diesem Zeitpunkt gemäht, verenden bis zu 60 Prozent der Insekten. So werden die Verluste reduziert:

– Wiese mit Löwenzahn erst mähen, wenn dieser verblüht ist (ist in den meisten Fällen auch futterbaulich sinnvoll).
– Frühmorgens oder am Abend mähen, wenn die Bienen nicht fliegen.
– Extensive Blumenwiesen oder Weisskleewiesen nicht mit Mähaufbereiter mähen.
– An kühlen, bedeckten Tagen ist der Bienenflug schwächer, was das Risiko verringert.
– Einzelne Streifen als Rückzugsmöglichkeit und Nahrungsquelle ungemäht stehen lassen.

Mähaufbereiter bringen aus agronomischer Sicht viele bekannte Vorteile, sind für Tiere, die in Wiesen leben, natürlich eine Gefährdung. Vor dem Aufbereiter können nur Tiere flüchten, die rasch reagieren und schnell grössere Distanzen zurücklegen können, sowie geschicktes Fluchtverhalten aufweisen. 

Der Aufbereiter ist eine Gefahr für Tierarten wie Amphibien, Spinnentiere, bodenbrütende Vögel, Insekten und vor allem Raupen, Heuschrecken und Bienen.

Weitere Infos dazu schlaumaehen.ch
Das ist ein Projekt des Schweizer Bauernverbandes unter Mitarbeit von, Agridea, apisuisse, IP-Suisse, Schweizerischer Verband für Landtechnik (SVLT), Schweizerische Vogelwarte mit finanzieller Unterstützung von Fonds Coop für Nachhaltigkeit.