Am Schluss der Infoveranstaltung in Thun gab es keine Fragen vonseiten Publikum. Ein gutes Zeichen für die beiden Zuchtorganisationen Holstein Switzerland und Swissherdbook, die den Berner Züchtern vergangene Woche das Projekt «Alliance» vorstellten. Einerseits rannten sie wohl mit der Idee eines gemeinsamen Herdebuchs offene Türen ein, andererseits wurde die Notwendigkeit schlankerer Strukturen so schlüssig erklärt, dass es keine Zweifel mehr gab. «Der nahtlose Datenaustausch zwischen den Zuchtverbänden war lange gewünscht und wird nun Realität», betonte Michel Geinoz, der bei beiden Verbänden als Geschäftsführer amtet und das Projekt vorstellte.
Spardruck vom Bund
Die Signale vonseiten Bund sind klar. Mit der Revision der Tierzuchtverordnung sollen die Tierzuchtorganisationen 1,7 Mio. Franken Subventionen weniger bekommen. Subventionen, die bisher grosszügiger ausbezahlt wurden als es das Gesetz verlangt habe, erläuterte Michel Geinoz.
Dass man künftig diese Zahlungen weiter in diesem Rahmen bekomme, sei unter dem vorherrschenden Spardruck unwahrscheinlich. Mit dem Entlastungspaket 2027 seien weitere Kürzungen bei der Unterstützung zu befürchten. Dazu wird auch die Selbstbeteiligung der Züchter an den Kosten infrage gestellt. «Das schlimmste Szenario würde gar den Tod der Zuchtorganisationen bedeuten» betonte Geinoz. Auf eine Senkung der Bundesunterstützung wollen die Verbände sich vorbereiten und Synergien nutzen, damit Kosten gespart werden können.
Tarife tief halten
Auch die sinkenden Herdebuchbestände tragen dazu bei, dass man insbesondere bei den teuren Informatikprojekten künftig zusammenarbeiten will. Aufgrund der angespannten finanziellen Lage auf den Landwirtschaftsbetrieben sei man sich bewusst, dass eine Tariferhöhung zum Verlust von Mitgliedern führen könnte. Auch das ein Grund, dass man künftig mit schmaleren Strukturen die Tarife tief halten will, ansonsten drohe ein Teufelskreis, erläuterte Geinoz die Problematik: «In vielen Bereichen der Landwirtschaft werden administrative Vereinfachungen gefordert. Wir können als Vorbild vorausgehen».
Gemeinsame digitale Lösungen
Doch auch in Sachen Interessensvertretung mache eine Zusammenarbeit der beiden Verbände Sinn: «Das Image der Tierzucht und der Nutztierhaltung braucht Pflege und das können wir sicher mit einem gemeinsamen Auftritt besser als jeder für sich», betonte Michel Geinoz.
Ebenfalls in Sachen Digitalisierung der Betriebe und der Datenbeschaffung bei den Anbieterfirmen wird eine gemeinsame Datenbank der Zuchtverbände vorteilhaft sein. Sowie es auch bei der Schnittstelle mit der Tierverkehrsdatenbank deshalb künftig reibungsloser laufen dürfte.
Mehr per Handy
Schlussendlich habe sich auch das Nutzerverhalten der Züchter geändert, erklärte der Vizedirektor von Swissherdbook Alex Barenco die angedachten technischen Lösungen. So soll eine neue mobile Applikation dem Bedürfnis nach Mobile-first entgegenkommen und insbesondere fürs Handy verbesserte Möglichkeiten bieten. Dies sei heute präsenter als der PC, wenn es um die Datenerfassung und -abfrage gehe.
Die Basis redet mit
In der gemeinsamen Datenbank der Tierzuchtverbände, die auch das Bundesamt für Landwirtschaft fordert, sehen die Beteiligten deshalb nur Vorteile. Doch die Zusammenarbeit unter dem Projekt «Alliance» soll darüber hinaus gehen. Bereits ab dem 1. Juli des kommenden Jahres wollen die beiden Zuchtverbände die Milchleistungsprüfung gemeinsam organisieren und die Regeln dafür harmonisieren. Der Monatsbericht dazu soll ebenfalls gemeinsam erstellt werden. Gleichzeitig werden die Herdebuchreglemente auf diesen Termin hin vereinheitlicht. Dazu gehören auch die Auszeichnungen von Züchtern sowie die einheitlichen Zuchtdokumente.
Harmonisiert werden bereits ab Neujahr die Sponsoringreglemente für Schauen und Ausstellungen: «Diese Elemente zeigen den Willen, gemeinsam voranzukommen und gemeinsam effiziente und zukunftsweisende Lösungen zu finden», betonte Michel Geinoz vor einem interessierten Publikum. Die Verbände wollen aber bei den anstehenden Entscheiden auch die Basis mitreden lassen, inwieweit die Zusammenarbeit der Verbände gehen soll oder ob gar eine Fusion ins Auge gefasst werden. Somit soll an den Delegiertenversammlungen im kommenden April eine Abstimmung über den Grundsatz dieser Annäherungsstrategie stattfinden. Erst dann kann über die genaue Form der Zusammenarbeit befunden werden.