Mitte Februar sind die ersten Amphibien unterwegs zu ihren Laichgebieten. Höhere Temperaturen und feuchte Witterung wecken sie aus ihrer Winterstarre im Boden. Pro Natura spricht von «einem der grössten Naturschauspiele der Schweiz», das etwa bis Ende März dauert. Die grosse Wanderung endet leider nicht selten auf einer Strasse. Erdkröten beispielsweise brauchen laut dem Schweizer Tierschutz STS manchmal 15 bis 20 Minuten, um eine Fahrbahn zu überqueren. So können ganze lokale Populationen unter den Rädern verenden.

Zahlreiche tote und sterbende Grasfrösche

Auch gegüllte Felder können Amphibien zum Verhängnis werden. «Im März 2025 haben Freiwillige, die im Kanton Baselland Amphibienzugstellen betreuen, an zwei Zugstellen zahlreiche tote und sterbende Grasfrösche festgestellt», schildert Urs Tester. Der Baselbieter Biologe, Naturschützer und Herpetologe führt die Symptome auf eine Vergiftung zurück. So waren die Tiere nicht aufgedunsen, die Körper unverletzt und ohne Parasiten. Die Frösche zeigten aber zum Teil Zuckungen. «In beiden Fällen waren die Grasfrösche zuvor über eine mit Schleppschlauch gegüllte Wiese gelaufen», so Tester.

Häufigkeit ist unklar, ebenso weitere Faktoren

Wie häufig so etwas vorkommt, kann der Biologe nicht sagen. Zumal die Wahrscheinlichkeit klein ist, es systematisch festzustellen. «Es muss während der Amphibienwanderzeit frisch gedüngt sein und es muss täglich jemand die Amphibien kontrollieren, weil tote Tiere nicht lange in der Natur sichtbar bleiben.» 

Vor allem Ammoniak und Schwefel aus der Gülle können Amphibien schädigen. Ihre sehr durchlässige Haut nimmt in Wasser gelöste oder gasförmige Stoffe rasch auf, erklärt Urs Tester. «Die Frage, unter welchen Umständen ausgebrachte Gülle für Amphibien gefährlich ist, kann ich nicht beantworten.» Ihm sind keine Untersuchungen dazu bekannt, ob z. B. das Schleppschuhverfahren in dieser Hinsicht besser wäre. Klar ist hingegen, dass Gülle auf keinen Fall in Gewässer gelangen darf.

Nach der Hauptwanderzeit düngen

Der STS ruft Autofahrer dazu auf, von Februar bis April auf Amphibien Rücksicht zu nehmen und auf gefährdeten Strassen mit unter 30 km/h zu fahren. Alternativrouten wären auch eine Möglichkeit.

Und die Gülle? «Wann und über welche Wiesen Frösche und Kröten zu ihren Laichgewässern wandern, ist zwar von Ort zu Ort verschieden», räumt Urs Tester ein. «Aber das Gebiet lässt sich auf einem Landwirtschaftsbetrieb recht gut eingrenzen.» Wenn diese Flächen erst nach der Hauptphase der Amphibienwanderung gedüngt werden, liessen sich solche Schäden vermeiden. Eine Überlegung ist es wert – um grausige Funde zu verhindern.