Wildtiere beeinflussen die Waldverjüngung negativ. Wie stark das der Fall ist, überprüft das Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) des Kantons Bern alle zwei Jahre mittels Wildeinflussgutachten (WEG). Das WEG 2025 bestätigt den Trend der Vorjahre und zeigt auf, dass Handlungsbedarf besteht, da der Wald mancherorts nicht mehr natürlich nachwachsen kann. Zu gross ist der Einfluss von Wildhuftieren wie Reh und Hirsch. Das wird an einem Mediengespräch in Bern deutlich.
Beim WEG werden die Flächen in drei Sparten unterteilt:
- Es wird unterschieden, ob das gesteckte Verjüngungsziel des Waldes angesichts des Wildtierbestandes erreicht werden kann (tragbar),
- ob es unsicher ist (kritisch)
- oder ob es nicht erreicht werden kann (untragbar).
Konkret gibt es immer weniger tragbare Flächen und mehr kritische Flächen. Klar wird auch, dass der Wildeinfluss regional sehr unterschiedlich ausfällt. Weitgehend unverändert präsentiert sich die Situation gegenüber den Zahlen von 2023 im Jura und den Voralpen. Im Mittelland gibt es eine Verschiebung von untragbaren zu kritischen Flächen. Hingegen haben im Oberland die untragbaren Flächen zugenommen. Bei denen ist der Wildeinfluss so gross, dass keine Waldverjüngung stattfinden kann. Auf gesamthaft 17 % der Flächen im Kanton wird der Wildtiereinfluss als untragbar eingestuft. Im Jahr 2015 lag dieser Wert noch bei 10 %.
Neue Strategie vorgestellt, alle Waldakteure sind gefordert
Es besteht also Handlungsbedarf. Gleichzeitig mit den neusten WEG-Zahlen präsentierte der Kanton Bern seine Strategie Wald-Wild-Lebensraum (WWL) 2040. Ihr Ursprung geht auf eine Motion von Bernhard Riem (Iffwil, Die Mitte) im Jahre 2023 zurück, die eine Wald-Wild-Lebensraum-Strategie verlangte. Ein Projektteam aus dem AWN und dem Jagdinspektorat (JI) hat die Strategie gemeinsam mit einer Begleitgruppe ausgearbeitet. Darunter befanden sich Vertreterinnen und Vertreter aus den Interessensgruppen Jagd, Waldbesitz, Naturschutz und auch Landwirtschaft.
Die Strategie will ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Wald und Wild schaffen. «Wild und Wald gehören zusammen», machte Michael Gysi, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und Natur (Lanat), deutlich. Der Lebensraum der Tiere müsse gewährleistet sein. Aber dennoch müsse die Verjüngung des Waldes möglich sein.
Das Ziel der Strategie ist ein gesunder Wald im ganzen Kanton, der seine Funktion erfüllen kann. Rothirsch, Reh und Gämse sind darin effektiv reguliert, finden aber auch Lebensräume vor, die ihren Bedürfnissen entsprechen, heisst es in einer Zusammenfassung des Projekts. Das Ziel der Strategie ist ambitioniert. So sollen bis zum Projektende im Jahr 2040 mindestens 65 % der Flächen jedes Wildraumes einen tragbaren Wildeinfluss und maximal 10 % einen untragbaren aufweisen, betonte Marc Balsiger, Vorsteher des AWN. Das Ziel könne nur gemeinsam von allen Akteuren im Wald erreicht werden, wurde mehrfach betont.
Wald soll bewirtschaftet werden
«Jagd ist ein wichtiger Punkt zur Problemlösung», betonte Nicole Imesch, die zusammen mit Michael Brügger, Leiter Waldabteilung Alpen, die WWL-Strategie in einer Co-Projektleitung führt. Aber auch die Waldbesitzer sind gefordert. «Es geht nur gemeinsam», machte Michael Gysi deutlich. Die Waldbewirtschaftung müsse gestärkt werden und flächendeckend sowie naturnah erfolgen, ergänzte Marc Balsiger. Da es keine Bewirtschaftungspflicht gibt, setzt der Kanton auf Anreize und Beratung für Waldbesitzer(innen). Denn die Verjüngung des Waldes sei wichtig. Die Strategie tritt sofort in Kraft. Der Erfolg werde regelmässig überprüft.
Fazit der Rothirschjagd 2025 fällt erfreulich aus
«Die Rotwildjagd 2025 war sehr erfreulich», erläuterte Jagdinspektorin Nicole Imesch. Die Ziele seien «grossmehrheitlich» erreicht worden. In Zahlen ausgedrückt heisst das, dass 1323 Rothirsche (+26 %) erlegt wurden. «Das ist eine grosse Leistung der Jägerschaft», betonte sie. Denn die Wildhut alleine könne eine solche Leistung nicht erbringen. Der Fokus bei der Rothirschjagd liegt auf der Regulation der Bestände. Dies geschehe, indem weibliche Tiere erlegt werden. 2025 konnte der Anteil weiblicher Tiere auf 63 % gesteigert werden. Imesch betonte aber auch, dass der Tierschutz beachtet werde und keine Hirschkühe, mit Jungtieren erlegt würden. Trotz der guten Abschusszahlen nehme der Hirschbestand weiter zu. Das bedinge, dass die Abschusspläne jährlich neu angepasst werden müssten. Aus wildbiologischer Sicht betrachtet, sei das Wachstum des Bestandes aber erfreulich.